Fussball

Das Ruhrpott-Derby als Wegweiser für Schalke?

Das Zentrum der Fussballwelt liegt am Wochenende im Ruhrpott. Wie schon am Donnerstag gegen Liverpool werden alle Augen auf eine Partie der Dortmunder Borussen blicken. Sie gastieren beim Erzrivalen Schalke 04 zum berühmten Revierderby. Sehen Sie im Video, was Torhüter-Legende Jens Lehmann zum Derby sagt.

Zum 170. Mal stehen sich am Sonntag die Rivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 gegenüber. Es ist die Mutter aller Derbys, wenn die beiden Traditionsvereine aufeinander treffen. Ungeachtet der jeweiligen Verfassung der beiden Mannschaften, sind die Direktbegegnungen zumeist spektakulär und auf Augenhöhe - die Magie eines Derbys eben.

Doch ist die aktuelle Form nicht ausser Acht zu lassen, wenn man für das Derby vom Samstag einen Favoriten ausmachen will. Dem BVB läuft es dezeit rund: Seit elf Ligaspielen, also seit Mitte Dezember letzten Jahres, ist man in der Bundesliga ungeschlagen und liegt auf dem soliden zweiten Platz hinter Bayrn München. In der Europa League wusste man zu überzeugen, steht aber nach dem 1:1 im Viertelfinal-Hinspiel zuhause gegen Jürgen Klopps Liverpool etwas unter Druck. Nichtsdestotrotz stimmt die Form von Thomas Tuchels Equipe.

Auf Schalke hingegen geht es unruhiger zu und her. Die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter wusste zuletzt nicht immer zu überzeugen, gewann von den letzten drei Spielen nur eines. Der Trainer ist auch aufgrund des Ausscheidens in der Europa League gegen Donezk angezählt. Dazu kommt der Hick-Hack um den scheidenden Manager Horst Heldt, der nun durch Christian Heidel vom Ligakonkurrenten Mainz ersetzt wird.

Derby als Wendepunkt?

Zu viel Schwarzmalerei ist aber in Gelsenkirchen nicht angebracht. Der Kampf um die europäischen Plätze ist eng und noch lange nicht entschieden. Schalke liegt zwar zurzeit auf einem Nicht-Europa-Platz, andererseits auch nur einen Punkt hinter dem Champions League-Qualifikationsplatz, den momentan Mönchengladbach hält. Es bleibt also noch genug Zeit für André Breitenreiter und seine Schalker, das Ruder herumzureissen und die Saison versöhnlich zu beenden. Die Qualität dazu hätte die Mannschaft allemal.

Auch die Statistik könnte Schalke Mut machen: In den bisherigen 169 hatte Königsblau 67 mal die Nase vorn, während Dortmund 60 Duelle gewann. 42 Partien endeten Unentschieden.

Vor der Mutter aller Derbys äussert sich gewöhnlich gerne jeder, der Rang und Namen im deutschen Fussball hat. So auch die Torhüter-Legende Jens Lehmann. Für ihn ist die Rollenverteilung klar, Dortmund ist der Favorit.

Jens Lehmann zum Ruhrpott-Derby

Am Sonntag ist es wieder soweit. Schalke empfängt Dortmund.

Derby zur Unzeit?

Doch wie ernst nimmt der BVB dieses Derby überhaupt? Gegen hinten ist man mit 19 Punkten Vorsprung auf Platz 3 ausreichend abgesichert. Den Bayern dürfte man den Titel aller Voraussicht nach auch nicht mehr streitig machen bei fünf Punkten Rückstand. Der Fokus der Dortmunder dürfte also auf der Europa League liegen.

Das 1:1 vom Donnerstag brachte Tuchels Elf in Bedrängnis. Liverpool hat für das Rückspiel an der Anfield Road von nächster Woche die besseren Karten und es bedarf einer Höchstleistung der Dortmunder um den Engländern das Halbfinal-Ticket noch aus den Fingern zu reissen. Es liegt also nahe, dass einige Spieler im Kopf schon in Liverpool sind oder sogar einige Akteure geschont werden. 

Das Derby darf für Schalke als eine Art Weiche auf den Gleisen Richtung Meisterschaftsende gesehen werden. Ein Derby-Sieg gäbe moralischen Aufschwung und drei wichtige Punkte im Kampf um die europäischen Plätze, eine Niederlage würde Breitenreiters Trainerstuhl weiter zum wackeln bringen. Für Dortmund geht es gegen den Rivalen ums Prestige und darum, zumindest noch eine theoretische Chance auf den Titel zu wahren. Ob dies in Dortmund aber höher gewertet wird als die Europe League, bleibt abzuwarten. Doch Ausgangslage hin oder her, das Ruhrpott-Derby hat seine eigenen Gesetze.

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