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John McEnroe :«Vielleicht treten Federer und Nadal zurück, wenn wir ihnen den Hintern versohlt haben»

Rafael Nadal und Roger Federer beraten sich während eines Spiels im Laver Cup. Aber wohl kaum über ihren Rücktritt, wie John McEnroe scherzt (Bild: Keystone).

Rafael Nadal und Roger Federer beraten sich während eines Spiels im Laver Cup. Aber wohl kaum über ihren Rücktritt, wie John McEnroe scherzt (Bild: Keystone).

Das Team World gilt beim dritten Laver Cup in der Genfer Palexpo-Halle im Duell mit dem Team Europa um Roger Federer und Rafael Nadal als klarer Aussenseiter. Gleichwohl ist es das Team von Captain John McEnroe, das die grösseren Töne spuckt.

Grösster hätte der Kontrast nicht sein können zwischen dem Team Europa und dem Team Welt am Tag vor dem ersten Spieltag beim Laver Cup in der Genfer Palexpo-Halle. Bescheiden, diplomatisch Europa um Roger Federer und Rafael Nadal, angeführt von Captain Björn Borg.

Da spricht man vom gegenseitigen Respekt voreinander. Federer sagt, er gönne Nadal jeden Grand-Slam-Titel, den er gewinne. Auch wenn das bedeute, dass er vielleicht dereinst seine wichtigste Rekordmarke an den Spanier abtreten müsse.

Nadal stimmt in den Minnegesang ein, als er sagt: «Wir haben nie darüber gesprochen. Wir lieben das Tennis. Es ist unsere Leidenschaft und wir wollen beide so lange wie möglich spielen.» Und sowieso, es gehe an diesem Wochenende um den Laver Cup.

Federer beschäftigte sich seit Tagen mit möglichen Doppel-Paarungen, denn sowohl in Prag vor zwei, als auch in Chicago vor einem Jahr haben die Europäer nur ein Doppel gewonnen. 2017 war das, als Federer und Nadal zum ersten und bislang einzigen Mal auf der gleichen Seite des Netzes standen.

Es sei gut möglich, sagt Björn Borg, dass er die beiden erfolgreichsten Spieler der Tennis-Geschichte wieder für das Doppel nominiere. Das ist natürlich Koketterie, und alles andere wäre eine Überraschung. Doch das muss warten bis Samstag, oder sogar Sonntag. Nadal pausiert am ersten Tag, Federer steht am Freitag zum Abschluss des ersten Tages mit Alexander Zverev im Doppel im Einsatz. Grosse Töne spuckt beim Titelverteidiger niemand. Bescheidenheit ist Tugend.

John McEnroe möchte mit Team World endlich Europa bezwingen (Bild: Keystone).

John McEnroe möchte mit Team World endlich Europa bezwingen (Bild: Keystone).

Nick Kyrgios: Furchtlos und vollmundig

Nicht so beim Team World. Der Australier Nick Kyrgios, über dem das Damoklesschwert einer Sperre schwebt, sagt unverfroren: «Unsere Chemie ist viel besser als bei den Europäern. Ich habe keine Angst vor ihnen.» Er habe schliesslich jeden seiner möglichen Gegner schon einmal besiegt, und andere in seinem Team auch, «darum glaube ich fest daran, dass wir gewinnen werden.»

Ähnlich offensiv äussert sich Kyrgios' Captain, John McEnroe, der schon als Spieler kein Kind von Traurigkeit war. Die Frage, wer denn nun der Beste der Geschichte sei, Federer oder Nadal – McEnroe kann sie nicht mehr hören. «Reden wir wieder, wenn ihre Karriere vorbei sind. Vielleicht passiert es ja aber auch dieses Wochenende, nachdem wir ihnen den Hintern versohlt haben. Das wäre doch eine überraschende Geschichte. Wir wären gerne Teil davon.»

Glaubt an einen Sieg gegen Europa: Nick Kyrgios (Bild: Laver Cup).

Glaubt an einen Sieg gegen Europa: Nick Kyrgios (Bild: Laver Cup).

Teil von etwas Grösserem sein – das wollen alle, die an diesem dritten Laver Cup teilnehmen. Seit Tagen beschwören sie vehement, der noch junge Wettbewerb sei alles andere als eine Schauveranstaltung. «Wie soll das wertlos sein?», sagt der Deutsche Alexander Zverev mit einer Prise Unverständnis. «Wenn Leute wie Federer und Nadal in einer Mannschaft spielen? Sich gegenseitig anfeuern, sich Tipps geben?»

Man müsse sich den Laver Cup auch dann anschauen, wenn man kein Tennis-Fan sei. 17'000 Zuschauer werden das von Freitag bis Sonntag jeweils tun und den Kontinentalwettbewerb zu einem Tennisfest machen. Nur etwas wird wohl kaum passieren: Dass der Laver Cup der Schauplatz von Roger Federers oder Rafael Nadals Rücktritt wird. Das würde selbst den vollmundigen John McEnroe überraschen.

Der Spielplan für den ersten Tag beim Laver Cup in Genf (Bild: Twitter Laver Cup).

Der Spielplan für den ersten Tag beim Laver Cup in Genf (Bild: Twitter Laver Cup).

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