Igor Nganga, sind Sie nervös?

Igor Nganga: Ein bisschen. Momentan überwiegt allerdings die Vorfreude auf das grosse Spiel. Das Kribbeln wird von Minute zu Minute stärker. So richtig nervös werde ich wohl erst dann sein, wenn wir mit dem Mannschaftsbus von Wil nach Aarau fahren.

Beschreiben Sie Ihre Gefühle vor der Rückkehr ins Brügglifeld.

Für mich ist es eine Rückkehr nach Hause zu jener Familie, in der ich mich während fünf Jahren wohlgefühlt habe. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Freunden und Kollegen. Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Aarau. Ich war sogar Publikumsliebling. Das ist für mich Glücksgefühl, Ehre und Auszeichnung zugleich. Publikumsliebling wird man nur, wenn die Leistung stimmt.

«Respekt ist für mich sehr wichtig»

«Respekt ist für mich sehr wichtig»

Sportredaktor Ruedi Kuhn im Gespräch mit Igor Nganga.

Haben Sie Angst vor Pfiffen der FCA-Fans?

Nein. Ich habe keine Angst. Warum auch? Die Fans wissen genau, dass ich immer alles für den FC Aarau gegeben habe. Ausserdem habe ich mir immer Zeit für die Fans genommen. Einen solchen Spieler pfeift man nicht aus.

Was ist das Spezielle am FC Aarau?

Es klingt wie eine Phrase, aber der FC Aarau funktioniert wie eine Familie. Es wird grosser Wert auf das Zwischenmenschliche gelegt. Ich hatte als Spieler des FC Aarau fünf Trainer, von denen ich viel profitiert und gelernt habe. René Weiler war mein grosser Förderer. Er hat meine Profikarriere lanciert und forciert. Sven Christ war ein guter Typ, ein Kämpfer. Raimondo Ponte war wie ein Papa für mich. Ich hatte sogar ein gutes Verhältnis mit Livio Bordoli. Marco Schällibaum war ein grosser Taktiker und Motivator. Schällibaum war der Trainer, der mir am meisten vertraut hat.

Was sind die Unterschiede zwischen dem FC Aarau und dem FC Wil?

Die Unterschiede sind riesig. Beim FC Wil läuft alles professioneller ab als in Aarau. Der FCW hat ein viel grösseres Budget sowie eine tolle Infrastruktur mit vielen Trainingsplätzen, einer Wellness-Anlage und einem Schwimmbad. Wil hat 27 Spieler im Kader. Und der Trainerstab des FC Wil ist doppelt so gross wie der des FCA.

Igor Nganga im Stadion des FC Wil. Er sagt: «Das Geld ist ein Grund, warum ich den FC Aarau verlassen habe.» Alex Spichale

Igor Nganga im Stadion des FC Wil. Er sagt: «Das Geld ist ein Grund, warum ich den FC Aarau verlassen habe.» Alex Spichale

Der FC Wil kann sich dank dem türkischen Investor Mehmet Nazif Günal erlauben, den Spielern Monatslöhne zwischen 20 000 und 30 000 Franken zu bezahlen. Wie hoch ist Ihr Lohn?

Ich nenne keine Zahlen.

Sind es mehr als 20 000 Franken?

Ja. Es stimmt schon. Es sind mehr als 20 000 Franken.

War das Geld ausschlaggebend für Ihren Wechsel von Aarau zu Wil?

Das Wichtigste für mich ist das gemeinsame sportliche Ziel. Der FC Wil will in die Super League. Ich will auch in die Super League. Das Geld war sicher wichtig – und ist ein Grund, warum ich den FC Aarau verlassen habe. Natürlich verdiene ich mehr als 20 000 Franken im Monat. Aber ich bin auch schon 29 Jahre alt. Meine aktive Karriere dauert vielleicht noch fünf Jahre. Ich habe als Junior bei Lausanne und Basel gespielt. Als Profi war ich bei den Young Boys, Chiasso, Schaffhausen und Aarau unter Vertrag. Da bin ich jahrelang gerannt und gerannt. Pro Spiel waren das meistens mehr als elf Kilometer. Ich habe gekämpft und gekämpft. Und ich habe in Dutzenden von Spielen meine Knochen hingehalten. Aber verdient habe ich nicht sehr viel. Dieser gute Vertrag vom FC Wil ist mir wirklich nicht in den Schoss gefallen. Es ist der gerechte Lohn für den riesigen Aufwand, den ich während Jahren betrieben habe.

Was machen Sie mit dem Geld?

Das Geld kommt vor allem meiner Familie zugut. Ich brauche es für meine Frau und meine zwei Kinder. Und im November kommt schon das dritte Kind.

Tatsächlich?

Ja. Wir freuen uns riesig auf das Baby. Aber Sie müssen eines wissen: Eine Familie kostet viel Geld. Meine Töchter Kelaia und Anaia sollen es später einmal gut haben. Ihre Ausbildung ist mir wichtig.

Und was passiert mit dem Rest vom Geld? Haben Sie teure Hobbys?

Nein. Ein Teil des Geldes geht an eine wohltätige Einrichtung in meinem Heimatland Kongo. Dieses Geld kommt Kindern zugute, die keine Mutter und keinen Vater haben.

Kehren wir zum sportlichen Aspekt zurück: Was erwarten Sie vom Spiel zwischen dem FC Aarau und Wil?

Es wird ein kampfbetontes, spannendes Spiel.

Wer ist Favorit?

Der FC Wil natürlich. Wir haben zuletzt dreimal gewonnen und sind auf einem guten Weg.

Mit welchem Aarauer Gegenspieler rechnen Sie?

Als Rechtsverteidiger werde ich es wohl mit Aaraus Flügelstürmer Zoran Josipovic zu tun bekommen. Zoran sollte sich vielleicht Gedanken darüber machen, die Seite zu wechseln. Es wäre besser für ihn, wenn er mir nicht in die Quere kommt.

Tatsächlich?

Nein. Das war nur Spass. Zoran ist ein guter Kollege von mir.

Werden Sie nach einem Tor jubeln?

Nein, das werde ich nicht. Das verbietet mir der Respekt und Anstand vor dem FC Aarau.