Fussball
Treuer Hitzfeld wird sich untreu – zum Schluss wirft er Prinzipien über Bord

Einst lautete Ottmar Hitzfelds Credo: Nur wer im Klub einen Stammplatz hat, kann ein Thema für die Nationalmannschaft sein. Mit dem Aufgebot für die WM wirft Hitzfeld nicht zum ersten Mal seine Prinzipien über Bord.

François Schmid-Bechtel
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Einst lautete Ottmar Hitzfelds Credo: Nur wer im Klub einen Stammplatz hat, kann ein Thema für die Nationalmannschaft sein. Mit dem Aufgebot für die WM wirft Hitzfeld nicht zum ersten Mal seine Prinzipien über Bord. Aber die Fülle an Schweizer WM-Teilnehmern, die bei ihren Klubs keine tragende Rolle mehr spielen, ist bedenklich gross.

Kann man Hitzfeld für sein WM-Aufgebot kritisieren? Nur bedingt. Denn sein Handlungsspielraum ist begrenzt. Das ist das Los eines Schweizer Nationaltrainers.

Der 22-jährige Xherdan Shaqiri soll über den rechten Flügel für Wirbel sorgen
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Der 21-jährige Josip Drmic soll in der Sturmspitze die Tore machen
Als hängende Spitze ist der 23-jährige Admir Mehmedi gesetzt
In Top-Form ist der 22-jährige Fabian Schär in der Innenverteidigung eine Bank
Der 25-jährige Yann Sommer drängt sich immer mehr als Nummer 1 im Tor auf
Mit seinen 25 Jahren zählt der linke Flügelflitzer Valentin Stocker bereits zu den Routiniers im Team
Der 21-jährige Ricardo Rodriguez macht als linker Aussenverteidiger eine bestechende Figur

Der 22-jährige Xherdan Shaqiri soll über den rechten Flügel für Wirbel sorgen

Keystone

Natürlich hat Granit Xhaka seinen Stammplatz in Gladbach verloren. Allein deshalb den talentierten Basler nicht aufzubieten, wäre ein Fehler. Natürlich hat Johan Djourou in Hamburg zu häufig eine pitoyable Vorstellung abgeliefert. Aber Hitzfeld hat gar keine andere Wahl, als ihn und den eben erst genesenen Philippe Senderos zu berücksichtigen. Man kann auch darüber diskutieren, ob Haris Seferovic ein Aufgebot verdient hat. Aber das gleiche würde auch für Eren Derdiyok gelten, der es nur auf die Pikettliste geschafft hat.

Seit Jahren ist Captain Gökhan Inler im defensiven Mittelfeld gesetzt
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Neben Fabian Schär ist Steve von Bergen der Routinier in der Innenverteidigung
Valon Behrami wird an der Seite von Gökhan Inler im Mittelfeld abräumen
Stephan Lichtsteiner ist sowohl bei Juventus wie auch in der Nati als rechter Aussenverteidiger gesetzt

Seit Jahren ist Captain Gökhan Inler im defensiven Mittelfeld gesetzt

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Keine Frage: Es gibt bestimmt 23 bessere Fussballer als Gelson Fernandes. Aber der unscheinbare Mittelfeldrenner rechtfertigt allein schon seines Willens und seiner integrativen Kraft wegen ein WM-Aufgebot.

Gleichwohl bietet Hitzfelds Treue Angriffsfläche. Reto Ziegler hat in der Nationalmannschaft nichts verloren. Einerseits aus sportlichen, andererseits aus menschlichen Gründen. Schliesslich war er es, der es nach dem 0:0 in Zypern nicht lassen konnte, Teamkollegen öffentlich zu denunzieren. Ein No-go, erst recht für den wertekonservativen Hitzfeld.