Leichtathletik

Die Sprints der Männer versprechen Spektakel

Alex Wilson (links), Noah Lyles und  Justin Gatlin posieren beim Medientreff in Lausanne.

Alex Wilson (links), Noah Lyles und Justin Gatlin posieren beim Medientreff in Lausanne.

Die Sprints der Männer kündigen sich als Highlight der Athletissima 2019 an: Jung gegen Alt mit Schweizer Beteiligung.

Justin Gatlin ist ein Dauerbrenner in der Leichtathletik. 2004, als noch niemand von Usain Bolt sprach, wurde der Amerikaner 100-m-Olympiasieger in Athen und schaffte 2005 an den Weltmeisterschaften in Helsinki das Sprint-Double. Danach machte der US-Athlet primär als Dopingsünder und Wiederholungstäter von sich reden. Er war bis 2010 gesperrt, aber er schaffte tatsächlich wieder den Anschluss. Seit den Olympischen Spielen 2012 in London stand Gatlin an jedem Grossanlass auf dem Podest und entthronte 2017 bei den Weltmeisterschaften in London Bolt bei dessen Abschiedsvorstellung. Und seit vergangenen Sonntag nach dem 100-m-Lauf im kalifornischen Stanford in 9,87 Sekunden hält er einen ganz besonderen Rekord: Niemand ist je mit 37 Jahren so schnell gelaufen.

"Älter werden ändert mit Blick auf die Weltmeisterschaften in Doha nicht viel. Die unorthodoxe Saison bringt Anpassungen mit sich, wir sind noch nie im Oktober gegeneinander angetreten", sagte Gatlin am Vortag der Athletissima in Lausanne. "Das bedeutet: geduldig bleiben, konstant bleiben, kompetitiv bleiben". Die Saison gleiche mehr einem Schachspiel denn einer Rekordjagd. Er geniesse die Situation, die derzeit im Sprint herrsche. "Es gibt keinen klaren Favoriten, es gilt immer abzuwarten, wie der Sieger heissen wird." Gatlin will sich mit Blick auf Doha nicht verzetteln und setzt für die US-Trials einzig auf den 100-m-Lauf. Auch in Lausanne gibt er der kurzen Strecke den Vorzug, obwohl sie nicht als Diamond-League-Event ausgeschrieben ist.

Ein Vertreter der neuen Generation

Eine halbe Stunde nach Gatlin wird Noah Lyles aus den Startblöcken schiessen. Der US-Boy zählt mit Christian Coleman oder Michael Norman zur jungen Generation der Amerikaner, die Jamaika als Sprint-Nation Nummer 1 abgelöst haben. Für den knapp 22-jährigen Lyles können die Weltmeisterschaften in Doha nicht früh genug kommen, denn sein Stern ging in der Zwischensaison 2018 auf. "Ich brenne auf die Weltmeisterschaften, darauf warte ich seit 2 Jahren. Ich war noch nie im US-Team", sagte er. "Jetzt ist es Zeit für unsere Generation."

In Lausanne dürfte sich Lyles durchsetzten. Denn als Profi musste er über 200 m im Freien erst eine Niederlage einstecken. Anfang Juni in Rom war er in 19,72 Sekunden um zwei Hundertstelsekunden langsamer als der ebenfalls 21-jährige Landsmann Michael Norman.

Gegen Lyles läuft neben Welt- und Europameister Ramil Guliyev auch Alex Wilson, der am Sonntag in La Chaux-de-Fonds den Schweizer Bestwert auf 19,98 Sekunden senkte. "Der Rekord hat auch mich überrascht", gestand der EM-Dritte von Berlin 2018 ein. Die Wärme und der Rückenwind hätten geholfen. "Ich bin noch nicht in Top-Form, ich dürfte noch schneller werden", sagte der Basler. "Ich bin nochmals leichter geworden, muss also weniger Gewicht rumschleppen."

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