Fifa-Skandal

Trotz drohenden Milliardenverlusten – Sepp Blatter bleibt stur

Bleibt der Schluck im Hals stecken Blatter will sich von Fifa-Hauptsponsor Coca-Cola nicht zum Rücktritt bewegen lassen.

Bleibt der Schluck im Hals stecken Blatter will sich von Fifa-Hauptsponsor Coca-Cola nicht zum Rücktritt bewegen lassen.

Trotz Rücktrittsforderungen von vier Grosssponsoren will der Fifa-Präsident nicht frühzeitig zurücktreten. Mit beispielloser Besessenheit riskiert Sepp Blatter im Kampf um seine Macht Milliardenverluste für den schwer taumelnden Fussball-Weltverband.

Mit beispielloser Besessenheit riskiert Fifa-Boss Joseph S. Blatter im Kampf um seine Macht Milliardenverluste für den schwer taumelnden Fussball-Weltverband. Die Brüskierung von gleich vier Top-Sponsoren (Coca-Cola, McDonald’s, Visa, Anheuser-Busch) durch seine arrogante Zurückweisung ihrer scharf formulierten Forderungen nach seinem Rücktritt gefährdet nun auch das finanzielle Fundament der Fifa nachhaltig. 

«Auch wenn Coca-Cola ein wertvoller Sponsor der Fifa ist, glaubt Herr Blatter aus Überzeugung, dass es nicht im besten Interesse der Fifa wäre, wenn er sein Büro räumen würde. Noch würde es den Reformprozess voranbringen. Deshalb wird er nicht zurücktreten», konterte Blatters US-Anwalt Richard Cullen die eindeutigen Erklärungen der US-Konzerne überraschend offensiv.

Blatter droht weitere Anklage

Dabei droht Blatter wegen der Millionenzahlung an den ebenfalls angezählten Uefa-Chef Michel Platini laut der «SonntagsZeitung» auch noch eine Anklage wegen Bilanzfälschung. Demnach sollen nach Erkenntnissen der Fifa-Ethikkommission die zwei Millionen Schweizer Franken für Platini nicht in den Fifa-Büchern auftauchen. Zudem wären ausser dem Vertrag mit Platini und Belegen für bis 2002 gezahlte 1,05 Millionen Schweizer Franken keine Dokumente oder Unterlagen zur Zusammenarbeit mit dem Ex-Superstar zu finden gewesen.

Seine realitätsfremde, gleichwohl weiter erstaunliche Unverfrorenheit kann Blatter jedoch kaum vor dem Sturz bewahren. Denn zu erwarten ist, dass die Unternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten Hunderte Millionen Dollar in die Fifa pumpen, sich mitnichten von dem 79-Jährigen vorführen lassen – und deswegen bald die Daumenschrauben weiter anziehen und mit Sperrung ihrer Geldhähne drohen.

Die Sprache des Geldes hat Blatter, der offenkundig um jeden Preis bis zur Ende Februar angesetzten Wahl eines Nachfolgers die Fifa-Fäden in der Hand behalten will, jedenfalls schon immer verstanden. Zumal die Lage nicht rosig ist: Durch ihre tiefe Glaubwürdigkeitskrise hat die Fifa von insgesamt 14 Paketen ihrer beiden besten Sponsoren-Kategorien erst die Hälfte verkauft.

Ausserdem drohen der Fifa, die 2014 in ihrem 4-Jahres-Bericht über 1,4 Milliarden Euro an Sponsoren-Einnahmen auswies, weitere Quellen zu versiegen. Auf den südkoreanischen Auto-Konzern Hyundai (Kia), pikanterweise im Besitz der Familie von Blatters Nachfolge-Anwärter Chung Mong-Joon, kann Blatter nicht rechnen.
Unabhängig von der Strategie bei Adidas, wo Vorstandsboss Herbert Hainer nach Dekaden der Nibelungentreue zu Blatter zuletzt noch Platini als neuen Fifa-Chef favorisiert hatte, kann der Fifa-Pate derzeit wohl nur auf einen getreuen Geldgeber für sein wankendes Imperium setzen: den russischen Staatskonzern Gazprom.

Durch das Machtwort der US-Sponsoren steht Blatter für Englands Verbandschef Greg Dyke indessen endgültig als «Herrscher ohne Reich» da. «Blatter kann sagen, was er will – darauf kommt es nicht mehr an», sagte Dyke: «Wenn die Geldgeber der Fifa einen Wechsel wollen, dann werden sie diesen Wechsel auch bekommen.» (SID)

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