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Jason Rüeschs zweiter Anlauf in die Weltspitze nach zwei verlorenen Jahren

Die Schweizer Langlauf-Hoffnung Jason Rüesch

Die Schweizer Langlauf-Hoffnung Jason Rüesch

Der Schweizer Langläufer Jason Rüesch hat im Winter 2017 seinen Körper überfordert und dafür beinahe zwei Jahre lang gebüsst – jetzt ist das grösste Talent für die Zeit nach Dario Cologna wieder da.

Der eigene Körper kann gnadenlos sein. Beim Davoser Langläufer Jason Rüesch verweigert er seinen Dienst just drei Wochen vor dem ersten ganz grossen Karrierehöhepunkt. Die Anstrengung im letzten Weltcupeinsatz vor den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang bringt das Fass zum Überlaufen.

Anstatt Vorfreude auf Olympia die Kapitulation in einer aussichtslosen Situation. Rüsch ist endgültig im Übertraining angekommen. Er erholt sich kaum von den körperlichen Anstrengungen, spürt eine bleierne Müdigkeit, kann nachts aber nicht schlafen. Seine Niere produziert verschiedene Hormone nicht mehr richtig. So ist an Spitzensport in keinster Weise zu denken.

Der Bündner fällt «den schwersten Entscheid in meinem Leben», bricht die Saison ab und reist nach Kanada zu Verwandten anstatt nach Südkorea ins Olympische Dorf. «Weg in ein Umfeld, wo Spitzensport kein Thema ist, hat mir gut getan und geholfen, dass ich trotz grosser Enttäuschung mental nie in ein Loch fiel», sagt Jason Rüsch rückblickend.

Die Zeichen des Körpers zu lange verdrängt

Man kann dem 25-Jährigen vorhalten, er habe in diesen verhängnisvollen Wochen die Zeichen viel zu spät erkannt. Bereits im Herbst 2017 sendet sein Körper nämlich Warnsignale aus, stimmt etwas mit der Erholung und letztlich auch mit dem Leistungsvermögen nicht. Doch Rüsch wird seinem Ruf, ehrgeizig, zielstrebig und wenig geduldig zu sein, auch in dieser Situation gerecht. Die Olympiasaison steht vor der Tür, da darf es im Training überall ein bisschen mehr sein.

Der Sohn eines Schweizers und einer Kanadierin schreibt zwar in seinem Blog, dass er sich stets am Limit der Belastung aufhält, aber es fehlt ihm dann doch das Gespür, als er diese Schwelle überschreitet. Letztlich ist das Runterfahren des Systems Folge eines längeren Ungleichgewichts von Anstrengung und Erholung.

Mehr Geduld, aber nicht mehr Abstriche

Rechtzeitig auf sein Heimrennen in Davos meldet sich der Student der Betriebsökonomie definitiv zurück. Zwar gelingen ihm bereits im Winter 2018/19 einige wenige gute Resultate im Sprint, doch mit der Basis von 30 Prozent weniger Training beim sanften Relaunch seines Hochleistungsmotors bezeichnet er jene Saison als «Übergangsjahr».

Nun aber will er wieder angreifen, seine hochgesteckten Ziele, eines Tages um die Podestplätze im Weltcup mitfighten zu können, konsequent verfolgen. Im Skiathlon von Lillehammer vor einer Woche ist er als 22. bester Schweizer - vor ihm klassieren sich nicht weniger als 12 Norweger. Ein ähnliches Resultat peilt Rüesch in jenem Ort an, wo er geboren, aufgewachsen und sesshaft ist.

Doch was sind die Lehren aus dem zweijährigen Leidensweg? Jason Rüesch sagt, er habe gelernt, geduldiger zu sein. «Man schätzt es nach so einem Erlebnis viel mehr. Das Gefühl, sich wieder mit den Besten zu messen, ist schlicht der Hammer.» Zwar will der WM-Vierte von 2017 mit der Staffel besser auf den Körper hören, aber weniger zu trainieren ist keine Option. «Ich werde weiterhin an die Grenzen gehen, denn in der Komfortzone schafft man es nicht an die Spitze», sagt er.

Cologna gedämpft zuversichtlich vor Heimrennen

Dario Cologna bezeichnet sein Heimrennen nach dem Forfait in Kuusamo wegen Wadenproblemen als «zweiten Saisonstart». Der Schweizer Teamleader sagt, er habe gut trainiert und im Skating keinerlei Beschwerden. Er wisse aber nicht, wo er im Vergleich zur Konkurrenz stehe. Deshalb wäre ein Rang in den Top 10 für ihn eine gute Platzierung. Gewonnen hat Cologna in Davos noch nie.

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