Kommentar
Schweigen ist Geld - darum schauen die Mächtigen des Fussballs in Katar lieber weg

Nationalspieler verschiedener Länder protestieren gegen die Verletzung der Menschenrechte im kleinen, reichen Golfstaat, wo 2022 die WM stattfindet. Die Schweizer Kicker halten sich zurück.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Deutschlands Nationalelf vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island.

Deutschlands Nationalelf vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island.

Tobias Schwarz / AP

Die norwegischen Fussballer waren die ersten. Dann folgten die Deutschen, die Holländer und die Dänen. Sie alle protestierten gegen die Verletzung der Menschenrechte in Katar, wo im nächsten Jahr die WM stattfindet. Und die Schweizer? Verbandspräsident Dominique Blanc präferiert den Dialog mit der Fifa. Nur: Gianni Infantino foutiert sich schon seit Jahren um die ausgebeuteten Arbeiter auf den WM-Baustellen.

Die Proteste der Kicker kommen spät. Den Zuschlag für die WM erhielt Katar vor zehn Jahren. Und die Zustände auf den WM-Baustellen sind nicht erst seit gestern verheerend. Trotzdem: Es ist eine sympathische Geste der Spieler. Auch wenn keiner von ihnen einen WM-Boykott tatsächlich in Betracht zieht. Immerhin erheben sie im Vergleich zu den wirklich mächtigen des Fussballs ihre Stimme.

Sinnbildlich für das Fussball-Establishment: Uli Hoeness. Auf den Protest der Deutschen angesprochen, findet er es eine gute Sache. Aber auch die Kooperation des FC Bayern mit Qatar Airways würde helfen, die Dinge in Katar zu verändern. Ist es nicht eher so, dass die Bayern (wie viele andere) unverschämt kassieren und Schweigen ein Teil der unausgesprochenen Abmachung ist?