Finalissima gegen Portugal
Nati will ihre WM-Quali veredeln: «Können zeigen, dass die vergangenen Monate kein Zufall waren»

Es sind nur fünf Worte. Aber diese fünf Worte lassen tief blicken. «Our golden time is now», schreibt der Schweizerische Fussballverband hochoffiziell via Twitter. «Unsere goldene Zeit ist jetzt», also. Dazu stellt er ein Bild der wunderbar schimmernden Sonne von Lissabon.

Etienne Wuillemin
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Ohne Zweifel, dafür mit viel Selbstvertrauen: Nati-Trainer Petkovic.

Ohne Zweifel, dafür mit viel Selbstvertrauen: Nati-Trainer Petkovic.

Keystone

Portugal gegen die Schweiz, es ist das Spiel der Spiele. Ein Punkt reicht der Schweiz für die direkte WM-Qualifikation. Bei einer Niederlage folgen zwei Barrage-Spiele im November gegen einen anderen Gruppenzweiten. Doch daran mag momentan niemand denken.

Vladimir Petkovic schon gar nicht. Er ist derzeit ein sehr glücklicher Nationaltrainer. Wie er die Bedeutung dieses Spiels im Bezug auf seine ganze Karriere einschätzt, ist die Frage an ihn. «Sehr hoch», sagt er, und nach einer Kunstpause: «Ich sage ja immer, das nächste Spiel ist das wichtigste – also darf das jetzt erst recht gelten.» Wer ihn genau beobachtet, erkennt ein minimes Lächeln. Ein Highlight ist diese Partie gewiss. Vielleicht nicht ganz so bedeutend wie der EM-Achtelfinal 2016 gegen Polen. Aber nahezu.

Die Frage nach dem Widerstand

Vor allem ist es die Gelegenheit, zu beweisen, wie reif und gut dieses Schweizer Team tatsächlich ist. In den letzten Monaten eilte es von Sieg zu Sieg. Zehn in Serie sind es mittlerweile. Doch auf einen echten Test wartet die Schweiz schon seit mehr als einem Jahr. Und je näher dieses Spiel der Spiele kommt, desto eher bekommt man das Gefühl, auch die Spieler freuen sich darauf, zu erfahren, wie es ihnen so ergeht, wenn der Gegner einmal nicht Andorra, Färöer, Lettland oder Ungarn heisst.

Die zentrale Frage ist: Wie geht die Schweiz mit Widerstand um? Wie sehr kann sie leiden? Wie würde die Reaktion ausfallen, wenn der Match einmal anders verläuft als geplant, wenn es beispielsweise gilt, einen Rückstand aufzuholen?

Etwas Besonderes ist das Spiel ohnehin schon. Für zwei Spieler sogar noch etwas mehr. Xherdan Shaqiri feiert heute seinen 26. Geburtstag. Auch für ihn, der so gerne wieder einmal die Champions League gewinnen möchte, ist es eine Chance, zu zeigen, dass er auf die grosse Bühne gehört – und sein Weg nicht bei Stoke City enden muss.

Für Haris Seferovic ist es ein besonderes Spiel, weil es im Stadion seines Vereins Benfica Lissabon stattfindet. Bei Benfica fand sich der Stürmer nach seinem Wechsel im Sommer rasch zurecht, erzielte bereits fünf Tore. Doch mittlerweile ist die Anfangseuphorie etwas verflogen. Die portugiesische Zeitung «Record» rechnet bereits vor, dass er seit fünf Spielen und 273 Minuten nicht mehr getroffen habe. Auch für Seferovic wäre es an der Zeit, in einem wichtigen Spiel ein Tor zu erzielen. An der EM gelang ihm das nicht.

Haris Seferovic spielt mit Benfica Lissabon im selben Stadion wie heute mit der Nati.

Haris Seferovic spielt mit Benfica Lissabon im selben Stadion wie heute mit der Nati.

KEYSTONE

Der Beweis gegen den Zufall

Zweifel über die Schweizer Aufstellung gibt es nahezu keine. Freuler wird den verletzten Behrami erneut ersetzen. Die wegen der Gefahr einer Sperre geschonten Rodriguez, Dzemaili und Mehmedi kehren zurück. Der formstarke Zuber, Embolo und Zakaria sind die ersten Joker.
Petkovic hat in den letzten Tagen so intensiv wie noch nie vom gegenseitigen Vertrauen zwischen dem Team und ihm gesprochen, das sich zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt hat. Er klang auch ein bisschen stolz dabei.

Er selbst gibt sich konzentriert, selbstsicher, aber trotzdem entspannt. Ganz so wie ein Trainer eben, der vom Erfolg überzeugt ist. Es ist nicht nur die Mannschaft, die eine erstaunliche Entwicklung hinter sich hat. Es ist auch der Trainer. Die Zweifel sind der Überzeugung gewichen. Mit «vollem Selbstvertrauen» werde sein Team die Aufgabe gegen Portugal angehen. «Wir können zeigen, dass die vergangenen Monate kein Zufall waren.» Was Petkovic damit auch meint: Die goldene Zeit ist jetzt.