Bundesliga

Zwischen Weltklub und Heimatverein – der FC Bayern München startet als grosser Favorit in die Bundesliga

Schwingt der FC Bayern München auch in dieser Saison wieder obenaus?

Schwingt der FC Bayern München auch in dieser Saison wieder obenaus?

Im heissen deutschen Fussball-Sommer stellen sich vor dem heutigen Saisonstart auch beim FC Bayern interessante Grundsatzfragen. Allen voran beschäftigt sich der Rekordmeister mit der eigenen Identität.

Es war ein heisser Sommer. Die Temperaturen stiegen schon im Mai – und in Deutschland wollen sie gar nicht mehr sinken. Das Land wälzt sich qualvoll von Skandal zu Problem, in der Politik entzweit, im Fussball uneins, darüber, was war und was sein soll. Özil posiert mit Erdogan, die deutsche Mannschaft geht unter in Kasan, doch das eigentliche Gewitter, das der deutsche Fussball über sich niedergehen lassen musste, folgte danach. Es wurde verhandelt und diskutiert, ein jeder beschuldigte den nächsten. Und das Resultat?

Man gucke wieder anders Fussball, schrieb der deutsche Autor und Fussballbeobachter Berni Mayer kürzlich in der «Welt am Sonntag» und sah in der Unruhe auch eine Kraft: «Der Fussball kann sich von nun an nicht mehr vor seiner Verantwortung drücken.»
Doch welche Verantwortung ist das?

Kein offenes Meisterrennen

Der deutsche Fussball wurde kräftig wachgerüttelt, herausgeholt aus einer Lethargie. Das gilt für die Nationalmannschaft, und das fühlt sich in den Tagen vor dem heutigen Start auch für die Bundesliga so an. Das Meisterrennen dürfte zumindest in dieser Saison dadurch nicht offener werden – wer grosse Summen auf einen anderen Champion als den FC Bayern setzt, gilt weiterhin wahlweise als wahnsinnig oder sehr vermögend.

Bayern-München-Präsident Uli Hoeness war noch nie um ein paar Worte verlegen.

Bayern-München-Präsident Uli Hoeness war noch nie um ein paar Worte verlegen.

  

Aber gerade dieser FC Bayern, das unbestrittene Aushängeschild der Bundesliga in der Fussballwelt, wird gezwungen, seine Rolle wieder intensiver zu überdenken. Präsident Uli Hoeness war noch nie um Worte verlegen. In der Causa Özil zog er über den zurückgetretenen Nationalspieler her, vergangenen Sonntag durfte er bei «Sky» seine Ansichten über zwei Stunden hinweg auslegen.

Ein Trainer braucht Stallgeruch

Dabei geht es für die Bayern im Kern gerade um interessante Grundsatzfragen: Sind sie ein Opfer der Überfinanzierung im internationalen Klubfussball, welche die Bundesliga in den letzten Jahren arg zurückgebunden hat? Oder tragen die Bayern mit ihrer altbekannten Liga-Transferpolitik des «Komm-zu-uns-du-bist-zu-gut-für-den-Gegner» selber zu diesem Niedergang bei?

Bei «Sky» prangerte Hoeness den Wahn auf dem internationalen Markt an und sagte: «Man muss doch nicht kaufen, nur damit man kauft.» Dass sich gerade jetzt ein verhältnismässig zurückhaltender Transfersommer abzeichnet, liess er ausser Acht.

Leon Goretzka (vorne) ist der einzige nahmhafte Bayern-Zugang auf diese Saison hin.

Leon Goretzka (vorne) ist der einzige nahmhafte Bayern-Zugang auf diese Saison hin.

  

Der FC Bayern hat keinen grösseren Transfer getätigt in diesem Sommer, vom letztjährigen Vize Schalke kam Leon Goretzka, business as usual. Viel mehr beschäftigt den Rekordmeister gerade den Balanceakt um die eigene Identität, jenes Hin und Her zwischen Expansion und «Mia-san-Mia», zwischen Weltklub und Heimatverein.

International herrscht Flaute

Vorab: der Trainer. Ein Trainer des FC Bayern braucht immer «Stallgeruch», sie sagen das beim FC Bayern so gerne, auch wenn das wie im Fall des mit dem berühmten «Bayern-Gen» ach so infizierten Niko Kovac nur eigentliche 51 Wettbewerbsspiele zwischen 2001 und 2003 sind. Kovac hat für vier Klubs in der Bundesliga öfter gespielt als für die Bayern. Aber für Hoeness, für Rummenigge, für sie alle bleibt er «einer von uns». Man kommt immer zurück nach Hause, wenn man mal beim FC Bayern war.

Nur an der Seitenlinie hat der FCB noch einen neuen Mann: Niko Kovac.

Nur an der Seitenlinie hat der FCB noch einen neuen Mann: Niko Kovac.

  

Die Marke Heimatverein hält sich also mühelos. Aber die Ansprüche von Fans und Vorstand sind höher. International scheiterten die Münchner seit 2013 immer vor dem Endspiel der Champions League, wenn auch oft nur knapp. Geld ist da – aber wo ist der Geist, es auch auszugeben?

Lücke zu den Bayern ist gross

Der FCB gegen den Rest – so die Rhetorik, so auch die Ausgangslage. Lucien Favres Dortmund ist eine Unbekannte mit viel Potenzial, aber möglicherweise noch zu wenig Routine. Schalke, Leverkusen, die «Neureichen» aus Hoffenheim und Leipzig: die Lücke zu den Bayern scheint für sie vorerst zu gross.

Und so droht die Bundesliga zumindest unter Europas Top-4-Ligen den Anschluss zu verlieren. Ende September erlebt Deutschland die nächste Zäsur: Die EM 2024 wird vergeben, einziger Mitbewerber ist ausgerechnet die Türkei. Die Entscheidung birgt weiteren Zündstoff. Es wird ein heisser Herbst.

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