Als Alex Frei die Bühne in Luzern betritt, sagt er bald: «Je mehr ich künftig sagen muss, desto schlechter. Denn das würde bedeuten, es läuft etwas schief.» Vorerst sind seine Gedanken aber gefragt.

Über den Abschied in Basel

«Für das Spiel gegen den FCZ hätte ich kein besseres Drehbuch schreiben können. Als ich zum Freistoss anlief, wusste ich: Viele Patronen habe ich nicht mehr im Repertoire, meine Wade explodiert gleich. Als der Ball ins Netz flog, schossen mir viele Gedanken über Tore, gelungene Spielzüge oder Titel meiner Karriere durch den Kopf.»

Über den ersten Tag in Luzern

«Nachdem ich mich in Basel von allen verabschiedete, bin ich gegen Mittag per Auto nach Luzern gefahren. Der fliessende Übergang in die Teppichetage sehe ich als Vorteil. So habe ich gar keine Zeit, um Wehmut aufkommen zu lassen. Ich werde weiterhin in Biel-Benken wohnen. Allerdings habe ich für meine Familie und mich eine Wohnung in der Stadt Luzern genommen.»

Über seine Baustellen

«Im Spiel gegen Lausanne sah ich einen frischen Wind, der durch das Team ging. Ich sah Dynamik, ich sah Mut, das gefällt mir. Der neue Trainer Carlos Bernegger hat die Mannschaft geweckt.

Ein Sorgenkind beim FCL heisst Dimitar Rangelov. Ich erachte es auch als Aufgabe, ihm jenes Selbstvertrauen zu vermitteln, das er braucht für gute Leistungen. Er schiesst in einer guten Saison 10 bis 15 Tore in der Super League. Schade, dass er in den Medien nach drei schlechten Spielen schon abgeschrieben wurde. Ich bin überzeugt, er wird dem FCL im Abstiegskampf helfen.»

Über seine Philosophie

«Priorität haben drei Ziele: 1. Die erste Mannschaft soll identitätsstiftend sein für die Fans in der Region. 2. Ich möchte junge Spieler ans und ins Fanionteam führen. Nur: Ich glaube kaum, dass es hilfreich ist, Junge zu verheizen, wenn sie plötzlich das Schiff im Abstiegskampf vor dem Untergang retten müssen. 3. Ich möchte ein gewisses Verhalten in Sieg oder Niederlage sehen. Wie verlässt man die Garderobe? Wie jubelt man? Das sollte von den Junioren weg institutionalisiert werden. Wenn gewisse Eltern von Junioren mehr reinschreien als der Trainer, ist das ein Problem. Und wenn einer jeden Tag von seinem Vater hört, er sei der Beste, hilft das bei der Entwicklung bestimmt nicht.»

Über sein Luzern der Zukunft

«Meine Gestaltungsfreiheit bei der Zusammenstellung des Teams ist nicht eingeschränkt. Ich bin ja auch nicht blöd, ich weiss, wie der finanzielle Spielraum aussieht. Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass einige FCL-Spieler das Potenzial hätten, um in einem Halbfinal der Europa League mitzuspielen.

Je schneller wir uns den Ligaerhalt sichern, desto besser für mich. Denn 98% der Spieler, mit denen ich über einen eventuellen Transfer spreche, werden sagen: ‹Tönt interessant, aber schafft doch bitte zuerst den Klassenerhalt.›

Die Spiele werde ich mir in Zukunft von der Tribüne ansehen. Marco Streller liess mich schon wissen: Wenn er mich auf der Ersatzbank erblickt, knallt er den ersten Ball sofort in meine Richtung.

Was den Sport angeht: Es braucht Zeit, bis wir wieder Galas bieten können. Eine attraktive Spielphilosophie entwickelt sich nicht dann, wenn das Team auf dem zweitletzten Rang im Abstiegskampf steckt. Wer nun in der nächsten Saison gleich vom Einzug in die Champions League träumt, hat nicht alle Tassen im Schrank. Das Beispiel von Xamax hat gezeigt, wohin ein solches Denken führt.»

Über Investor Alpstaeg

«Ich bin kein Verfechter von einer One-Man-Show, und das erwarte ich auch von anderen. Gewisse Geschichten waren nicht förderlich.

Leute aus der Wirtschaft sind sich nicht gewohnt, wenn einer nicht immer ‹Ja› zu allem sagt. Ich war in meiner Karriere immer ehrlich und werde das auch weiterhin sein. Trotzdem sehe ich mich nicht als Löwen-Dompteur.

In Rennes hatte ich mit Monsieur Pinault ein super Verhältnis - und der hat 20 Milliarden auf dem Konto. Ich weiss also, wie ein guter Umgang mit einem Mäzen aussieht. Es geht auch darum, das angeschlagene FCL-Image wieder aufzupolieren.»