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Kevin Mbabu: Wer ist der Mann, den plötzlich alle als Symbol der Schweizer Probleme sehen?

Der Meister (Stephan Lichtsteiner, rechts) und sein Lehrling (Kevin Mbabu, links), gemeinsam frustriert nach dem 0:1 der Schweiz in Dänemark (Bild: Keystone

Der Meister (Stephan Lichtsteiner, rechts) und sein Lehrling (Kevin Mbabu, links), gemeinsam frustriert nach dem 0:1 der Schweiz in Dänemark (Bild: Keystone

Kevin Mbabu, 24, ist ein talentierter Schweizer Rechtsverteidiger. Im Sommer wechselte er von YB zu Wolfsburg – dann endete der Höhenflug des Hoffnungsträgers abrupt. Wie ist das passiert?

Kevin Mbabu steht in Kopenhagen am Rande eines Trainingsplatzes. Es ist der Tag nach dem 0:1 gegen Dänemark. Seine Laune könnte besser sein. Denn wieder einmal heisst es: Mbabu ist mitschuldig an einem späten Schweizer Gegentor. Doch dem 24-Jährigen gelingt es, sein Lächeln zu behalten. Gerne nimmt er sich nach der Übungseinheit Zeit für jeden Autogramm- und Selfiewunsch der Schweizer Fans. 

Mbabu ist derzeit so etwas wie die Personifizierung der Schweizer Probleme. Und das nur wenige Monate, nachdem ihm von allen Seiten Lob zugeflogen war. Es hat etwas Erstaunliches, wie schnell sich die Meinung über ihn mancherorts geändert hat. «So ist das eben. Jeder macht Fehler. Und ich bin mir bewusst, dass ich nicht die besten Auftritte hinter mir habe. Aber ich bin sicher, ich lerne viel daraus.»

Auch wenn Mbabu auf seinen Werdegang zurückschaut, tut er das mit einem Lächeln. Er wächst in Genf auf, seine Mutter ist Kongolesin, der Vater Franzose. Bald gilt er als grosses Talent, weil er schon als 16-Jähriger mit Dynamik und imposantem Körperbau auffällt. Die ersten Anfragen von Weltklubs lassen nicht auf sich warten. Erst Manchester United, dann Arsenal. Schliesslich entscheidet er sich für Newcastle. Familie und Freunde hatten davon abgeraten.

«Als ich die Schweiz verliess, war ich ein ‹Bébé›», sagt Mbabu nun. Er tut das wertfrei, möchte die Erfahrung in England nicht missen. Sie hat ihn gelernt, dem Fussball alles unterzuordnen. Das war nicht immer so. Manch einmal konnte er der Versuchung der Partys in der Studentenstadt nicht widerstehen.

Mit 22 kehrt er zu YB zurück. Der Wechsel wird für beide zum Glücksfall. Mit den beiden Meistertiteln als Höhepunkt. Es ist die Zeit, als sich die Zweifel an Stephan Lichtsteiner mehren. Als Mbabu mit kraftvollen Sturmläufen begeistert. Auch in seinen ersten Einsätzen für die Schweiz.

Doch das Blatt wendet sich wieder. Auf diese Saison wagt Mbabu erneut den Schritt ins Ausland, diesmal zu Wolfsburg. Knapp 10 Millionen Euro kassiert YB, 100 Mal mehr als der Verein für ihn ausgab. Aber auch in Deutschland harzt es. Erst 11 Bundesliga-Minuten hat er auf dem Konto. Was sind die Unterschiede zu damals? «Ich habe jetzt einen gewissen Status. Meine Chance wird kommen. Ich brauche einfach Geduld», sagt er.

Das gilt aller Voraussicht nach auch im Nationalteam. Vielleicht schon heute gegen Irland. Es wäre für Kevin Mbabu in seiner Heimat Genf eine spezielle Geschichte.

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