Fussball
Der FC Basel ist auf dem Weg, den Ruf als Giganten-Schreck zu verlieren

Der FC Basel steht nach dem 0:0 in der Champions League gegen Ludogorets Rasgrad vor dem frühen Europa-Aus. Verstaubt nun sogar der gute Ruf? Präsident Bernhard Heusler sagt: "Wir werden nicht mehr unterschätzt."

Sébastian Lavoyer
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Vergebene Chancen und hängende Köpfe: Ist dem FCB der Nimbus als Riesentöter abhandengekommen?keystone

Vergebene Chancen und hängende Köpfe: Ist dem FCB der Nimbus als Riesentöter abhandengekommen?keystone

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Wie viele Misserfolge braucht es, ehe der FC Basel seinen Ruf als Giganten-Schreck verliert? Einen Ruf, den er sich über die letzten sieben Jahre hart erarbeitet hat. Mit Siegen gegen die ganz Grossen. Liverpool, Chelsea oder Manchester United hat der FCB unter anderem geschlagen. Gerade in England hat er so viele Erfolge gefeiert, dass man ihn längst nicht mehr unterschätzt. Präsident Bernhard Heusler sagt: «Ich glaube, beim Spiel Ende September gegen Arsenal haben wir es zu spüren gekriegt, dass es in der englischen Presse überall hiess: ‹Paris Saint-Germain ist bestimmt gefährlich, aber unterschätzt bloss nicht den FCB.›»

Heusler ist überzeugt, dass beispielsweise Chelsea 2013 nicht so konzentriert ins Spiel ging wie Arsenal 2016. Die Kehrseite des guten Rufes: Kaum ein Gegner unterschätzt die Basler noch. Dafür haben sie auf internationalem Parkett zu viel Staub aufgewirbelt. Sportchef Georg Heitz fügt an: «Vergangene Erfolge werden gern in die Gegenwart projiziert, das weckt Erwartungen.» Erwartungen, die auch überrissen sein können, wie die Klubführung betont. Deswegen habe man versucht, zu relativieren.

FC Basel versus Nati

«Wir wissen, dass es Überraschungen immer seltener gibt. Wo sind beispielsweise die Meister von Holland, Belgien, Tschechien, Polen oder Schweden?», fragt Heusler. Und gibt die Antwort selbst: «Sie haben entweder weniger Punkte als wir oder sind gar nicht dabei.» Wenn die Schweizer Nati gegen eines dieser Länder einen Punkt holt, dann wird sie gefeiert. Zurecht gefeiert, denn allesamt sind sie stolze Fussball-Nationen mit beachtlichen Erfolgen. Heusler sagt: «Ich erwarte aber nicht, dass wir gleich gefeiert werden, wenn wir, wie letzte Saison, viermal den polnischen Meister schlagen.» Es könnte daran liegen, dass das Team von Lech Posen einen Marktwert aufweist, der rund fünfmal kleiner ist als jener des Schweizer Serienmeisters.

Aber was ist nun mit dem Ruf des FCB? Präsident, Sportchef, Trainer und Spieler sind sich einig: So schnell geht der gute Ruf nicht verloren. Stellvertretend die Antwort von Sportchef Heitz: «Wir müssen die Vergangenheit irgendwann Vergangenheit sein lassen und anerkennen, dass diese Mannschaft eine sehr gute Saison spielt. Wir sind eine von 32 Mannschaften in der Champions League und können noch die Europa League erreichen. Da würden sich viele Klubs, auch aus grösseren Ligen, die Finger lecken. Unser Ruf hat sicher keinen Schaden genommen.»

«Fischer raus»-Ruf in Sofia

Und in der Meisterschaft hat dieses Team 41 Punkte aus 15 Spielen auf dem Konto und führt mit 15 Punkten vor dem zweitklassierten YB. Den Fans aber scheint das nicht zu reichen. Gerade von den internationalen Darbietungen sind viele enttäuscht. Oft wird mokiert, der FCB spiele zu roboterhaft, zu wenig Freude, zu viel Programm. Selbst Captain Matías Delgado gab schon zu verstehen, dass ihm vorübergehend der Spass abhandengekommen sei. Das Resultat sind schwindende Zuschauerzahlen. Bei der 6:0-Gala gegen Vaduz waren tatsächlich nur knapp über 15 000 im Stadion. Kommt hinzu, dass der FCB international höchstens noch angedeutet hat, dass er eine Gefahr sein kann. Nun steht er mit dem Rücken zur Wand. Das Europa-Out droht. Akut.

Entsprechend emotional reagierten die Fans. «Fischer raus»-Rufe hallten durchs Stadion. Der FCB-Trainer kann die Enttäuschung verstehen. «Auch wir haben uns mehr erhofft», sagt er. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Ludogorets keinen einzigen Schuss aufs FCB-Tor abgefeuert habe. Basel dagegen mehrere gute Chancen gehabt habe, aber kein Glück.

Das braucht der FCB nun. Besonders am 6. Dezember gegen Arsenal. Ein Punkt könnte reichen. Und der Ruf wäre wieder poliert.