Kolumne

Gschobe: Entweder Vlado National. Oder sonst kommt der nächste Nationaltrainer halt vom Ballermann

Seltenes Bild: Vladimir Petkovic macht den Bückling.

Seltenes Bild: Vladimir Petkovic macht den Bückling.

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell David, Lehrer, Speicher AR Tobias, Consultant, Zürich Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG François, Journalist, Windisch.

François: Wie weiter mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic? Soll man ihn sofort ersetzen oder erst nach der EM? Oder soll man mit ihm den Vertrag verlängern?
Tobias: Verlängern, keine Frage.
Pius: Verlängern.
David: Mir egal.
Flavio: Unbedingt verlängern. Ich wüsste nicht, was dagegen spricht.
François: Es gibt etliche Medien, die Stimmung gegen den Nationaltrainer machen, die eine Trennung spätestens nach der EM befürworten.
Flavio: Und jetzt? Wie lautet Petkovic’ Auftrag? Etwa, dass er euch Journis wöchentlich zu einem Kaffeekränzchen empfängt? Ich glaube nicht, dass etwas in der Art in seinem Pflichtenheft steht.
François: Natürlich nicht. Aber etwas mehr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit würde ihm nicht schaden.
Tobias: Nochmals zum nachschreiben: Petkovic ist der erfolgreichste Nationaltrainer aller Zeiten. Er ist nicht als Grüssaugust, sondern als Fussballlehrer eingestellt worden. Das sollte man endlich mal kapieren. Was wollen wir denn? Einen Typen der unentwegt den Kasper macht, das Stadion mit einem Hollywood-Studio verwechselt aber keinen Plan von Fussball hat? Dann sollte man den nächsten Nationaltrainer unter den Animatoren vom Ballermann rekrutieren – Hossa! Oder vielleicht hätte ja der Dieter Bohlen Bock drauf.
François: Schon kapiert. Aber als Nationaltrainer hat ­Petkovic auch repräsentative Aufgaben. Kraft seines Amts könnte er als Brückenbauer zwischen Nati und Öffentlichkeit fungieren. Aber wenn er sich so unnahbar gibt, so misstrauisch wirkt, wird es schwierig für ihn, die ­Sympathiewerte zu steigern.

Vladimir Petkovic 2008: Damals noch Trainer in Bellinzona.

Vladimir Petkovic 2008: Damals noch Trainer in Bellinzona.

Pius: Einverstanden. Ein Sympathieträger ist er nicht.
François: War er aber mal. Damals, als er Trainer in Bellinzona oder später bei YB war, habe ich ihn ganz anders wahrgenommen: Er war greifbar, er hat erzählt, war offen, interessiert, hat auch seine verletzliche Seite gezeigt. Und heute? Petkovic wirkt häufig roboterhaft. Dabei hätte er es drauf, die Menschen für sich zu gewinnen. Er müsste einzig darauf verzichten, sich in eine Rüstung zu zwängen und dabei hinter jedem und allem einen Angriff auf seine Integrität zu vermuten.
Flavio: Also, was nun? ­Trennung oder nicht?
François: Viel falsch würde man bestimmt nicht machen, wenn man bereits jetzt den Vertrag mit Petkovic ver­längern würde. Und trotzdem würde eine Veränderung gut tun. Die muss ja nicht Petkovic betreffen.
Flavio: Sondern?

Der Mann im Schatten von Vladimir Petkovic: Assistenztrainer Antonio Manicone.

Der Mann im Schatten von Vladimir Petkovic: Assistenztrainer Antonio Manicone.

Pius: Seinen Assistenten Antonio Manicone. Die ­Geschichte, die der «Blick» ausgegraben hat, wonach der Sohn von Manicone, einer dieser vielen Spielerberater, Schweizer Junioren-Nationalspieler anbaggert, ist nicht ganz ohne.
Tobias: Mit Verlaub. Der junge Mann hat sich einzig als «Tommaso Manicone, der Sohn des Assistenten von Petkovic» vorgestellt. Das ist doch legitim. Schliesslich ist die Popularität Manicones ziemlich überschaubar. Ich kann dahinter nichts skandalöses erkennen. Und wenn die Boulevardjournalisten befürchten, dass ein U19-Nationalspieler schneller ins A-Team aufsteigt, wenn er sich von Manicone beraten liesse, müsste man ja vom ewigen Petkovic, von Vlado National reden.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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