«Der Verwaltungsrat der EHC Biel Holding AG hat heute Mittag einstimmig entschieden, sich aufgrund der sportlichen Baisse per sofort von Headcoach Kevin Schläpfer zu trennen und ihn per heute freizustellen. Der EHC Biel dankt Kevin Schläpfer für die für den Club geleisteten langjährigen Dienste als Spieler, Sportchef, Nachwuchsverantwortlichen und Headcoach und wünscht ihm in jeder Beziehung für die Zukunft alles Gute.»

So tönt es, wenn ein Trainer in der höchsten Schweizer Eishockey-Liga dieser Tage entlassen wird. Kurz und schmerzlos wird die Trennung verkündet. Dass es sich beim «Freigestellten» um eine Persönlichkeit handelt, die den Klub, der ihn eben aus dem Amt manövriert hat, während fast eines Jahrzehnts geprägt hat, ist kaum spürbar. Das Sport-Business kennt keine Sentimentalitäten. Was besonders im Fall des Baselbieters augenfällig ist.

Die Verdienste Schläpfers um den EHC Biel sind zahlreich. Er führte das Team als Sportchef in die NLA (2008) und als Trainer unter anderem zu drei Playoff-Teilnahmen (2012, 2013 und 2015). Und dies, obschon die Seeländer vom Budget her immer zum «Armenhaus» der höchsten Spielklasse gehörten.

Bei der letzten Playoff-Teilnahme 2015 musste sich Biel in den Viertelfinals gar erst nach sieben Spielen dem damaligen Qualifikationssieger ZSC Lions geschlagen geben. Seit 2010 amtierte Kevin Schläpfer als Cheftrainer, nachdem er zweimal als Interimstrainer erfolgreich eingesprungen war. 2009 und 2010 ersetzte er als Sportchef jeweils in der Ligaqualifikation die entlassenen Heinz Ehlers beziehungsweise Kent Ruhnke und führte den Klub in extremis zum Klassenerhalt.

Das alles zählte nach der verkorksten letzten Saison (letzter Platz nach der Quali, Klassenerhalt nur dank dem Aufstiegsverzicht von B-Meister Ajoie) und der aktuellen Durststrecke (neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen) offensichtlich nichts mehr. Der Verwaltungsrat entzog Kevin Schläpfer einstimmig das Vertrauen.

Tweet: CEO Daniel Villard zu Schläpfers Entlassung

Das fatale Angebot

Derselbe Verwaltungsrat, der dem Sissacher noch vor etwas mehr als einem Jahr die Erfüllung seines Traums verunmöglicht hatte. Im Oktober 2015 hatte Kevin Schläpfer ein Angebot für den Posten des Schweizer Nationaltrainers auf dem Tisch. Die Bieler Führungsetage verweigerte ihrem Cheftrainer damals die Freigabe aus dem bis zum Ende der Saison 2018 laufenden Vertrag. Was folgte, waren Risse im gegenseitigen Vertrauensverhältnis, welche sich aller Beteuerungen zum Trotz nicht mehr kitten liessen.

Das Coaching des aktuellen NLA-Neunten wird vorderhand Nachwuchs-Cheftrainer Mike NcNamara (67) übernehmen. Unterstützt wird der Amerikaner von Schläpfers bisherigem Assistenten Dino Stecher, welcher im Sommer erst auf expliziten Wunsch des Baselbieters von Olten zurück nach Biel gewechselt war.

Schläpfer weint bei PK: ''Es tut mir leid''

Schläpfer weint bei PK: ''Es tut mir leid''

Obwohl er einst sagte, dass sein grosser Traum es sei, eines Tages Nationaltrainer zu werden, bleibt Kevin Schläpfer Trainer des EHC Biel. Bei der Pressekonferenz wurde klar, wie schwer es dem charismatischen Coach fiel, den Job nicht annehmen zu können. Er brach in Tränen aus.

Wer dann offiziell das schwere Erbe des Hockey-Gotts antreten wird, ist noch offen. Der Name von Meistertrainer Lars Leuenberger ist natürlich sofort in ersten Spekulationen aufgetaucht. Es gibt jedoch Signale aus den Reihen der Seeländer, die gegen ein Engagement Leuenbergers sprechen. Ebenso herumgereicht wird der Name von Langnaus Aufstiegstrainer Bengt Åke Gustafsson. Klar ist: Der Nachfolger muss eine grosse Lücke auffüllen.