Ski Alpin
Lara Gut: «Ich habe noch fünf wunderschöne Chancen»

Am Donnerstag an der Medienorientierung in Lenzerheide war Lara Gut gut gelaunt. Nein, an den Gesamtweltcup denke sie im Moment noch nicht, sagte die Tessinerin.

Jürg Sigel
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Lara Gut dürfte sich wohl bald die grosse Kristallkugel sichern. Die Tessinerin bleibt aber bescheiden.

Lara Gut dürfte sich wohl bald die grosse Kristallkugel sichern. Die Tessinerin bleibt aber bescheiden.

Keystone

Nur ein Ski-Erdbeben kann Lara Gut noch von der Spitze der Weltcup-Gesamtwertung verdrängen. Oder ein Wunder. Aber selbst Viktoria Rebensburg glaubt nicht mehr daran. 263 Punkte beträgt Guts Reserve auf die deutsche Olympiasiegerin von 2010.

Schon in Lenzerheide, wo morgen ein Super-G und am Sonntag eine Kombination ausgetragen werden, kann Gut im Alter von 24 Jahren ihren bisher grössten Triumph perfekt machen, wenn sie 38 Punkte mehr auf ihr Konto gutschreiben lassen kann als Rebensburg.

«Die Kugel ist noch weit, weit weg»

Oft ist Lara Gut in den vergangenen Tagen auf die grosse Kristallkugel angesprochen worden. «Es ist nicht so», sagt Gut, «dass mich das mit der Zeit zu nerven begann.» Lachend fügt sie bei: «Ich kann mich ja wirklich nicht nerven, wenn mir jemand diese Kugel schenken will.»

Dann wiederholt sie, was sie schon öfters gesagt hat: «Ich fahre Ski, weil es mir Spass macht. Alles andere ist eine erfreuliche Zugabe.» Sie meint damit eben die Kugel, die für sie allerdings «noch weit, weit weg ist. Ich fokussiere mich stets nur auf das nächste Rennen. Ich wollte und musste lernen, so zu denken, weil mir dies am meisten nützt.»

Studiere man zu viel an den Punkten herum, gehe Energie unnötig verloren. Gut verdrängte die Rechnerei auch dann, als die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Gesamtweltcup zu ihren Gunsten entscheiden wird, immer grösser wurde. «Mit dieser Situation konnte ich bis jetzt ebenfalls gut umgehen.» Einen Mental-coach habe sie dafür nicht beiziehen müssen. «Ich habe schliesslich ein gutes Umfeld.»

«Es sind gute Erinnerungen»

Damit ist das Thema Gesamtweltcup für Gut erledigt. Sie versucht zumindest, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. «In dieser Woche», sagt sie, «habe ich mich kaum mit Ski beschäftigt, sondern weitgehend ausgeruht. Aber keine Angst, das Skifahren habe ich nicht verlernt.»

Und sie hat nicht vergessen, welche Erfolge sie in der Schweiz schon verbuchen konnte. «Es sind gute Erinnerungen», sagt Gut. In St. Moritz gewann sie ihr erstes Weltcuprennen, In Lenzerheide entschied sie vor zwei Jahren beim Weltcupfinal sowohl die Abfahrt als auch den Super-G für sich. «Dass ich die Möglichkeit habe, auf Hängen die Saison zu beenden, auf denen ich mich wohlfühle und die erst noch in der Schweiz sind, ist schon speziell», gibt Gut zu verstehen.

Fünf der sechs ausstehenden Rennen wird Lara Gut bestreiten. Sie spricht von «fünf wunderschönen Chancen», die sie erhält. «Ich werde versuchen, Spass zu haben und schnell zu fahren.» Ist sie schnell genug, winken sogar noch Disziplinensiege.

In der Super-G-Wertung liegt sie als Zweitplatzierte 64 Punkte hinter der verletzten Lindsey Vonn. In der Kombination führt sie nach zwei von drei Prüfungen zusammen mit der Kanadierin Marie-Michèle Gagnon sowie Vonn. Zwei Punkte dahinter lauert Guts Teamkollegin Wendy Holdener.

Und schliesslich erwähnt die Tessinerin doch noch einmal den Gesamtweltcup. «Ich habe Glück, dass ich mich in dieser Position befinde», sagt sie, die Frau mit den langen blonden Haaren, die kurz davor steht, zur neuen Skikönigin gekürt zu werden.