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GC-Präsident Stephan Anliker über seinen Rücktritt: «Ich ziehe das Pech an»

Zermürbt nach fünf aufreibenden Jahren: GC-Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker.

Zermürbt nach fünf aufreibenden Jahren: GC-Verwaltungsratspräsident Stephan Anliker.

Der GC-Präsident Stephan Anliker tritt per sofort zurück, auch CEO Huber muss gehen. Die Grasshoppers kommen im Abstiegskampf nicht zur Ruhe. Bereits am kommenden Mittwoch wird der neue Verwaltungsratspräsident vorgestellt, dieser sieht sich mit keiner leichten Situation konfrontiert.

Die Grasshoppers halten ihr Umfeld und ihre Fans ganz schön auf Trab. Nicht einmal in der Länderspielpause geben sie Ruhe und machen der Nati vor deren EM-Ausscheidungsspiel gegen Dänemark die Aufmerksamkeit streitig.

Denn der sofortige Rücktritt eines Verwaltungsratspräsidenten ist ja nicht einfach eine unbedeutende Personalie, sondern für jeden Verein eine einschneidende Veränderung.

Am Montagmorgen hatten die Zürcher in einer Medienmitteilung bekannt gegeben, dass sich Stephan Anliker per sofort aus seiner Funktion zurückziehe, am Nachmittag stand dieser dann im Stadtzentrum von Zürich bereits Red und Antwort. Und: Er sah deutlich besser und weit weniger abgekämpft aus als am vorletzten Samstag im Tourbillon in Sion.

Um zu verstehen, wie es zu Anlikers Entscheid kommen konnte, ist eine kurze Rückblende auf die Geschehnisse der letzten Zeit hilfreich. Vor sieben Wochen hatte der GC-Präsident die Medien kurzfristig ins Marriott-Hotel bestellt.

Weil sich GC-Mitbesitzer Heinz Spross dazu entschlossen hatte, seine Aktien zu verkaufen, waren Gerüchte aufgetaucht, der Verein stehe vor dem Kollaps. Anliker musste klarstellen, dass GC mit ihm und Peter Stüber finanziell stabil aufgestellt sei. Und er dank der Arbeit von Trainer Thorsten Fink und Sportchef Mathias Walther der Rückrunde zuversichtlich entgegenblicke.

Die Ereignisse von Sion

Einen Monat später gab GC dann nach miserablen Resultaten und dem Fall auf den letzten Platz in der Super League die Trennung von Fink und Walther bekannt. Um eine Woche danach dann zur Verblüffung der Schweizer Fussballwelt den hier gänzlich unbekannten Deutsch-Kroaten Tomislav Stipic als neuen Trainer aus dem Hut zu zaubern.

Dessen Einstand verlief gegen YB nach einem Gegentor in der letzten Minute unglücklich, aber noch lange nicht so dramatisch, wie eine Woche danach die Auswärtspremiere in Sion.

Als seine Mannschaft nach einer desolaten Vorstellung 0:2 zurücklag und GC-Fans schliesslich mit wiederholten Pyro-Würfen aufs Spielfeld den Abbruch erzwangen. Wie Tiere hätte sich ein Teil davon verhalten, sagte der aschfahle Präsident dem Fernsehreporter.

So war es nicht verwunderlich, dass am Montag Anliker nun gleich zu Beginn gefragt wurde, ob ihn die Vorkommnisse im Wallis zum Rücktritt bewogen hätten. Nein, sagte der Langenthaler, der Prozess habe schon ein paar Wochen zuvor eingesetzt, als sich bei GC sportlich einfach keine Fortschritte eingestellt hätten.

«Der Knackpunkt war dann das Gegentor gegen YB in letzter Sekunde. Ich sagte mir: Ich ziehe das Pech an.» Anliker intensivierte die Kontakte zu potenziellen Kandidaten, die infrage kamen, ihn als Verwaltungsratspräsidenten abzulösen.

Und als sich einer herauskristallisierte und bereit erklärte, diese Funktion bei GC zu übernehmen, besprach sich Anliker mit Mitbesitzer Peter Stüber und kündigte nun seinen Rückzug an. Der neue Mann wird bereits am Mittwoch präsentiert. Er soll ein erfahrener Schweizer Wirtschaftsprüfer mit umfangreichen Kenntnissen als CEO und Verwaltungsrat sein.

Ein Verein ohne Solidität und Kontinuität

Allerdings bleibt Anliker wie Stüber mit 47 Prozent Ankeraktionär und daran würde sich auch nichts ändern, sollte GC erstmals seit 1949 in die zweithöchste Liga, die Challenge League, absteigen.

«Ich habe erkannt, nicht mehr der richtige Mann an der Spitze dieses Vereins zu sein», sagte Anliker. «Mir fehlte einfach die Kraft. Ich habe gewisse Schwächen gezeigt, als Mensch und als Präsident.»

Der Unternehmer wies darauf hin, GC vor fünf Jahren als Präsident übernommen zu haben, als der Klub vor dem Konkurs stand. Aber Anliker räumte auch ein, es nicht geschafft zu haben, Solidität und Kontinuität in den Verein zu bringen.

«Daraus resultierten die schlechten sportlichen Ergebnisse», sagte Anliker. Sein grösster Fehler sei es aber wohl gewesen, zu wenig resolut gegen die schlechten Einflüsse von aussen vorzugehen. Während Anliker GC als Hauptaktionär erhalten bleibt, wird CEO Manuel Huber den Verein am Saisonende verlassen.

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