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Shaqiri in Chicago offiziell vorgestellt: «Nur alternde Stars? Das ist Geschichte! Man darf die MLS nicht unterschätzen»

Eine Woche vor dem Saisonstart in der Major League Soccer erklärt Xherdan Shaqiri seinen Wechsel von Lyon zu Chicago Fire. Und verspricht, dass die Schweizer Nationalmannschaft sich keine Sorgen machen müsse.

Etienne Wuillemin
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Die neuen Farben von Xherdan Shaqiri: Am nächsten Sonntag spielt der 30-Jährige erstmals für Chicago Fire.

Die neuen Farben von Xherdan Shaqiri: Am nächsten Sonntag spielt der 30-Jährige erstmals für Chicago Fire.

Georgios Kefalas/ Keystone

Am nächsten Wochenende beginnt in den USA die neue Saison in der Major League Soccer. Mit dabei: Xherdan Shaqiri. Am Montag wurde er nach seinem Wechsel von Lyon zu Chicago Fire von seinem neuen Klub offiziell vorgestellt. «Ich bin auf dem Höhepunkt meines Könnens und will mithelfen, die glorreichen Zeiten nach Chicago zurückzubringen.» Der letzte und einzige Titel datiert von 1998.

Am Morgen hat Chicago Fire ein kurzes Video veröffentlicht, das zeigt, wie Shaqiri bei seiner Ankunft von einer Handvoll Fans mit Trommeln und Rufen empfangen wird. Es ist ein herzliches Hallo trotz eisiger Kälte. Shaqiri sagt: «Ich haben von überall nur Gutes über die Stadt gehört, ich freue mich riesig, hier zu sein.»

Nun sitzt Shaqiri im Medienraum seines neuen Vereins auf einem Podest, neben ihm Georg Heitz, Sportdirektor von Chicago Fire und massgeblich dafür verantwortlich, dass Shaqiri nun mit 30 in den USA spielt. Zunächst sprechen die beiden mit den amerikanischen Journalisten. Als dieser erste Teil erledigt ist, nehmen sie sich Zeit für ein paar virtuelle Fragen aus der Schweiz - zumindest ist das der Plan, bevor nach wenigen Minuten die Leitung zusammenbricht.

Zuerst die Zweifel, dann nach zwei Wochen das Interesse

Als die Leitung noch steht, erzählt Heitz, wie der Transfer von Shaqiri zustande kam. Das erste Telefonat fand im Dezember statt. «Zuerst habe ich ein Zögern bemerkt. Aber danach habe ich rasch gemerkt, dass da eine Begeisterung zu wecken wäre. Zwei Wochen später war dann das Interesse spürbar.» So sagt das Heitz. Und ergänzt später am Telefon gegenüber CH Media: «Es ist nichts als logisch, dass man sich aus Europa zunächst einmal eingehend mit der Liga beschäftigen möchte. Aber ich versichere Ihnen: die MLS ist toll. Sie wird immer besser. Und auch die Stars werden immer jünger.» Zudem könne Shaqiri in Chicago – im Gegensatz zu den letzten Jahren – ein nahezu unbehelligtes Leben führen.

Auch Shaqiri selbst betont: «Die Klubs holen nicht mehr wie früher 35- oder 36-Jährige. Man darf die Liga nicht unterschätzen, viele Leute in Europa tun das aber noch immer.» Entscheidend sei für ihn gewesen, zu merken, dass immer mehr Topspieler in der Blüte der Karriere in die USA wechseln. Das jüngste Beispiel: Lorenzo Insigne wechselt nach dieser Saison von Napoli zu Toronto.

Das erste Ziel: die Playoffs

Im Sommer erst hatte Shaqiri von Liverpool zu Lyon gewechselt. In der Hoffnung, endlich mehr Spielzeit zu erhalten. Doch der erhoffte Aufschwung blieb aus, es wurde ein nächstes Missverständnis. Shaqiri spielte wenig, und wenn, dann wurde er von Trainer Peter Bosz am Flügel anstatt im Zentrum aufgestellt. Sein Fazit: «Ich wollte unbedingt weg aus Lyon.» Diesen einen Satz an Direktheit erlaubt sich Shaqiri. Ehe er anfügt: «Mehr möchte ich zu meinem Abgang aus Lyon nicht sagen. Schliesslich habe ich hier in Chicago grosse Ziele.»

Zunächst einmal gilt es, die Playoffs zu erreichen. Das ist nicht unmöglich, aber bei weitem auch nicht selbstverständlich. 28 Teams spielen in der MLS, aufgeteilt in Ost- und Westgruppe. Unter den besten sieben der «Eastern Conference» muss Chicago am Ende der Regular Season klassiert sein, um die Playoffs zu erreichen. Letztmals gelang das 2017, als Bastian Schweinsteiger noch in Chicago spielte.

Was bedeutet Shaqiris Wechsel für die Nationalmannschaft?

Im letzten Herbst hat Xherdan Shaqiri, wenige Wochen nach seinem 30. Geburtstag, sein 100. Länderspiel für die Schweiz bestritten. Es war das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien (4:0). Es war ein nächster glanzvoller Auftritt von Shaqiri, der nach einer tollen EM die Nati nun auch an die WM 2022 nach Katar führte.

Eine herzliche Umarmung nach der vollbrachten WM-Qualifikation. Xherdan Shaqiri und Nati-Trainer Murat Yakin.

Eine herzliche Umarmung nach der vollbrachten WM-Qualifikation. Xherdan Shaqiri und Nati-Trainer Murat Yakin.

Martin Meienberger / freshfocus

Die Frage lautet nun: Was bedeutet Shaqiris Transfer von Lyon nach Chicago für die Nati? Die Leitung nach Übersee ist plötzlich tot – aber auch Shaqiri greift nochmals zum Telefonhörer und versichert uns: «Für die Nati bedeutet dieser Wechsel gar nichts! Ich sehe keinen Grund, warum sich etwas ändert. Ich freue mich weiter auf jedes Aufgebot und darauf, mit der Nati weitere Meilensteine zu erreichen.»

Dann muss er gehen. Das Abenteuer Chicago hat begonnen. Das erste Spiel der neuen Saison folgt schon bald: Am kommenden Sonntag trifft Chicago auswärts auf Inter Miami.

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