Schon wieder landet eine Leuchtfackel auf dem Rasen. Es ist einfach nur Glück, dass niemand getroffen wird. Nach 32 Minuten zieht Schiedsrichter Lionel Tschudi die Notbremse, unterbricht das Spiel und bittet die Akteure an den Spielfeldrand.

Dem mit Spannung erwarteten Super-League-Spiel der 25. Runde zwischen dem FC Sion und den Grasshoppers droht früh der Abbruch. Nicht der Spieler wegen, die sich trotz der grossen Bedeutung der Partie im Kampf gegen den Abstieg bis zu diesem Zeitpunkt fair verhalten haben. Die 2:0-Führung, die der FC Sion durch Uldrikis und Kasami herausgeschossen hat, ist verdient, der Auftritt der Gäste allerdings unterirdisch schwach.

Bevor Tschudi das Spiel fortsetzt, lässt er den Zuschauern im Tourbillon ausrichten, dass er das Spiel abbrechen werde, sollten erneut Pyros auf den Platz fliegen.

Kurz nach der Halbzeitpause ist es aber so weit, wieder brennt es auf dem Rasen und Tschudi zitiert die beiden Mannschaften in die Stadionkatakomben. Der Sittener Präsident Christian Constantin sagt: «Man muss darüber nachdenken, keine Auswärtsfans mehr zuzulassen.» Die Sittener verschwinden in der Kabine, die Zürcher bleiben im Tribünengang und diskutieren.

Wie wilde Tiere

Nach zehn Minuten des Wartens geht es unverhofft weiter. Tschudi gibt den Ball frei. Doch nach zehn Sekunden(!) schlagen wieder Leuchtraketen auf dem Spielfeld auf. Wieder schickt Tschudi die Teams in Richtung Garderoben. Constantin diskutiert mit GC-Präsident Stephan Anliker und GC-CEO Manuel Huber.

Die Hoppers entscheiden sich, mit ihrem Präsidenten den Gang in Richtung GC-Fansektor anzutreten. Huber, Trainer Tomislav Stipic und die Spieler folgen. Doch bald müssen sie einsehen: Reden ist zwecklos. Wie von Sinnen rüttelt der Mob am Gitter, das ihn vom Spielfeld trennt. Manche stehen wohl unter Drogen. Man fragt sich: Wie haben sie all das Feuerwerk ins Stadion gebracht? Anliker befiehlt: Zurück in die Katakomben!

Wieder wird minutenlang debattiert. Dann entscheidet Tschudi, das Spiel abzubrechen. Absolviert sind 55 Minuten. Er sagt: «Die Sicherheit im Stadion war nicht mehr gewährleistet.»

Anliker gibt ein erstes Interview. «Die Fans waren so aufgegeilt, ich kann es nicht anders sagen, dass es sinnlos war, mit ihnen das Gespräch zu suchen.» Sie seien ihm wie wilde Tiere vorgekommen. Jetzt müsse etwas gehen, man könne nicht mehr warten. «Der Verband ist jetzt auch gefordert.»

Jetzt müssen Lösungen her

Dieser ist in der Person von Claudius Schäfer vor Ort. Zufällig. Der CEO der Swiss Football League ist angereist, um die Auslosung der Barrage vorzunehmen. Schäfer ist geknickt. Das Entsetzen und die Ratlosigkeit stehen ihm ins Gesicht geschrieben.

Er sagt: «Ich bin konsterniert, dass dies passieren kann. Ich bin traurig.» Wie es nun weitergeht, kann Schäfer nicht sagen, er will sich nicht auf die Äste hinauslassen. Nur so viel: «Jetzt wird die Disziplinarkommission übernehmen. Sie muss schnell an die Arbeit.» Dass GC 0:3 Forfait verliert, scheint aber klar.

Am selben Tag hat Markus Lüthi in der «Berner Zeitung» ein Interview gegeben. Auch der Präsident des FC Thun hat kürzlich schlechte Erfahrungen mit dem GC-Mob gemacht. Er fordert: «Es müssen dringend Lösungen her.»

Am Sonntagmorgen trifft sich der Verwaltungsrat von GC zu einer Sitzung. In einer Medienmitteilung schreibt Anliker: «Wir wollen keine solchen Fans und werden die Randalierer zur Rechenschaft ziehen.»

Wie oft schon hat man doch solche Sätze gehört. Passiert ist nie etwas.