Eigentlich war der WM-Sommer für die Schweiz schon vorbei. Mit der Enttäuschung des Achtelfinal-Outs gegen Schweden. Mit den Diskussionen um den Doppel-Adler. Doch dann löste Generalsekretär Alex Miescher mit einem Interview noch grössere Unruhen aus. Er stellte infrage, ob die Schweiz auch in Zukunft auf Doppelbürger setzen sollte. Und schuf damit ein Misstrauensverhältnis zwischen sich und dem Team, das eine künftige Zusammenarbeit verhinderte.

Der Schweizer Fussballverband musste sich Tage später für die Aussagen entschuldigen. Miescher blieb keine andere Wahl mehr als der Rücktritt. Es waren schwierige Tage für sämtliche Beteiligten rund um das Nationalteam. Es entstand der Eindruck, ein funktionierendes Gebilde würde innert kürzester Zeit in Einzelteile zerlegt.

Sportlich hat sich das Schweizer Nationalteam nach den Wirren gefangen. Und auch Miescher hat eine neue Berufung gefunden. Mittlerweile hat er sich selbstständig gemacht. Er bietet Coachings und Beratungen an.

Gerne hätte diese Zeitung mit Miescher über seinen neuen Job gesprochen. Auf Anfrage schreibt Miescher indes, dass er sich nicht äussern möchte. Weder über die WM und seine Vergangenheit beim Fussballverband noch über seine künftige Tätigkeit.

Ein Blick auf seine Homepage zeigt, in welchen Bereichen der bald 51-Jährige seine langjährige Erfahrung anbieten möchte. «Ich kann Ihnen helfen, den passenden Führungsstil zu suchen, damit Sie als Person und Führungskraft erfolgreich bleiben.» Im Weiteren sind Leitsätze zu finden wie: «Es ist wichtig, seine Standpunkte zu wechseln – das gelingt in einem Team, in welchem zugehört wird und die unterschiedlichen Sichtweisen nicht nur toleriert, sondern sogar gefördert werden.» Zumindest dieser Punkt war beim Fussballverband während und nach der WM nicht gewährleistet.

Die Strategie der Manager-Suche

Derweil ist noch immer nicht klar, wer die angeregte Stelle des NatiSuper-Managers antreten wird. Nach der Absage von Wunschkandidat Christoph Spycher scheint klar: Der Verband wartet den 18. Mai 2019 ab. Dann wird der Nachfolger von Peter Gilliéron als Verbandspräsident gewählt.

Erst wenn klar ist, wer aus dem Trio Jean-François Collet, Kurz Zuppinger und Dominique Blanc den Verband präsidiert, sollte sich der SFV mit voller Kraft – also auch mit dem Support der wichtigsten Nationalspieler – für einen Kandidaten entscheiden und diesem die Stelle des Super-Managers schmackhaft machen.

Der valabelste Mann dafür ist ohne Zweifel Georg Heitz. Der Ex-FCB-Sportdirektor ist ein ausgewiesener Fachmann und hat schon eng mit den meisten Nationalspielern zusammengearbeitet.

Dass er im Nachgang zur WM an der Untersuchung zu den Strukturen im Verband mitgearbeitet hat (u. a. mit Bernhard Heusler), ist zwar Fakt, und darum hat Heitz auch signalisiert, nicht zur Verfügung zu stehen. Wenn der Verband aber zum Schluss käme, Heitz sei nun Topkandidat, müssen alle Energien dafür verwendet werden, Heitz umzustimmen. Den Support der Fussball-Schweiz hätte er.

Was indes auf keinen Fall passieren darf: Dass das Profil des neuen Super-Managers im Verband plötzlich so ausgestaltet wird, dass kaufmännische Fähigkeiten genauso stark gewichtet werden wie fussballerische Kompetenz. Doch genau diese Gefahr droht.