Super League

Erster Spitzenkampf mit fairen Gegebenheiten

Marcel Koller konnte den Disziplinlosigkeiten seiner Spieler nichts abgewinnen

Marcel Koller konnte den Disziplinlosigkeiten seiner Spieler nichts abgewinnen

Die Frühlingsrunde der Super League beginnt am Sonntag mit dem grössten Schlager: YB gegen Basel. Es ist der echte Spitzenkampf, der es in den letzten Jahren nur zu selten war.

In jeder Saison seit 2014/15 belegten Basel und YB am Schluss die ersten zwei Plätze. Zuerst dreimal die Basler, zuletzt zweimal die Berner. Die 20 Duelle in dieser Zeit, ob im Stade de Suisse oder im St.-Jakob-Park, waren fast nie Spitzenkämpfe, die die Affiche verdienten. Zu gross war meistens der Abstand in der Tabelle. Zuerst hinkten die Berner lange hinterher, danach die Basler.

In der Saison 2019/20 ist es anders. Die Ausgeglichenheit in der Tabelle ist vor der Rückrunde gegeben. YBs Vorsprung von zwei Punkten muss nicht viel heissen. Basel ergatterte aus den beiden Duellen im Herbst vier Punkte, YB einen Punkt.

Man könnte demnach von einem nahezu makellosen Gleichgewicht, von einer wünschenswerten Ausgeglichenheit an der Spitze des Schweizer Fussballs sprechen. Aber sind Basel und YB tatsächlich erstmals seit den langen Jahren gleich leistungsfähig? Im Herbst umfasste die Liste verletzter Young Boys andauernd sechs bis neun Namen. Viele dieser Spieler hätte Trainer Gerardo Seoane jeweils in die Startformation gesetzt. Selbst jetzt, zu Beginn der Rückrunde, sind vier von ihnen nicht einsatzfähig. Sieht man von der gravierenden Verletzung von Ricky van Wolfswinkel ab, blieben die Basler demgegenüber vom Pech weitgehend verschont. Sie konnten im Unterschied zu den Bernern aus dem Vollen schöpfen.

Als wollten sie unbedingt herausfinden, wie die Mannschaften mit gleich langen Spiessen im direkten Vergleich abschneiden, haben sich die Basler noch im alten Jahr aus freien Stücken dezimiert. Mit Gelb, Gelb-Rot oder Rot nahmen sich Valentin Stocker, Eray Cömert, Arthur Cabral und Granit Xhaka, vier potentielle Fixstarter, für diesen Sonntag aus dem Betrieb. Es waren ärgerliche bis dumme Sperren, wie sie jeden Trainer, nicht nur Marcel Koller, aufregen. Stocker und Cömert handelten ihre Karten nach Spielschluss mit Unbeherrschtheiten gegenüber dem jeweiligen Schiedsrichter ein. Jedenfalls halten sich die Spielstärken der Abwesenden in beiden Teams diesmal ungefähr die Waage - erstmals in dieser Saison. Man wird also einen Spitzenkampf mit fairen Voraussetzungen erleben.

Dass eine derart bedeutende Partie schon auf den ersten Spieltag der Rückrunde, in den frostigen Januar, terminiert wird, mag ungewöhnlich scheinen. Jedoch hat es einen praktischen Grund. Bei der Spielplangestaltung im Sommer konnte man nicht wissen, ob nicht vielleicht YB und Basel im Frühling in verschiedenen Europacup-Wettbewerben (Champions League und Europa League) mitmischen würden. Wäre es so gewesen, hätte man entweder YB oder Basel keine ausreichende Erholungszeit vor oder nach einer englischen Woche zubilligen können. Im Januar jedoch stellt sich das Problem nicht, weil noch nicht wieder europäisch gespielt wird. Und auch am letzten Januar-Sonntag wird ein solcher Spitzenkampf gut besucht sein. Bis Freitagmittag waren 30'100 von 31'120 Tickets vergriffen.

Die Super-League-Spiele vom Sonntag im Überblick:

St. Gallen - Lugano (3:2, 3:1). - Sonntag, 16.00 Uhr. - SR Bieri. - Absenzen: Nuhu, Lüchinger, Klinsmann und Strübi (alle verletzt); Rodriguez (rekonvaleszent). - Fraglich: -; Maric, Yao. - Statistik: Die junge St. Galler Truppe liess ihr erstaunliches Solo im Herbst nur durch eine Niederlage in Bern und zuletzt durch eine Niederlage gegen Zürich unterbrechen. Aber die Tessiner holten unter Trainer Maurizio Jacobacci aus den letzten vier Spielen acht Punkte. Und von den letzten sechs Direktbegegnungen in St. Gallen haben sie drei gewonnen.

Thun - Sion (0:1, 1:2). - Sonntag, 16.00 Uhr. - SR Tschudi. - Absenzen: Hediger, Karlen, Bigler (alle verletzt); Ndoye, Raphael (beide verletzt). - Fraglich: Gelmi; - . - Statistik: Gleich zu Beginn des Frühlingspensums müssen die Thuner als distanziertes Schlusslicht die desaströse Bilanz des Herbstes - sie verloren zehn der letzten zwölf Meisterschaftsspiele - vergessen machen. Die Walliser waren ab Ende September, nach ihrer Serie von fünf Siegen, auch nicht auf Rosen gebettet. Aber immerhin holten sie aus den letzten drei Spielen vier Punkte. Und sie können in Thun auf den Effekt des Trainerwechsels hoffen.

Young Boys - Basel (1:1, 0:3). - Sonntag, 16.00 Uhr. - SR Schärer. - Absenzen: Camara, Sörensen (beide verletzt), Lauper und Gaudino (beide rekonvaleszent); Cabral, Cömert, Xhaka, Stocker (alle gesperrt), Van Wolfswinkel und Kuzmanovic (beide verletzt). - Statistik: Erstmals in dieser Saison haben die beiden Mannschaften in einem Spitzenkampf ungefähr gleich lange Spiesse, was die Abwesenheiten angeht. Meistertrainer Gerardo Seoane muss noch auf vier verletzte oder rekonvaleszente Spieler verzichten. Kollege Marcel Koller stehen vier Spieler nicht zur Verfügung, die sich mit zum Teil dumm eingehandelten gelben oder roten Karten vorübergehend selbst aus dem Betrieb genommen haben. Anfang Dezember schlug Basel YB daheim 3:0. Es war der erst zweite Sieg der Basler gegen die Berner in 13 Duellen in der Meisterschaft seit Dezember 2016.

Rangliste: 1. Young Boys 18/38 (39:24). 2. Basel 18/36 (41:17). 3. St. Gallen 18/35 (42:25). 4. Servette 19/30 (30:19). 5. Zürich 19/30 (25:35). 6. Lugano 18/21 (18:19). 7. Sion 18/21 (25:35). 8. Luzern 19/21 (20:29). 9. Neuchâtel Xamax FCS 19/14 (21:34). 10. Thun 18/9 (16:40).

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