Herr Schmid, die Beschwerde gegen den Stadion-Neubau ist abgewiesen: ein Freudentag für den FC Aarau?

Alfred Schmid: In der Tat. Meine Stimmungslage ist gegen Ende Woche stark gestiegen. Denn wir haben jetzt einen Entscheid auf dem Tisch, der absolut eindeutig ist. Eindeutiger kann er fast nicht sein, weil der Beschwerdeführer in allen Punkten unterlag. Es bewahrheitet sich jetzt meine Vermutung, dass die Beschwerde einzig in einer Verzögerungs-Taktik gründete. 

Man hört aus Ihren Worten grosse Genugtuung.

Und wie. Der Entscheid stärkt mein eh schon grosses Vertrauen in unsere Rechtsprechung. 

Trotzdem fahren die Bagger nicht umgehend auf. Trübt das die Freude?

Nein. Denn es ist klar, dass bei einem Projekt dieser Grössenordnung weiterhin Geduld gefragt ist. Nach Erteilung der Baubewilligung braucht es wohl ein Jahr Vorbereitungszeit. 

«Wahnsinnig, wenn man da zurückschaut»: FCA-Präsident Alfred Schmid ist «sehr erleichtert»

«Wahnsinnig, wenn man da zurückschaut»: FCA-Präsident Alfred Schmid ist «sehr erleichtert»

Befürchten Sie eine weitere Volksabstimmung, weil das Stadion teurer wird als ursprünglich angenommen?

Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Ausserdem ist der FC Aarau in dieser Sache nicht involviert. Die Stadt Aarau und der Generalunternehmer HRS werden jetzt sicher eine Auslegeordnung machen, um die finanziellen Konsequenzen, welche durch die Verzögerung entstanden sind, zu eruieren. 

Welche Bedeutung hat das Stadion Torfeld-Süd für den FC Aarau?

Um den Profibetrieb aufrecht zu erhalten, ist das neue Stadion matchentscheidend. Für unsere Zukunft ist dieses Stadion wegweisend. Bislang durften wir nur mit einer Spezialbewilligung im Brügglifeld spielen. Und das auch nur, weil ein Vorprojekt auf dem Tisch lag. 

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Visualisierung: So soll das Aarauer Fussballstadion aussehen

Wie lange kann der FC Aarau die Überbrückungsphase im Brügglifeld noch stemmen?

Das kann ich nicht sagen. Wichtig ist, dass wir jetzt einen Schritt weitergekommen sind und mit der positiven Nachricht vom Bundesgericht im Klub, bei den Fans aber auch bei den Sponsoren neues Feuer entfachen können. Die Leute sehen jetzt: Es geht weiter beim FC Aarau. Allein, dass das Projekt weiterverfolgt werden kann, steigert unsere Attraktivität. 

Wie hoch quantifizieren Sie die Mehreinnahmen des FC Aarau im neuen Stadion?

Der Spielbetrieb im neuen Stadion erlaubt uns, das Budget um etwa einen Drittel zu steigern. Das bedeutet: In der Super League könnten wir mit mehr als 10 Millionen pro Saison budgetieren. 

Macht ein Aufstieg in die Super League überhaupt Sinn, solange der FC Aarau noch im Brügglifeld spielt?

Einen Aufstieg schafft man nicht per Knopfdruck. Einen Aufstieg muss man nehmen, wenn er kommt. In der kommenden Saison wollen wir um den Aufstieg mitspielen. Sollten wir diesen tatsächlich realisieren, werden wir allein durch den Stadion-Entscheid mehr Mittel generieren können als bisher. 

Man spricht von der attraktivsten Challenge-League-Saison der Geschichte.

Klar, der FC Zürich ist eine grosse Bereicherung für diese Liga. Das macht einerseits Freud, mindert aber auch unsere Chancen im Kampf um den Aufstieg. 

Falls das Volk über einen neuen Kredit abstimmen müsste: Wie gross ist Ihre Zuversicht, dass die Aarauer das Stadion weiterhin wollen?

Ich habe Verständnis für die finanziell angespannte Situation der Stadt Aarau. Nur wäre es schade, wenn man trotz des jüngsten Entscheids das Stadion nicht bauen könnte. Ein solcher Entscheid würde nur dem Beschwerdeführer in die Karten spielen. 

«Ob es mehr kostet und wer diese Kosten tragen wird, ist noch völlig offen»: Stadtrat Lukas Pfisterer nach dem Bundesgerichts-Urteil zum Aarauer Stadion.

«Ob es mehr kostet und wer diese Kosten tragen wird, ist noch völlig offen»: Stadtrat Lukas Pfisterer nach dem Bundesgerichts-Urteil zum Aarauer Stadion.

Ist es Ihr grosses Ziel, als Präsident des FC Aarau das neue Stadion zu eröffnen?

Das ist mir nicht wichtig. Mir geht es um den FC Aarau, nicht um meine Person. Ich nehme nun das zehnte Jahr als Präsident in Angriff. Wer so lange dabei ist, plant nicht mehr langfristig. Egal wer Präsident des FC Aarau ist, er darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen. 

Wann wird der FC Aarau frühestens ins neue Stadion einziehen, falls nun alles reibungslos läuft?

Ein Jahr Planungsphase, zwei Jahre Bauzeit: also etwa in drei bis dreieinhalb Jahren.