Analyse

Der nächste Angriff folgt bald – So holt sich der FC Basel den Meistertitel zurück

«Erfolg isch nid alles im Lääbe»: Der FCB feiert trotz verlorenem Meistertitel den gestrigen Sieg gegen Thun.Kefalas/Keystone

«Erfolg isch nid alles im Lääbe»: Der FCB feiert trotz verlorenem Meistertitel den gestrigen Sieg gegen Thun.Kefalas/Keystone

Seit Samstag ist es definitiv: Der Meisterpokal verlässt das Joggeli. Das muss der FCB tun, damit er nächstes Jahr wieder feiern kann.

Es war ein schönes, kräftiges Lebenszeichen des FC Basel. Zum Schluss des Wochenendes, an dem er von YB entthront wurde, sorgte er mit einem 6:1 über den FC Thun für ein tolles Fussballfest im St. Jakob-Park. Es war ein Zeichen gerade zur rechten Zeit, ein bisschen so, als wolle man dem Konkurrenten aus Bern mitteilen, dass das Imperium bald schon wieder zurückschlagen wird.

Am Samstag wurde definitiv, was sich seit Wochen abgezeichnet hat. Erstmals nach acht Jahren in Serie wird der FCB nicht Schweizer Meister. Die Berner Young Boys haben es geschafft, dem Serienmeister den Pokal zu entreissen. Es war eigentlich nicht mehr als eine Vollzugsmeldung.

Doch natürlich schwappten die Emotionen im leidgeplagten Bern über. Zumal die Dramaturgie des titelbringenden 2:1 nicht emotionaler hätte sein können. Marco Wölfli, über lange Jahre vorab ein tragischer Berner Held, hielt einen Penalty. Und bereitete damit seinem Team den Weg für die finale Schluss-Offensive, die mit dem goldenen Meister-Tor durch Nsame in der 90. Minute endete.

In Bern waren Bilder zu sehen, die an den FCB-Titel 2002 erinnerten. Die Basler wurden damals nach 22 Jahren des Wartens erlöst. Die Berner nun gar nach 32 Jahren ohne Meistertitel. Logisch, dass bei dieser Ausgangslage die Emotionen grösser sind, als wenn man sich ans Titelgewinnen gewöhnt hat.

Die Young Boys feiern den Meistertitel im Stadion

So feiern die Young Boys den Meistertitel im Stadion

  

Für den FCB gilt es nun, den Meisterpokal so schnell wie möglich wieder nach Hause zu holen. Und vielleicht tut es der Stadt und dem Verein ja gut, zu sehen, dass Titel keine Selbstverständlichkeit sind.

Doch warum ist es soweit gekommen? Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass YB ein verdienter Meister ist. Die Berner zeigten über die ganze Saison konstant gute Leistungen. Die entscheidende Differenz zum FCB schufen sie direkt nach der Winterpause mit sieben Siegen in Serie, derweil der FCB in eine seit Jahren nicht mehr gesehene Krise rutschte. YB zeigte Qualitäten, wie man es sich vom FCB gewohnt war. Es fand in jedem Spiel Antworten. Es gewann auch dann, wenn die Leistung einmal nicht ganz so gut war. Und schliesslich war auch die Art und Weise der Berner Auftritte ziemlich spektakulär. Kurz: YB spielte so, wie sich das die neue FCB-Führung eigentlich von ihrem Team erhofft hatte.

Wachsen die FCB-Lehrlinge zu einem Team zusammen?

Die grosse Frage ist, wie schnell sich der FC Basel nun erholt. Gelingt es ihm und seinen Lehrlingen in den Führungspositionen, nach einem enttäuschenden Jahr die richtigen Schlüsse zu ziehen? Dass es Probleme geben könnte, wenn eine komplett unerfahrene Crew an der Spitze eines Vereins am Werk ist, kam nicht ganz überraschend. Präsident Burgener, Sportchef Streller und Trainer Wicky haben allesamt die Chance verdient, sich zu verbessern. Entscheidend wird, ob es ihnen gelingt, eine selbstkritische Analyse zu tätigen – und dabei als Team gemeinsam zu wachsen.

Der FCB sollte nicht als Unternehmen verstanden werden, sondern wieder mehr als Fussballverein. Das ist die Lehre für Burgener. Die Mannschaft selbst hat zu tiefgreifende Veränderungen hinter sich. Das muss sich Streller vorwerfen lassen. Und als sie Ende Vorrunde ins Rollen kam, wurde sie gleich wieder auseinandergerissen. Zudem haben sich mit den Transfers von Stocker und Frei die Hierarchien verschoben. Auch darum hat die Krise 2018 eine Logik.

Doch nun dürfte in Basel der Hunger auf eine schnelle Revanche umso grösser sein. Die Aufgabe für YB, den errungenen Titel zu verteidigen, wird herausfordernd genug. Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass YB trotz der sich anbahnenden Abgängen von einigen Schlüsselspielern (Assalé, Nuhu, Mbabu, Sanogo) auch in der neuen Saison gut aufgestellt ins Rennen geht. Wenn sogar noch die erstmalige Teilnahme an der Champions League gelingt – nur eine Qualirunde wird YB überstehen müssen, die möglichen Gegner sind nicht übermächtig – wird die Euphorie in Bern noch grösser.

Darum ist der FCB ziemlich gefordert. Streller muss das Team klug ergänzen, die Führungsspieler Stocker und Frei müssen einen Schritt nach vorne machen (erste gute Tendenzen sind schon zu sehen). Zudem wäre es hilfreich, das Konzept mit eigenen Junioren und Rückkehrern nicht zu stark zu forcieren. Sondern die Gelegenheit zu nutzen, wenn ein internationales Talent auf dem Markt ist. Der FCB hat in Europa einen hervorragenden Ruf. Diese Champions-League-Saison hat dazu weiter beigetragen. Diesen Ruf gilt es zu pflegen. Und nicht kaputtzusparen.

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