Handball-WM-Kolumne
«Andy Schmid ragte in einem starken Kollektiv heraus»

Die Schweizer Handballer haben an der Weltmeisterschaft in Ägypten beste Werbung für sich gemacht, meint Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern.

Goran Perkovac
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Andy Schmid, Leader der Schweizer Nationalmannschaft.

Andy Schmid, Leader der Schweizer Nationalmannschaft.

Urs Flüeler/Keystone
Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern

Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern

Der Schweizer Handball durfte in den letzten Wochen Festtage erleben. Mit dem Vorstoss in den Kreis der Top-16 klopfte unsere Nationalmannschaft in Ägypten an die Pforte der Elite. Wohin die Reise mit dem erfolgreichen Halt am Nil führt, wird die Zeit zeigen. Das Fundament ist jedenfalls seit längerem gelegt. Viele talentierte Perspektivspieler sind auf dem Sprung und bekommen auch regelmässige Einsatzzeiten bei ihren Vereinen. Zudem nimmt die Anzahl Legionäre in ausländischen Ligen konstant zu. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Endrunden mit rot-weisser Beteiligung.

Als Schweizer Version des ägyptischen Sonnengotts Re ragte Andy Schmid in einem starken Kollektiv heraus. Sekundiert von Nikola Portner, der seinen Kasten wie die Sphinx die Pyramiden verteidigte – zweimal Prädikat Weltklasse, lässt sich unter dem Strich festhalten.

Das derzeitige Kräftemessen an der WM verfolge ich natürlich mit grossem Interesse. Ich freue mich immer wieder, andere Länder im Fokus zu sehen. Für mich sind Mannschaften wie Ägypten, Algerien oder andere, sogenannte Exoten eine Bereicherung. Oder die Auftritte von «El Gigante», Kongos wuchtigem Kreisläufer Gauthier Mvumbi, der wegen seiner kräftigen Postur Anlass zu vielerlei Diskussionen gab. Lassen wir die Kirche im Dorf. Hatten wir nicht alle unsere Freude an der Bob-Crew aus Jamaika oder bangten um Eddie «The Eagle», als dieser 1988 in Calgary von der olympischen Grossschanze abhob? Auch solche Figuren haben Platz im Sport – oftmals bleiben sie unvergessen, eben weil sie in ihrer Art aussergewöhnlich sind.

Nun stehen heute Abend die beiden Halbfinalpartien auf dem Programm. Von beiden Affichen verspreche ich mir einiges. Im ersten Spiel trifft Rekordweltmeister Frankreich auf den europäischen Rekordhalter Schweden. Frankreich gewinnt, Schweden hat einfach zu viele Absenzen zu beklagen. Im Vergleich zwischen Dänemark und den diszipliniert auftretenden Spaniern werden sich Letztere durchsetzen. Denn den in die Jahre gekommenen Südländern bietet sich jetzt die letzte Gelegenheit, ihrer Generation den Zusatz «golden» zu verleihen.