Super League

Englische Wochen als Nachteil für St. Gallen

Halten die Kräfte? St. Gallen kann in dieser Saison jeden Gegner dominieren, sofern der Körper mitmacht

Halten die Kräfte? St. Gallen kann in dieser Saison jeden Gegner dominieren, sofern der Körper mitmacht

Drei englische Runden hat der FC St. Gallen seit dem Liga-Neustart absolviert. Die beiden Heimspiele der Ostschweizer lassen erahnen, wie sehr der Meisterschaftskampf zum Kraft- und Balance-Akt wird.

Das Lob für den FC St. Gallen nach der ersten Halbzeit kam von gewichtiger Stelle. "Ist der FC St. Gallen einmal in Fahrt, ist er kaum aufzuhalten", bilanzierte Thuns Sportchef Andres Gerber, der die Partie in St. Gallen von der Tribüne aus beobachtete. Gerber hatte 45 Minuten lang Gleiches beobachtet, was drei Tage zuvor bereits der FCZ-Trainer Ludovic Magnin zur Kenntnis nehmen musste: Macht der FC St. Gallen in der Offensive Wirbel, gilt es das Gewitter möglichst unbeschadet zu überstehen.

Der FCZ überstand den Ostschweizer Offensivsturm am Donnerstag überraschend gut, zur Pause resultierte ein 1:0, am Schluss gewann der Gast aus Zürich 4:0. Thun hatte in der Startphase weniger Glück, 0:3 nach 42 Minuten, 2:3 bei Spielschluss. Aus den beiden Heimspielen des FCSG seit dem Liga-Neustart nach der Corona-Pause lassen sich zwei Erkenntnisse ziehen: Die junge St. Galler Mannschaft kennt Startprobleme nicht, allerdings baut sie mit Fortdauer der Partie entsprechend stark ab.

"Es stärkt uns mental, wenn wir kämpfen müssen bis zum Schluss", sagte Trainer Peter Zeidler nach dem 3:2 gegen Thun gegenüber SRF. Bleibt die Frage, welchen Faktor die mentale Stärke in dieser speziellen Saison spielt? Mit lauter englischen Wochen bis zum Saisonende dürfte die körperliche Komponente im Meisterkampf mit YB und Basel der wichtigere Faktor sein, wobei St. Gallen diesbezüglich zuletzt gegen Zürich und Thun nicht die besten Tendenzen auswies.

Zeidler-Fussball, das bedeutet hohes Pressing, hohe Intensität - was den Spielern somit auch eine hohe körperliche Fitness abverlangt. Die Frage wird sein, ob die drei oder vier Tage Pause in Zeiten des gedrängten Spielplans reichen werden, um die Kraftreserven wieder aufzufüllen. "Es wird sehr viel verlangt körperlich", sagte Zeidler nach dem Spiel gegen Thun und stellte die Regeneration ins Zentrum der kommenden Tage. Das Rezept: "Viel Schlaf, gutes Essen, vielleicht in die Kühlkammer - oder was es da alles für Sachen gibt."

Auch St. Gallens Torschütze zum 2:0, Cedric Itten, sprach nach Spielschluss über die Kraftreserven. "Wir wollten etwas Tempo aus dem Spiel nehmen", sagte der Stürmer gegenüber Teleclub zu St. Gallens zweiter Halbzeit. Es fehlte wenig, und der Kräfte-Poker wäre fehlgeschlagen. Als Zeidler mit immer noch klarer Führung im Rücken nach einer Stunde vier Neue brachte, tat er dies wohl, um wichtigen Stammkräften etwas mehr Erholungszeit zu verschaffen. Nur ging damit auch die Ordnung im Spiel etwas verloren. Vor allem im Vergleich mit Meister YB ist der FCSG in Sachen Kaderbreite im Nachteil.

"Nach der langen Pause müssen sich alle Teams wieder an den Rhythmus gewöhnen", sagte Zeidler weiter. Nicht alle spielen aber einen physisch so fordernden Stil wie sein Team - oder sie haben mehr Personal dazu zur Verfügung. Abschreiben darf man St. Gallen im Titelkampf sicher nicht, zu dominant tritt er auf, wenn er es will. Allerdings haben die Corona-Pause und die folgenden englischen Wochen die Titelaussichten der "Jungen Wilden" sicher nicht verbessert. Für St. Gallen wird der Saison-Endspurt zum Kraft- und Balance-Akt.

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