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Leben in der Basketballblase: Nordamerikas Basketballsaison steht vor der Fortsetzung

Chris Paul (links) von den Oklahoma City Thunder und Paul George von den Los Angeles Clippers bei der Rückkehr ins Hotel nach einem Training in Orlando.

Chris Paul (links) von den Oklahoma City Thunder und Paul George von den Los Angeles Clippers bei der Rückkehr ins Hotel nach einem Training in Orlando.

Die NBA will ihre Saison halbwegs geordnet beenden. Es ist ein ebenso bizarres wie faszinierendes Experiment.

Joel Embiid ist ein Mann für die grossen Gesten. Als der Superstar der Philadelphia 76ers in Walt Disney World in Orlando, Florida, ankam, entstieg er der Limousine in einem dieser Ganzkörperschutzanzüge, wie sie Mediziner tragen. Nachdem das Blitzlichtgewitter vorbei war, sagte Embiid, 26, er sei sich nicht sicher, ob das eine gute Idee sei: weiterzuspielen, jetzt, inmitten einer Pandemie, die in manchen Bundesstaaten der USA weiterhin ausser Kontrolle ist.

Doch es geht um viel Geld – eine Absage hätte die NBA je nach Berechnung gegen 900 Millionen Dollar gekostet. Und so werden jetzt 22 der 30 NBA-Teams in Orlando um den Titel spielen, in einer bizarren Umgebung. Disney World, gemäss Eigenwerbung «The happiest place on earth» hat schon im normalen Alltag etwas Steriles und Durchgetaktetes, aber jetzt ist der Ort zu einem hermetisch abgeriegelten Biotop für ein eigenartiges Experiment mit ungewissem Ausgang geworden.

Die Quarantänephase überstanden die Spieler, Trainer und Journalisten weitgehend problemlos; sie vertrieben sich die Zeit mit Fischen, Yoga, ein paar Spielen am Flipper und dem Absetzen von Social-Media-Posts. Wobei Instagram-Models offenherzig verkündeten, sie hätten Einladungen erhalten, um diesen oder jenen Spieler im Hotelzimmer zu besuchen. Und es Akteure gab, die mit dem angebotenen Essen so unzufrieden waren, dass sie heimlich Lieferungen anzunehmen versuchten – was natürlich aufflog, und den Betroffenen zusätzliche Tage in Isolation eintrug.

Thabo Sefolosha verzichtet freiwillig

Die Überwachung ist streng – alle in der «Bubble» von Orlando werden getrackt, es gibt eine anonyme Hotline, bei der man Verfehlungen melden kann. Nicht alle waren zu diesen Konzessionen bereit, zumal für potenziell mehrere Monate; die Playoff-Finalserie endet erst Mitte Oktober. Knapp ein Dutzend Spieler verzichtete freiwillig auf die Teilnahme. Darunter der Schweizer Thabo Sefolosha, was für den 36-jährigen Romand das Ende seiner NBA-Karriere bedeuten könnte. Sefolosha hatte mit den Houston Rockets schon auf diese Saison erst mit Mühe und im letzten Moment einen Arbeitgeber gefunden. Mit Clint Capela fehlt in Orlando auch der zweite Schweizer in der NBA. Seine Atlanta Hawks gehören zu den schwächsten Teams der Liga; sie waren ohne Playoff-Chance, weshalb die Saison für sie zu Ende ist.

Doch unter jenen Athleten, die die Reise nach Florida angetreten haben, scheint Konsens darüber zu herrschen, dass Einschränkungen und Kompromisse das kleinere Übel sind als ein Rest des Jahres ohne Basketball.

Die ersten Resultate sind ermutigend

Die Frage ist nur, ob das alles funktionieren kann; ob die Massnahmen genügen und eingehalten werden. Drei Monate können eine lange Zeit sein, wenn man Familie und Freunde nicht um sich haben kann; auf dem Sportsender ESPN wurde hitzig darüber diskutiert, wie lange es wohl dauere, bis Profis die Regeln brechen würden, weil sie es ohne Sex nicht aushalten. Der Ligakommissionär Adam Silver appelliert an die Disziplin, er sagt: «Wenn es zu viele Coronafälle gibt, brechen wir die Saison ab.» Bisher sind die Resultate ermutigend: Unter den 346 Spielern in Orlando gab es keinen positiven Test.

Diese Woche begannen die ersten Vorbereitungsspiele, am 30.Juli nimmt die Liga ihren Betrieb der Partie zwischen den Utah Jazz und den New Orleans Pelicans offiziell wieder auf. Es ist ein Moment, auf den viele mit wachsender Sehnsucht gewartet haben – nicht zuletzt die TV-Rechteinhaber, die in ihrer wachsenden Hilflosigkeit simulierte Playstation-Spiele live übertragen haben. Die NBA muss hoffen, dass ab dann so etwas wie Normalität einkehrt, dass der Hüne Joel Embiid wegen seinen Dunks und seinem Trashtalk für Schlagzeilen sorgt. Und nicht, weil er wegen eines Virusausbruchs im Schutzanzug aus Walt Disney World abreisen muss.

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