Super League

Marco Wölfli will noch viele Jahre bei YB bleiben

Mit Fussball soll noch lange nicht Schluss sein: Marco Wölfli will sich noch mindestens während viereinhalb Jahren die Torhüterhandschuhe anziehen.

Mit Fussball soll noch lange nicht Schluss sein: Marco Wölfli will sich noch mindestens während viereinhalb Jahren die Torhüterhandschuhe anziehen.

Obschon Wölfli (32) seit dieser Saison nach Yvon Mvogo nur noch Ersatzgoalie ist, bleibt der ehemalige Captain seinem Verein weiterhin treu.

Einmal YB, immer YB – so hatte sich Marco Wölfli seinen Karriereplan vermutlich nicht vorgestellt, als er im Sommer 1998 vom FC Solothurn zu den Young Boys kam. 16 Jahre alt war er damals und träumte davon, bei den Bernern einmal die Nummer 1 zwischen den Pfosten zu werden. Dass er hier aber auch noch gut 16 Jahre später unter Vertrag stehen und diesen gar um vier Jahre verlängern würde, dies hätte er dann aber doch nicht gedacht.

Wobei der Slogan «Einmal YB, immer YB» insofern nicht ganz treffend ist, als sich Wölfli drei Jahre nach seiner Ankunft in Bern zwecks Spielpraxis zum FC Thun hatte ausleihen lassen. Im Oberland gab er dann tatsächlich als blutjunger Goalie sein Debüt in der höchsten Spielklasse, dem neun weitere Meisterschaftseinsätze für die Thuner und danach bis heute deren 339 für die Young Boys folgen sollten.

Rückschlag vor der WM in Brasilien

Marco Schällibaum war der YB-Trainer gewesen, der Wölfli 1999 ins Leben eines angehenden Fussballprofis eingeführt hatte. «Ich sah sofort, dass er sehr talentiert war. Vor allem seine Reaktionsschnelligkeit hatte es mir angetan», sagt Schällibaum. «Marco war zudem ein flotter und äusserst pflichtbewusster Kerl.» Aber natürlich war noch nicht abzusehen, dass es dieser sogar einmal zum A-Nationalspieler bringen würde.

Ganz oft zwar blieb dem Grenchner nur die Rolle der Nummer 2 hinter Diego Benaglio, doch Wölfli war mit Leib und Seele dabei und wäre in diesem Sommer nur allzu gerne als Back-up mit der Nati zur WM nach Brasilien geflogen. Doch der Riss der Achillessehne im Spiel gegen Thun vor einem Jahr hatte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Aber Wölfli jammerte nicht, begann nach der Operation mit dem Aufbautraining und stand seinem Klub mit Beginn der neuen Saison wieder zur Verfügung.

Vom talentierten Mvogo verdrängt

Sein junger Stellvertreter Yvon Mvogo indes hatte seinen Job während Wölflis Verletzungspause so gut gemacht, dass sich Trainer Uli Forte in Absprache mit Sportchef Fredy Bickel entschied, das Talent offiziell zur Nummer 1 zu machen. Doch auch jetzt gab es für Wölfli keinen Grund zu lamentieren.

Er fügte sich in die Rolle des Ersatzkeepers, der Mvogo zwar mit Rat und Tat beistehen sollte, aber nur noch im Cup spielen durfte; und dort erst noch bei der Blamage in Buochs im Tor stand. «Für mich war es vor allem einmal wichtig, dass ich wieder richtig gesund wurde, was nach einer solch schweren Verletzung keine Selbstverständlichkeit ist», sagt Wölfli.

Anfragen aus dem Ausland abgelehnt

Bickel, der schon während seiner ersten Amtszeit bei YB mit Wölfli zusammengearbeitet hatte, überliess es dem Torhüter, die Zukunft zu bestimmen. Vor dreieinhalb Jahren hatte dieser, 29 Jahre alt, gesagt, er träume noch immer von einem Engagement im Ausland.

«Und jetzt hätte ich tatsächlich die Möglichkeit bekommen, diesen Schritt zu wagen», sagt Wölfli, «auch ein Klub aus der Super League hat Interesse bekundet.» Es tat ihm gut, dass er nicht bloss die Wahl hatte, entweder bei YB Reservegoalie zu bleiben – oder aufzuhören. Er besprach sich mit der Familie und schliesslich reifte in ihm der Entscheid, in Bern zu bleiben.

«Ich bin YB dankbar»

Am Montag nun verschickten die Young Boys die Nachricht, dass Wölfli seinen Vertrag um vier Jahre verlängere. «Er hat sehr grosse Verdienste und sich immer zum Wohl des Vereins verhalten. Auch als Nummer 2 ist er für uns ein wichtiger Führungsspieler», liess sich Bickel zitieren. Wölfli sagt: «Ich bin YB dankbar. Oft wird man ja abgeschoben, wenn man nicht mehr gebraucht wird, und erfährt nicht diese Wertschätzung wie ich. Bei YB herrschen eben noch immer familiäre Züge.»

Selbst wenn sich der Klub seit dem Bezug des Stade de Suisse rasant zu einem – allerdings seit 1987 weiter titellosen – Schwergewicht des Schweizer Fussballs entwickelt hatte. «Als ich bei YB begann, kamen 8000 Zuschauer, heute sind es 20 000. Bei diesem Prozess dabei gewesen zu sein, das macht mich glücklich», sagt Wölfli.

Hauptsache die Young Boys gewinnen

«Oder zu sehen, wie uns letzte Woche 700 Fans nach Bratislava begleiteten.» Wölfli sagt, er sei topmotiviert, wolle sich weiter in jeder Übungseinheit dem Trainer anbieten. Und hoffen, dass Mvogo YB irgendwann einmal verlässt? «Nein», sagt Wölfli, «diesen Hintergedanken habe ich nicht. Und überhaupt: Viel wichtiger ist doch, dass YB heute in Luzern gewinnt.» YB forever.

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