Am Montag letzter Woche, am ersten Tag des Zusammenzugs der Nationalmannschaft, sagte Vladimir Petkovic: "Eigentlich sollten wir gegen Dänemark um Platz eins spielen." Fünf Tage später in Tiflis wollte der Schweizer Coach ein anständiger Gast sein und sagte deshalb gegenüber georgischen Medien: "In dieser Gruppe hat es vier Mannschaften, die gute Chancen haben, unter die ersten zwei zu kommen."

Die Wahrheit liegt wohl eher bei Petkovics erster Aussage. Aufgrund der Eindrücke der Spiele vom Samstag in der Gruppe D, zu denen auch der schwache Auftritt von Irland in Gibraltar (1:0) gehörte, hat sich der Favoritenkreis auf die beiden EM-Plätze eher nicht von zwei auf vier erweitert. Für die Schweiz bedeutet dies: Sie hat mit dem Pflichtsieg in Georgien einen kleinen Schritt getan. Ein Erfolg gegen Dänemark wäre bereits ein bedeutender und wegweisender, ist für den weiteren (erfolgreichen) Weg dieser Kampagne aber nicht zwingend. "Das Resultat von Tiflis hat uns ein wenig den Druck genommen", so Petkovic.

11 Siege, 1 Remis, 41:6 Tore

Einen Sieg streben die Schweizer gegen Dänemark trotzdem an, weil sie "immer gewinnen und immer dominieren" wollten, wie Petkovic nicht müde wird zu sagen. Gerade in Heimspielen hat sein Team in den letzten Jahren den Worten auch Taten folgen lassen. Seit einem 0:2 gegen England bei Petkovics Premiere im Spätsommer 2014 hat die Schweiz vor eigenem Publikum in zwölf Pflichtspielen elf Mal gewonnen und einmal unentschieden gespielt bei einem Torverhältnis von 41:6. In neun von zwölf Partien blieb die Schweiz ohne Gegentor.

Natürlich gehörten zu dieser Serie auch Spiele gegen San Marino, Andorra, Estland oder die Färöer. Aber die Schweiz begeisterte in den letzten Jahren das Heimpublikum auch mit Siegen gegen Europameister Portugal (2:0), den EM-Achtelfinalisten Ungarn (5:2), den EM-Viertelfinalisten und WM-Teilnehmer Island (6:0) oder die Weltnummer 1 und den WM-Dritten Belgien (5:2).

"Vertikaler und schneller"

Die Schweizer haben sich zu einem Team entwickelt, das nicht nur defensiv gut organisiert ist und viel Ballbesitz aufweist. Sie können auch spektakulär sein. Die vielen Tore gegen Island und Belgien sind Dokument dafür, aber mit Abstrichen auch die zweite Hälfte in Georgien, in der die Schweizer zu mehr als einem halben Dutzend sehr guter Torchancen kamen. "Vertikaler und schneller" wollen sie spielen, erklärte Petkovic.

Diese modifizierte Philosophie hat viel mit Remo Freuler und Denis Zakaria zu tun. Es scheint, als habe Petkovic für die Nachfolge von Valon Behrami im Mittelfeld als Lösung dieses Duo gefunden. Das macht die Spielanlage der Mannschaft offensiver und mutiger. Die gleichzeitige Nominierung dieser beiden verändert das Spiel der Schweizer markanter als die viel diskutierten Systemwechsel von Vierer- zu Dreierabwehr oder die Dispositionen in der Offensive. Freuler und Zakaria garantieren mit ihren Vorstössen aus dem Mittelfeld heraus mehr Strafraumpräsenz.

Die verstärkte Offensiv-Power der SFV-Auswahl wird gegen Dänemark einem signifikanten Test unterzogen. Denn die Nordeuropäer sind seit Oktober 2016 in Pflichtspielen ungeschlagen und kassierten in dieser Phase nur zweimal mehr als einen Gegentreffer - jeweils in Testspielen. Beim 2:2 letzte Woche gegen den Kosovo sowie beim 0:3 im vergangenen September gegen die Slowakei. Doch da trat Dänemark aufgrund eines Spielerstreiks mit einer Auswahl aus Amateuren und Futsal-Spielern an. Aussagekraft verleiht dem dänischen Bollwerk dieser Fakt: An der WM kassierte es gegen die späteren Finalisten Frankreich (Gruppenphase) und Kroatien (Achtelfinal) in 210 Minuten nur ein Gegentor.