Vom 3:0 zum 3:3! Remo Freuler, Granit Xhaka und Breel Embolo hatten die Schweiz vermeintlich auf die Siegesstrasse geschossen. Aber nur vermeintlich.

Die Schweizer spielten 45 Minuten lang sehr gut. Sie waren danach bis zur 80. Minute ordentlich. Vor allem aber führten sie bis zur 84. Minute 3:0. Doch statt dem Traumstart in die EM-Kampagne müssen sie nun einen schweren Tiefschlag verdauen. Ein Blackout von knapp zehn Minuten brachte sie um zwei Punkte. Verteidiger Zanka (84.), der eingewechselte Christian Gytkjär (88.) sowie Henrik Dalsgaard (93.) schafften tatsächlich noch den Ausgleich für die Dänen.

Beim 3:3 kam Yann Sommer aus dem Tor aber nicht an den Ball und begünstigte somit den Ausgleich. Ausgerechnet Sommer, der sonst so sichere Rückhalt der Schweizer, der in den Minuten zuvor den Ausgleichstreffer bei einem Freistoss von Christian Eriksen und einem Kopfball von Zanka noch verhindert hatte.

Ein solches Ende hatten die Schweizer vor rund fünfeinhalb Jahren schon einmal erlebt. In der WM-Qualifikation 2014 verspielten sie unter Ottmar Hitzfeld im Heimspiel gegen Island einen 4:1-Vorteil in der Schlussphase. Damals konnten sie auf die Enttäuschung wenige Tage später mit einem 2:0-Sieg in Norwegen reagieren. Diesmal bleibt der Schmerz länger bestehen. Das nächste Länderspiel steht am 5. Juni an. Es ist der Halbfinal in der Nations League gegen Europameister Portugal.

Am Ende bleibt die Enttäuschung über zwei verlorene Punkte, aber von den Resultaten her doch ein solider Start in die EM-Qualifikation. Ein Pflichtsieg gegen Georgien, ein Remis gegen Mitfavorit Dänemark: Im Kampf um die zwei Qualifikationsplätze ist das eine so schlechte Basis nicht.

Doch bleiben wegen der Schlussphase halt doch auch gemischte Gefühle zurück. Wieder schafften es die Schweizer nicht, eine gute Leistung über 90 Minuten zu zeigen. War es in der jüngeren Vergangenheit jeweils die schwierige Startphase, die zu reden gab, war es diesmal der Absturz in den Schlussminuten. Sie machten das gute Bild zunichte, das die Schweizer in den ersten mehr als 75 Minuten abgegeben haben.

Für dieses Spitzenspiel der Gruppe D änderte Petkovic seine Mannschaft auf drei Positionen. Nico Elvedi ersetzte den nach einer Hirnerschütterung geschonten Fabian Schär. Kevin Mbabu spielte auf der rechten Seite aufgrund taktischer Überlegungen für Captain Stephan Lichtsteiner, und Albian Ajeti wurde dem in Georgien enttäuschenden Mario Gavranovic vorgezogen. Vor allem aber spielte die Schweiz diesmal von Beginn weg mit einer Dreierabwehr. Das hat sie bisher erst einmal getan, im letzten Oktober in der Nations League auswärts gegen Belgien.

Die Veränderungen hatten offensichtlich einen positiven Effekt. Die Schweiz war diesmal von Beginn weg im Spiel. Ja, sie dominierte das Geschehen vor der Pause sogar bald einmal nach Belieben. Sie war in der Rückwärtsbewegung kompakt und in einem 5-3-2 gruppiert und liess in der Vorwärtsbewegung Ball und Gegner ohne Mühe laufen. Granit Xhaka war der grosse Stratege und Patron in der Mitte, vor allem er steigerte sich im Vergleich zum Spiel in Georgien deutlich.

Das Spiel der Schweizer war kein Feuerwerk und kein Spektakel, aber es zeugte von Reife und Souveränität. Es gab nicht viele gute Chancen, und doch mündete die Dominanz bald in die verdiente Führung. In der 19. Minute wurde ein Schuss von Ricardo Rodriguez von Ajeti gestoppt, dann gelangte der Ball zu Remo Freuler, der aus acht Metern mühelos einschiessen konnte. Es war das erste Tor des Atalanta-Professionals im 16. Länderspiel.

Allerdings stand den Schweizern auch das Glück (und Schiedsrichter Skomina) zur Seite. Beim 1:0 hatte Ajeti den Ball mit dem Arm berührt, und kurz nach der Pause annullierte der Referee einen Treffer von Yussuf Poulsen wegen Offside. Der Entscheid war knapp, Steven Zuber hat das Offside womöglich aufgehoben.

Die Schweizer erlangten die Dominanz der ersten Halbzeit nach der Pause nicht wieder, und doch erhöhten sie innerhalb von zehn Minuten und bis zur 76. Minute auf 3:0. Zunächst drosch Xhaka den Ball aus rund 18 Metern mit rechts unter die Latte. Der Schuss war scharf, aber nicht sehr platziert und deshalb für Dänemarks Torhüter Kasper Schmeichel wohl nicht unhaltbar. Spätestens beim dritten Treffer durch Breel Embolo war die Schuldfrage dann klar: Schmeichel lenkte den Ball mit dem Fuss ins eigene Tor.

Dass dieses Tor die Entscheidung sein würde, dachten nicht nur die Fans. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass Petkovic seinen Leithammel Xhaka unmittelbar nach dem 3:0 auswechselte. Mit dem Captain gingen auch die Ordnung verloren - und mit ihr Tor um Tor der Vorsprung und am Ende auch noch zwei Punkte.

Schweiz - Dänemark 3:3 (1:0)

St.-Jakob-Park. - 18'352 Zuschauer. - SR Skomina (SLO). - Tore: 19. Freuler (Ajeti) 1:0. 66. Xhaka (Zuber) 2:0. 76. Embolo (Akanji) 3:0. 84. Zanka (Eriksen) 3:1. 88. Gytkjaer (Poulsen) 3:2. 93. Dalsgaard 3:3.

Schweiz: Sommer; Elvedi, Akanji, Rodriguez (46. Benito); Xhaka (79. Sow); Mbabu, Zakaria, Freuler, Zuber; Embolo, Ajeti (71. Mehmedi).

Dänemark: Schmeichel; Dalsgaard, Kjaer, Zanka, Stryger Larsen; Schöne (70. Höjbjerg), Delaney; Poulsen, Eriksen, Braithwaite; Jörgensen (70. Gytkjaer).

Bemerkungen: Schweiz ohne Edimilson Fernandes, Seferovic, Shaqiri (alle verletzt) und Schär (rekonvaleszent). 49. Tor von Poulsen wegen Offside aberkannt. Verwarnungen: 38. Jörgensen (Foul). 59. Zakaria (Foul). 91. Akanji (Foul). 94. Embolo (Unsportlichkeit).

Weiteres Resultat der Gruppe D: Irland - Georgien 1:0 (1:0).

Rangliste: 1. Irland 2/6 (2:0). 2. Schweiz 2/4 (5:3). 3. Dänemark 1/1 (3:3). 4. Gibraltar 1/0 (0:1). 5. Georgien 2/0 (0:3).