WM14
Prämienstreit: Ghana fliegt drei Millionen Dollar Bargeld ein, um Spieler glücklich zu machen

Skurriler Prämienstreit in Ghanas Fussballteam. Die Fussballstars streiten mit dem nationalen Fussballverband um Prämien. Nun wurden ausstehende Prämien per Flugzeug nach Brasilien geflogen - insgesamt drei Millionen Dollar in bar!

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Funktionäre zählen Bargeld, um die Prämien bei den Spielern zu begleichen.

Funktionäre zählen Bargeld, um die Prämien bei den Spielern zu begleichen.

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Aufregung in Ghanas Nationalteam - und das vor dem wichtigen letzten Gruppenspiel gegen Portugal! Ghana hat noch immer reelle Chancen, sich mit einem hohen Sieg gegen Portugal für das Achtelfinale zu qualifizieren. Doch das Team kümmert sich lieber um das liebe Geld.

Was war geschehen? «Es gab einen Streit, dieser ist jetzt gelöst», sagte Nationaltrainer Kwesi Appiah. Gelöst wurde der Streit um Geld mit einer Luftfracht aus Ghana! Ein Flugzeug hat offenbar rund drei Millionen Dollar Bargeld nach Brasilien geflogen, um für ein versöhnliches Ende zwischen dem ghanaischen Fussballverband und den Fussballstars zu sorgen.

Ghana mit intakten Chancen auf den Achtelfinal

Ghana benötigt nach der Niederlage gegen die USA (1:2) und dem Punkt gegen Deutschland (2:2) unbedingt einen Sieg gegen Portugal sowie deutsche Schützenhilfe, um doch noch das Achtelfinale zu erreichen. (sid/sha)

Auf Vermittlung von Staatspräsident John Mahama wurde die geschätzte Summe von drei Millionen Dollar am Mittwoch von Ghana nach Brasília geflogen, um sie den Spielern noch vor der abschliessenden Vorrundenpartie in der brasilianischen Hauptstadt gegen Portugal zu überreichen.

Nationaltrainer Kwesi Appiah wollte die Summe nicht bestätigen und spricht offen: «Wenn ich sie nenne, bringen mich die Spieler um.»

Dass das Geld direkt an die Akteure in bar ausgezahlt werden sollte, findet Appiah nicht ungewöhnlich: «Das ist in Ghana üblich. Es ist schwierig, Geld zu überweisen. Die Barzahlung ist der beste Weg.»

Ghanas Sportminister Joseph Yamin hatte zuvor bestätigte, dass das Geld per Flugzeug unterwegs sei. «Die Spieler werden ihr Geld erhalten», sagte Yamin.

In diesem Flugzeug wurde das Bargeld aus Ghana nach Brasilien geflogen

In diesem Flugzeug wurde das Bargeld aus Ghana nach Brasilien geflogen

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Die Regierung musste das Geld vorschiessen

Die Regierung hatte den stattlichen Betrag vorgestreckt, da der Verband erst nach der WM Zahlungen vom Weltverband Fifa erhalten. Wenn diese Zahlungen eintreffen würden, soll das Geld an die Regierung zurückgezahlt werden.

Dass die Fifa die Zahlung ausführen werde, bestätigte sie am Mittwochabend. Ghana stellte bereits einen Antrag auf eine vorzeitige Zahlung seiner WM-Prämien. Um welchen Anteil der Summe es sich handelt, blieb dabei ungenannt. Die Fifa teilte mit, den Antrag zu prüfen. Ghana stehen mindestens acht Millionen Dollar (5,8 Millionen Euro) zu.

Geld in der Hand fühlt sich wohl an wie ein Sieg... Ghanas John Boye wurde fotografiert, wie er seine geschätzten 100'000 Dollar Bargeld küsst.

Geld in der Hand fühlt sich wohl an wie ein Sieg... Ghanas John Boye wurde fotografiert, wie er seine geschätzten 100'000 Dollar Bargeld küsst.

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75000 Dollar reichten den Spielern nicht

Laut Medienberichten war pro Spieler eine Antrittsprämie von 75000 Dollar ausgehandelt worden. Diese Summe soll nun noch einmal aufgestockt worden sein.

«Jedes Land bezahlt seine Spieler. Es ist kein Bonus», sagte der Coach der Black Stars, der von den Diskussionen genervt ist: «Kein Trainer mag diese Situation. Wir sollten uns um Fussball kümmern - und nicht um Geld. Das ist ein allgemeines Problem in Afrika.»

Appiah ist aber überzeugt, dass sich der viermalige Afrikameister nun auf das Spiel gegen Portugal konzentrieren kann: «Die Spieler sind jetzt fokussiert und freuen sich.»

Spieler: «Wir schliessen alles ab»

Am Dienstag hatten die Spieler wegen des Prämienstreits sogar eine Trainingseinheit platzen lassen. Ob der spätere Rauswurf der beiden Superstars Boateng und Muntari (wir berichteten) in direktem Zusammenhang steht, wollte von Ghanas Team niemand bestätigen.

Nicht zum Spiel gegen Portugal anzutreten, sei aber nie ein Thema gewesen, versicherte Christian Atsu, der auf der abschliessenden Pressekonferenz auch Fragen nach der Verwahrung des Geldes beantworten musste. «Wir schliessen einfach alles ab. Wir werden es nach der WM in unser Land transferieren», sagte Atsu.

In Ghana schütteln viele Einwohner und Fussballfans den Kopf. Während in Ghana Menschen gegen die Armut kämpfen, streiten die Fussballstars, die ohnehin schon in Saus und Braus leben, über einige Tausend Dollars. «Solche Streitigkeiten sind der Grund, warum wir in Ghana nie aus dem Tiefschlaf erwachen werden», so ein genervter Twitter-User aus Ghana.