WM-Qualifikation
Beflügelt von der Liebe: Alisha Lehmann (19) harmoniert mit Ramona Bachmann (27) auf und neben dem Spielfeld

Sie war nicht geplant, die Extraschlaufe auf dem Weg zur WM 2019 in Frankreich. Doch aus den letzten beiden Spielen in der regulären Qualifikation gegen Schottland (1:2) und Polen (0:0) resultierte nur ein Punkt, und deshalb quälen sich die Schweizerinnen nun durch die Barrage, die gleich zwei Hürden bereithält. Zunächst Belgien und, im Falle eines Weiterkommens, den Sieger aus dem Duell zwischen Holland und Dänemark.

Stephan Santschi
Drucken
Alisha Lehmann (l.) überzeugte gegen Belgien mit zwei Toren.

Alisha Lehmann (l.) überzeugte gegen Belgien mit zwei Toren.

Maarten Straatemans/freshfocus

Heute Abend (9. Oktober) ab 19 Uhr findet in Biel das Rückspiel von Teil eins dieser Extraschlaufe statt. Die Ausgangslage ist gut, das Hinspiel in Belgien endete 2:2 unentschieden, womit ein torloses Remis schon reichen würde. Zu verdanken ist dies vor allem Alisha Lehmann, der 19-jährigen Bernerin, die am vergangenen Freitag zur Pause von der Bank gekommen war und anschliessend beide Tore für die SFV-Auswahl erzielt hatte. «Es war ein cooles Spiel, ich habe mich über die Einwechslung gefreut und wollte etwas bewirken. Irgendwie hat es für mich einfach gepasst», sagt die schnelle Flügelspielerin im Rückblick auf ihre Länderspieltore zwei und drei.

Die erste Hürde auf dem Weg zur WM-Qualifikation: das Spiel gegen Belgien.
23 Bilder
Die Frauen der Schweizer Nationalmannschaft können das Spiel nicht für sich entscheiden, trennen sich aber bei einem Stand von 2:2 immerhin mit einem Unentschieden von den Belgierinnen.
Die Frauen Nationalmannschaft hat die direkte WM-Qualifikation verpasst.
Nach dem Gruppensieg in ihrer Qualifikationsgruppe unterlagen die Schweizer Spielerinnen gegen Schottland 1:2.
Gegen Polen erspielten sie nur ein ungenügendes 0:0.
Nun folgt die schwierige Barrage.
Via Umweg wollen sich die Schweizer Spielerinnen doch noch für die WM qualifizieren.
Frauen Nationalmannschaft Belgien - Schweiz (05.10.2018)
Die Frauen müssen zwei Duelle für sich entscheiden, um sich doch noch für die WM zu qualifizieren.
Die erste Hürde: das Spiel gegen Belgien.
Kurz nach Anpfiff steht es bereits 0:1 für die Belgierinnen – in der 5. Minute schiesst Caymann das erste Tor.
Frühe Freude bei den Gastgebern.
Doch die Frauen der Schweizer Nati lassen sich nicht unterkriegen.
Zur Pause steht es 1:0 für Belgien.
Die Schweizer Spielerinnen müssen nun einen Zahn zulegen.
Nach der Pause geht der Kampf weiter.
Nach einem Eigentor von Davina Philtjens steht es in der 55. Minute 1:1.
Kurz darauf kommt der nächste Treffer der Belgierinnen.
Laura da Neve schiesst zum 2:1 für Belgien.
Die Schweizerinnen kämpfen weiter.
Kurz vor Schluss gelingt Alisha Lehmann der Treffer zum 2:2.
In der 87. Minute versenkt sie den Ball souverän im gegnerischen Tor.
Es bleibt beim Stand von 2:2 – das erste Spiel auf dem Weg zur WM endet mit einem Unentschieden.

Die erste Hürde auf dem Weg zur WM-Qualifikation: das Spiel gegen Belgien.

