YuBeljahr
#40 Die Heldengeschichte von Bern

Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiteten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Nun geniessen sie die Champions League.

Pedro Lenz
Pedro Lenz
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Die Szene täuscht: Loris Benito (hinten) bringt Captain Paul Pogba zu Fall. Im Spiel gewann der Favorit aus Manchester zu deutlich mit 3:0.

Die Szene täuscht: Loris Benito (hinten) bringt Captain Paul Pogba zu Fall. Im Spiel gewann der Favorit aus Manchester zu deutlich mit 3:0.

ALESSANDRO DELLA VALLE

Es ist nicht einfach, eine 0:3-Heimniederlage schönzureden. Aber mit Zahlen allein lässt sich im Fussball nie die ganze Wahrheit erzählen. Fussball ist keine Mathematik, Fussball ist Literatur mit den Füssen, und ein 0:3 kann ganz unterschiedliche Geschichten erzählen.

Was die Berner Young Boys in ihrem allerersten Champions-League-Spiel geleistet haben, war heldenhaft. YB startete mutig, angriffig, schnell und respektlos. Die Stars von Manchester United hatten es Goalie De Gea zu verdanken, dass sie nicht schon früh in Rückstand gerieten. Und als Kevin Mbabu dem Weltmeister Paul Pogba resolut entgegentrat und
ihm mit einem beinharten, aber fairen Tackling den Ball entriss, erhielt der YB-Spieler einen Szenenapplaus, wie man es sonst nur aus Stadien auf der britischen Insel kennt.

Über 30'000 Fans im ausverkauften Stade de Suisse trauten ihren Augen kaum, als sie sahen, mit welchem Tempo und welcher Spielfreude die Gelbschwarzen Mal um Mal Richtung De Gea wirbelten. Manch ein Fan begann zu träumen und United-Trainer José Mourinho zappelte aufgeregt an der Seitenlinie.

In diesen emotionalen Flächenbrand hinein legte Paul Pogba einen Löschteppich in Form eines Traumtors. Sein Kunstschuss, der in den Winkel passte, als sei er zuvor von einem Zimmermann vermessen worden, änderte den Verlauf einer Geschichte, die ein Berner Happy-End verdient gehabt hätte. Was folgte, waren ein frei erfundener Handspenalty, ein tapferes Aufbäumen der Young Boys und der Todesstoss von Martial zu einem Zeitpunkt, als YB hinten ein wenig öffnen musste.

War das nun eine schlimme Niederlage? Mitnichten! Das 0:3 vom Mittwochabend ist aus Berner Sicht ein klassisches Drama, in welchem die tragischen Helden geschlagen, emotional verwundet, körperlich ausgelaugt, aber erhobenen Hauptes vom Feld zogen. Jeder von ihnen kann in den Spiegel schauen und sagen: «Freunde! Wenn wir so weitermachen, kommt es gut, vielleicht sogar schon bald, zum Beispiel in Turin.»