«Das ist ein Feiertag», hatte Tomislav Stipic freudig ausgerufen, bevor er im Letzigrund mit seiner Mannschaft das Heimspiel gegen Lugano in Angriff nahm. Neunzig Minuten später sagte er: «Nein, das war nun doch kein Feiertag. Es gibt keinen Grund, zu feiern.»

Natürlich hatte auch den neuen GC-Trainer die schlechte Kunde aus Neuenburg längst erreicht. Dort war Xamax gegen Thun dank eines Treffers in der letzten Minute mit einem 3:2-Sieg vom Platz gegangen.

Druck auf den Muskeln

Und weil Stipic mit seinem Team im wahrsten Sinne des Wortes gegen die Tessiner nur ein 1:1 erkrampft hatte, liegen die Zürcher nun schon sechs Punkte hinter dem Barrage- und gar zehn hinter einem Nichtabstiegsplatz.

Auch wenn es also kein Feiertag geworden war, sagte Stipic: «Ganz ehrlich, ich bin zufrieden mit dem Punkt. Meine Mannschaft hat alles rausgehauen.» Dass der eine oder andere seiner Spieler von Krämpfen geplagt worden war, habe seine Ursache wohl auch im mentalen Bereich.

Weil der Druck auf den Muskeln laste. Vielleicht aber hatte sich auch einfach nur die Befürchtung des neuen Präsidenten Stephan Rietiker bestätigt, der vor der Partie fachmännisch von physischen Defiziten der Mannschaft gesprochen hatte.

Dank Fortuna zum Punktgewinn

Offensichtlich war: Je länger das Spiel gedauert hatte, desto mehr waren die Zürcher ihrem Gegner hinterhergelaufen, und einige schienen gar stehend K.o. zu sein. So benötigten sie denn auch eine Menge Dusel, um wenigstens einen Punkt zu behalten.

Kurz vor dem Ende hatte nämlich Goalie Heinz Lindner mehr Glück als Verstand, als er am Boden sitzend einen abgefälschten Schuss von Armando Sadiku nur deshalb mit dem Fuss abwehren konnte, weil die Kugel zufälligerweise genau in seine Richtung geflogen kam.

«Das Spiel hätte eigentlich drei Punkte hergegeben», sagte der Österreicher hinterher etwas verwegen, «aber ein Punkt ist besser als gar keiner. Wir haben phasenweise sehr gut gespielt.»

Kurzzeitige Hoffnung

Auch das ist zwar etwas übertrieben, doch während der ersten halben Stunde hatten die Zürcher mit ihrer Aggressivität gezeigt, dass sie vielleicht doch begriffen haben, dass ein Abstieg nicht ganz ausgeschlossen sein könnte.

Marco Djuricin war mit einem haltbaren Schuss aus 20 Metern erfolgreich. Und weil GC noch immer führte, als der FC Thun in Neuenburg in Führung ging, war in der virtuellen Tabelle der Rückstand von vier Punkten auf Xamax gar auf einen einzigen Zähler zusammengeschmolzen.

Doch Lugano hatte allmählich ins Spiel gefunden und war unmittelbar vor der Pause durch Carlinhos zum 1:1-Ausgleich gekommen. Das Nachlassen der Hoppers, das in der zweiten Halbzeit seine Fortsetzung erfuhr, begründete Stipic damit, dass sein Team nun plötzlich etwas zu verlieren hatte. Zuerst die Führung, später das Unentschieden.

Turbulente Woche

Mit Ach und Krach aber brachten sie dieses über die Zeit. Die Luganesi, die mit einem Sieg auf Platz vier vorgerückt wären, mussten sich indes an der eigenen Nase fassen. «Die Chancen waren da, aber es fehlten immer ein paar wenige Zentimeter», sagte Trainer Fabio Celestini. Stipic, der mit GC seinen ersten Punkt geholt hatte, sagte derweil: «Es fühlt sich gut an. Jetzt müssen wir uns erholen, um am Mittwoch um 20 Uhr in St. Gallen bereit zu sein.»

Nach dem Rücktritt von Präsident Stephan Anliker am Montag, der Vorstellung von Nachfolger Rietiker am Mittwoch und Stipics Mitteilung am Freitag, Holzhauser, Ngoy, Asllami, Gjorgjev, Tarashaj und Ajeti seien aussortiert worden, war am Sonntagabend die Frage berechtigt, ob das Fallbeil auch noch Goelzer, Taipi, Pinga und Mallé getroffen habe. Diese hatten auf dem Matchblatt ebenfalls gefehlt. «Nein, aber wir konnten ja nur 18 Spieler draufnehmen», sagte Stipic.