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Zidane, Pochettino, ten Hag: Wer soll das krisengeschüttelte Manchester United übernehmen?

Nach zuletzt enttäuschenden Wochen ist Ole Gunnar Solskjær bei Manchester United Geschichte. Die Suche nach seinem Nachfolger gestaltet sich jedoch als anspruchsvolles Unterfangen. Denn der Druck ist gross: Nach Jahren der Erfolglosigkeit muss United endlich den richtigen Trainer finden.

Pascal Kuba
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Ole Gunnar Solskjær verlor nach dem 1:4 gegen Watford am Samstag seinen Job als Trainer von Manchester United.

Ole Gunnar Solskjær verlor nach dem 1:4 gegen Watford am Samstag seinen Job als Trainer von Manchester United.

AP

Am Samstagnachmittag schritt Ole Gunnar Solskjær zum letzten Mal zu den United-Anhängern auf der Tribüne. Das Spiel auswärts gegen Abstiegskandidat Watford endete gerade mit 1:4. Begleitet von einigen Spielern hob er entschuldigend die Hände. Während der Pressekonferenz nach dem Spiel wirkte er sichtlich niedergeschlagen. Wohl wissend, dass dies sein letztes Spiel als Übungsleiter des englischen Rekordmeisters gewesen sein dürfte.

Einen Tag später gibt es Gewissheit: Die Romanze zwischen Klub-Legende Solskjær und Manchester United ist vorbei. In einer Mittelung des Klubs am Sonntag hiess es, er sei zurückgetreten. Unter Tränen verabschiedete er sich via Social Media bei den Fans. Es sind Zeichen des Respekts gegenüber einer Figur, die als Jünger von Sir Alex Ferguson gilt und den Verein seit 2018 trainierte.

Wer übernimmt die «Red Devils»?

Für den Norweger springt Assistenztrainer Michael Carrick interimsweise ein, eine andere Klub-Legende. In England spekuliert man seit gestern wild um den nächsten Auserwählten, der Man United zurück zum Ruhm alter Tage führen soll. Topkandidat sei Mauricio Pochettino, Ajax-Coach Erik ten Hag zweite Wahl. Beide wären sicherlich eine gute Wahl, stehen United aber erst im Sommer zur Verfügung. Vor allem Pochettino soll interessiert an der Stelle sein, da er mit der Kultur bei PSG nicht zufrieden sei.

Des Weiteren soll der Klub an Brendan Rodgers von Ligakonkurrent Leicester interessiert sein, Superagent Jorge Mendes soll den bei Sevilla engagierten Julen Lopetegui ins Gespräch gebracht haben. Zinédine Zidane hingegen habe bereits abgesagt. Seine nächste Station soll die französische Nationalmannschaft sein.

Mauricio Pochettino (links) und Erik ten Hag (rechts) sollen zu oberst auf Uniteds Liste stehen.

Mauricio Pochettino (links) und Erik ten Hag (rechts) sollen zu oberst auf Uniteds Liste stehen.

EPA

Bei all den Zukunftsplanungen sticht jedoch einmal mehr die Planlosigkeit der Führung heraus. Es wirkt, als ginge man unvorbereitet auf die Suche nach einem Nachfolger für Solskjær. Das 0:5-Debakel gegen Liverpool und ein weiterer desolater Auftritt im Stadtderby gegen City reichten den Bossen offenbar nicht, um sich mit dem Thema des Trainerwechsels zu befassen. Antonio Conte, immerhin Meister mit Chelsea und letzte Saison mit Inter, wurde vor wenigen Wochen von Tottenham verpflichtet.

Es stellt sich also die Frage, ob man bei Manchester United die laufende Saison bereits abgeschrieben hat. Die schillernden Namen scheinen erst im Sommer verpflichtet werden zu können. Dabei dauert die Saison noch lange genug, um zumindest Schadensbegrenzung betreiben zu können. Das wäre im Falle Uniteds die Qualifikation für die Champions League und ein möglichst weiter Lauf in eben diesem Bewerb.

Schwierige Aufgaben für Carrick

Den noch unerfahrenen Michael Carrick erwartet in den nächsten Wochen ein Monsterprogramm. Spiele gegen Chelsea und Arsenal stehen im Kalender genauso wie die wichtigen Champions-League-Partien gegen Villarreal und YB (8. Dezember, 20:45 Uhr), wo es um den Einzug in die K.o.-Phase geht. Planmässig soll der einstige Mittelfeldspieler bis Ende Jahr übernehmen, doch mangels Alternativen könnte eine Anstellung bis Ende Saison Realität werden. Geschäftsführer Ed Woodward, der ebenfalls seinen Posten per Ende Jahr hätte räumen wollen, verlängert scheinbar seine Amtszeit notgedrungen um einige Wochen.

Als Spieler gewann Carrick (rechts) mit United jeden erdenklichen Titel. Nun ist er Interimscoach der «Red Devils».

Als Spieler gewann Carrick (rechts) mit United jeden erdenklichen Titel. Nun ist er Interimscoach der «Red Devils».

AP

Sicher ist, dass der Klub aus Nordengland dringendst einen Trainer braucht, der den Klub im Meisterrennen aus der Bedeutungslosigkeit lotsen kann. Das Experiment David Moyes als Nachfolger von Ferguson scheiterte fulminant. «General» Louis van Gaal und Star-Coach José Mourinho waren ebenfalls nicht in der Lage, einen Umbruch einzuleiten. Solskjær brachte viel Mentalität, aber nicht die benötigte taktische Genialität mit, um die «Red Devils» zum Titelaspiranten zu formen.

Am Wochenende reichte Watford-Coach Claudio Ranieri ein einfaches Pressing, um United Schachmatt zu stellen. Gefragt ist nun ein Taktikfuchs, der der Mannschaft Identität einhauchen kann und den traditionellen und von den Fans geforderten Offensivfussball spielen lässt. Wie schnell eine solche Transformation gehen kann, hat Thomas Tuchel letztes Jahr bei Chelsea gezeigt, als er nach einem halben Jahr im Amt prompt die Champions League gewann. Das Kader ist allemal ausreichend, um United zurück auf den Olymp zu führen. Die Entscheidung, wem diese Aufgabe anvertraut wird, sollte deswegen mit viel Bedacht gefällt werden.

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