Keystone

Geteiltes Glück

Die Vorlagen zu Lehmanns Treffern kamen beide von Ramona Bachmann, der 27-jährigen Ausnahmekönnerin aus Malters. So gut, wie Bachmann und Lehmann auf dem Platz harmonieren, so eng sind sie auch daneben miteinander verbunden. In den sozialen Medien geben sich die beiden seit Kurzem als Paar zu erkennen. «Das wissen mittlerweile alle, doch ins Detail gehen möchte ich nicht», sagt Lehmann, die wegen der attraktiven Bilder, die sie mit ihren Fans teilt, vom Boulevard als Instagram-Star bezeichnet wird. «Klar ist, dass mich die Liebe derzeit beflügelt», fügt sie mit einem Lachen an. Dass Bachmann ihr die Tore aufgelegt hat, müsse aber nichts mit ihrer Beziehung zu tun haben, «da war sicher auch Zufall mit im Spiel».

Alisha Lehmann (l.) und Ramona Bachmann teilen ihr Glück auf Instagram.   

Alisha Lehmann (l.) und Ramona Bachmann teilen ihr Glück auf Instagram.   

Probst Martin

Kein Zufall ist, dass Alisha Lehmann die Karriereleiter emporsteigt, das unterstreichen auch die Worte von Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg in der Schweizer TV-Sendung «Morgen sind wir Champions»: «Sie hat eine unheimliche Explosivität, sie gehört zu den schnellsten Spielerinnen in der Schweiz.»

Im Herbst 2017 debütierte Lehmann im Schweizer A-Nationalteam, in der vergangenen Saison traf sie in der NLA 16-mal für die Berner Young Boys und in diesem Sommer ist sie zu West Ham United in die Premiere League gewechselt. «Vor einem Jahr hätte ich das noch nicht für möglich gehalten. Ich dachte aber, dass nun der richtige Moment gekommen ist, um ins Ausland zu gehen und mich weiter zu steigern. Bis jetzt hat sich dieser Entscheid als richtig erwiesen.»

Mühe, den Trainer zu verstehen

In den bisherigen drei Meisterschaftsspielen der Londonerinnen stand Lehmann am rechten Flügel des 4:3:3- Systems in der Startformation, vier Punkte waren die Ausbeute. «Viele sind neu, niemand ist gesetzt, jede muss sich ihren Platz erkämpfen. Ich brauche noch ein paar Spiele, um reinzukommen, schliesslich ist die Gangart doch etwas härter als in der Schweiz.» Auch an die Sprache, die sie ursprünglich nicht sonderlich mochte, musste sich die Handelsschülerin erst gewöhnen. «Zunächst hatte ich etwas Mühe mit dem Londoner Dialekt. Sogar die Irinnen im Team sagten, dass sie Trainer Matt Beard kaum verstehen. Nun klappt es aber immer besser.»

Ob Alisha Lehmann heute Abend gegen Belgien aufgrund ihrer jüngsten Leistung in der Startelf steht und damit einen weiteren Schritt weg von ihrer Jokerrolle macht, weiss die mittlerweile neunfache A-Nationalspielerin noch nicht. «Das teilt uns die Trainerin immer erst am Matchtag in einem persönlichen Gespräch und in der Teambesprechung mit.»

Fussballerisch erfolgreich unterwegs: Alisha Lehmann.   

Fussballerisch erfolgreich unterwegs: Alisha Lehmann.   

KEYSTONE/URS FLUEELER

Klar aber sei, was man im Vergleich zum Spiel in Belgien zu verbessern habe, damit es klappt mit Überschreiten der ersten Hürde: «Defensiv müssen wir in der Mitte kompakter stehen. Im Angriff braucht es derweil mehr Pässe in die Tiefe und eine höhere Präsenz im Strafraum.» Und vielleicht auch wieder das eine oder andere Tor von Senkrechtstarterin Alisha Lehmann.