Bundesliga

Vor dem Spitzenkampf: Borussia-Trainer Jürgen Klopp ist miesepetrig

Die Liste der Verletzten bei Borussia Dortmund vor dem heutigen Spiel gegen Bayern München ist lang. Das scheint Borussia-Trainer Jürgen Klopp aufs Gemüt zu schlagen. Das lässt er die Journalisten spüren.

Selten war Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund so dünnhäutig. Während der Pressekonferenz wirkt er angestrengt, sein Begrüssungslächeln hat etwas Gequältes, dabei liebt der Erfolgstrainer das Spiel mit den Kameras. Aber im Moment stören die Berichterstatter.

Nachdem ein langjähriger Begleiter der Borussia den Mut fasst, das diffizile Verhältnis zur Nationalmannschaftsführung anzusprechen, wird Klopp sogar persönlich: «Ich finde es schade, dass du immer mehr in diesen Bereich abdriftest, den seriösen Teil, den hast du abgegeben», unterstellt er dem Reporter. Wieso Klopp die Frage unseriös findet, ist rätselhaft.

Die Debatte schwelt und ist relevanter Teil der Diskussion – und das Länderspiel in England, in dem sich Mats Hummels und Marcel Schmelzer verletzten, bietet einen aktuellen Anlass.

Klopp reagiert gekränkt

Es mangelt Klopp derzeit an der Souveränität im Umgang mit kritischen Themen, das zeigt auch seine Reaktion auf eine andere Frage: «Ist es möglich, dass die Häufung von Verletzungen, von denen das Dortmunder Kader in dieser Saison erschüttert wird, im Zusammenhang mit dem Hochintensitätsfussball steht, den Klopp erfunden hat?»

Der Trainer reagiert gekränkt: «Wir sind eine Mannschaft, die sich extrem viel abverlangt, und das habt Ihr zigtausendmal gelobt», zürnt er. «Verletzungen entstehen aus unterschiedlichen Gründen, die meisten hängen tatsächlich mit Belastungen zusammen, aber das hat weniger damit zu tun, was man im Spiel macht.» Die Münchner hätten «nicht weniger Verletzungen, aber sie können es besser auffangen», mit dem Stil habe das gar nichts zu tun.

Allerdings gibt es auffällige Indizien: In den vergangenen sechs Monaten fielen Schmelzer, Subotic, Hummels, Piszczek, Gündogan, Sven Bender und Blaszczykowski mit Verletzungen aus, deren Ursache keine groben Fouls waren. 2011 und 2012, als der BVB erstmals mit Klopps Vollgasfussball an drei Wettbewerben teilnahm und jeweils deutscher Meister wurde, gabs abgesehen von Shinji Kagawas Kreuzbandriss keine schwereren Verletzungen.

Und Profis, die noch nicht so lange in Dortmund dabei sind wie Reus, Mkhitaryan, Sahin, Sokratis oder Aubameyang, sind bisher verschont geblieben. Das passt natürlich zur Theorie vom langfristigen Verschleiss, die Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln zwar «interessant» findet, die «wissenschaftlich aber nicht seriös» sei. Der Sportmediziner weist auf «eine nicht ausreichend grosse Stichprobe» hin. «Das können reine Zufälle sein», sagt er.

Regelmässig im Grenzbereich

Klar ist jedoch, dass Klopps Dortmunder in den beiden Kategorien «gelaufene Kilometer» und «absolvierte Sprints» seit drei Jahren ganz weit oben in den Rankings positioniert sind. Wenn man «regelmässig in diese Grenzbereiche geht, braucht man überproportional mehr Regenerationszeit», erklärt Predel – und dass ein Defizit an Regeneration irgendwann die Verletzungsgefahr erhöht, ist kein Geheimnis.

Die Fähigkeit, manche Partien mit sauber kalkuliertem Minimalaufwand nach Hause zu schaukeln, statt mehrmals pro Woche am Anschlag zu spielen, könnte also durchaus helfen.

Schuld sei der Terminkalender

Den Dortmundern würde ein solcher Stil eher schwerfallen, es ist daher verständlich, dass Klopp anderswo Ursachen für die Pechsträhne sucht. Zum Beispiel im Terminkalender. «Je erfolgreicher man wird, desto engmaschiger wird das Netz, die Pausen für Nationalspieler und Spieler, die ständig in der Champions League antreten, sind praktisch nicht mehr gegeben», sagt er. Und in diesem Rhythmus sei weniger die körperliche Regeneration schwierig, «sondern es geht tatsächlich darum, was einen ansonsten noch so beschäftigt», erläutert der Trainer.

«Die Jungs hatten Druck, die müssen im Grunde fast jedes Spiel gewinnen, das sind alles Dinge, die dazu führen, dass am Ende irgendwann aus einem ungeschickten Moment heraus ein Band nachgibt.» Klopp will natürlich unter allen Umständen vermeiden, dass ihm nachgesagt wird, sein Fussball lauge die Spieler auf Dauer aus, denn dann würde er den motivatorischen Zugriff auf seine Mannschaft verlieren.

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