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Das Duell der drei Tenniskönige: Wie Nadal Federer und Djokovic hinter sich liess und den Thron bestieg

Rafael Nadal feiert bei den Australian Open seinen 21. Grand-Slam-Titel und überflügelt damit die Rekordmarke, die er sich bisher mit Roger Federer und Novak Djokovic geteilt hat. Im Alter von bald 36 Jahren denkt der Spanier noch lange nicht ans Aufhören.

Simon Häring Jetzt kommentieren
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Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic.

Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic.

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Wenn Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic auf dem Platz stehen, dann haben sie immer zwei Gegner: jenen auf der anderen Seite des Netzes und die Geschichte. Seit anderthalb Jahrzehnten duellieren sich die drei Giganten des Männertennis um Titel und Rekorde. Zwischen Sommer 2009 und 2020 hielt Federer die wichtigste Marke: jene für die meisten Titel bei Grand-Slam-Turnieren. Dann zog erst Rafael Nadal 2020 in Paris mit seinem 20. Major-Titel gleich, im Jahr darauf egalisierte Novak Djokovic die Bestmarke, indem er in Wimbledon seinen Titel verteidigte.

Mit seinem zweiten Titel bei den Australian Open nach 2009 (damals im Final gegen Federer), und seinem 21. Grand-Slam-Titel überflügelt Nadal seine langjährigen Rivalen. Er ist nun der König der drei Tenniskönige.

Wer in welchem Alter wie viele Grand-Slam-Titel gewonnen hat.

2:6, 6:7, 2:3 und 0:40 lag Rafael Nadal im Final der Australian Open gegen den Russen Daniil Medwedew hinten. Nach 5:24 Stunden und um 01:11 Uhr Melbourner Zeit reckte er seine Arme in die Höhe – als Sieger. Ein halbes Jahr hatte Nadal wegen einer Fussverletzung pausieren müssen und noch vor wenigen Wochen stellte er sich die Frage: «Wäre es nicht an der Zeit, den Rücktritt zu geben?» Er tat es nicht. Und schrieb nun – im Alter von 35 Jahren, 7 Monaten und 27 Tagen – das schönste Kapitel seiner Karriere.

Rafael Nadal vs. Daniil Medwedew: die Höhepunkte des Finals.

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Roger Federer gehörte zu den ersten Gratulanten. Nadal bezeichnete er als Freund und Rivalen. «Deine Arbeitsmoral, dein Einsatz, dein Kampfgeist sind eine Inspiration für mich und unzählige andere auf der ganzen Welt. Ich bin stolz darauf, diese Ära mit dir zu teilen», schrieb Federer. Der 40-jährige Schweizer und der Spanier haben immer wieder betont, dass die Rekorde für sie nicht mehr die wichtigste Triebfeder seien. Sie spielen für Erinnerungen und Emotionen, die ihnen nur der Sport schenken kann.

Nicht so Novak Djokovic. Es interessiert ihn nur, der Beste zu sein – der Beste der Gegenwart, der Beste der Epoche und der Beste, der je Tennis gespielt hat. Schon 2020 sagt er: «Ich habe genug erreicht, um von einem Moment auf den anderen aufzuhören. Doch ich tue es aus zwei Gründen nicht: Erstens macht es mir Spass, und zweitens möchte ich Geschichte schreiben. Ich möchte so viele Grand-Slam-Titel holen wie möglich.»

Novak Djokovic feierte 2021 in Wimbledon seinen 20. Grand-Slam-Titel.

Novak Djokovic feierte 2021 in Wimbledon seinen 20. Grand-Slam-Titel.

Vickie Flores / EPA

Novak Djokovic sinnt auf Revanche

Auch Novak Djokovic gratulierte Nadal, allerdings deutlich unterkühlter und in wenigen Sätzen. Das dürfte auch daran liegen, dass der Serbe, der mit neun Titeln Rekordsieger der Australian Open ist, seinen Titel nicht verteidigen konnte. Dem nicht gegen das Coronavirus geimpften Djokovic war bei der Einreise das Visum entzogen worden, weil er als «Ikone der Impfgegner» gelte und damit eine «Gefahr für die öffentliche Sicherheit» darstelle, wie die Regierung vor dem Bundesgericht argumentierte.

Für viele gilt Djokovic noch immer als erfolgreichster Tennisspieler der Geschichte. Gegen seine grössten Rivalen hat er eine positive Bilanz: 27:23 gegen Roger Federer, 30:28 gegen Rafael Nadal. Er strebe es noch immer an, alle Rekorde zu brechen. «Würde ich denken, dass es dafür zu spät ist, würde ich meine Karriere heute beenden», sagte er im Herbst 2020. «Aber ich mache weiter, solange meine Beine mich tragen, solange ich diese Liebe und diese Lust auf den Sport verspüre.» Eine Niederlage könne ihn nicht destabilisieren. «Ich habe eine dicke Haut entwickelt.»

Novak Djokovic sagte damals auch: «Federer, Nadal und ich sind schon oft abgeschrieben worden. Aber wir kamen immer wieder zurück. Weil wir die Besten der Welt sind.» Die heiligen drei Könige des Welttennis.

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