Fussball
Lia Wälti fehlt wegen verrückten Corona-Regel: Frauen-Nati spielt ohne Kopf des Teams gegen Frankreich

Das Frauen-Nationalteam muss im Testspiel gegen Frankreich auf vier England-Söldnerinnen verzichten. Auch auf Kapitänin Lia Wälti.

Raphael Gutzwiller
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Die Kapitänin fehlt gegen Frankreich: Lia Wälti.

Die Kapitänin fehlt gegen Frankreich: Lia Wälti.

Bild: Walter Bieri/Keystone (Schaffhausen, 12. November 2021)

Das hatten sich die Schweizerinnen anders vorgestellt. Die Länderspiele im März hätten als Vorbereitung auf das wahrscheinliche Playoff-Spiel auf dem Weg zur Europameisterschaft in Turnierform stattfinden sollen. Die Schweizer Frauennati hätte gegen Island, Frankreich und Norwegen getestet und sich damit den perfekten Feinschliff holen sollen. Doch die Nordstaaten sagten ihre Teilnahme kurzfristig ab.

Übrig geblieben sind zwei Testpartien gegen Frankreich, heute und am Dienstag, jeweils um 21.10 Uhr. Doch weil unsere Nachbarn die Einreisebestimmungen angepasst haben, fehlen der Schweiz alle Spielerinnen, die in England tätig sind: Alisha Lehmann von Everton und das Arsenal-Trio Noëlle Maritz, Malin Gut und Lia Wälti.

Trainierte zwar mit, darf aber nicht spielen: Lia Wälti.

Trainierte zwar mit, darf aber nicht spielen: Lia Wälti.

Bild: Ennio Leanza/Keystone (Kloten, 17. Februar 2021)

Die Wichtigkeit der Leaderin

Wieder also ohne die wichtige Kapitänin. Als das Schweizer Team Anfang Dezember gegen Belgien gleich mit 0:4 unterging und damit die direkte und vorzeitige EM-Qualifikation verpasste, hatte Wälti zwar begonnen, musste aber nach 40 Minuten verletzt raus. Ohne sie brach das Team erschreckend ein.

Spätestens da wurde ihre Rolle im Team augenscheinlich. Die 27-jährige Langnauerin ist die Leaderin. Als zentrale Mittelfeldspielerin ist sie Dreh- und Angelpunkt, bestimmt das Tempo und organisiert das Team. Sie nimmt jene Rolle ein, die Granit Xhaka im Nationalteam der Männer hat.

Dass sie und die anderen drei Spielerinnen aus der Premier League gegen Frankreich fehlen, ist kein Beinbruch. Es handelt sich schliesslich lediglich um Tests. Doch ein Rückschlag ist es allemal. Für die Schweizer Nati geht es darum, die Form zu finden für die voraussichtliche Barrage. Die wird dann nötig, wenn die Schweiz durch Nachtragspiele der EM-Qualifikation nicht noch wider Erwarten zu den drei bestklassierten Zweitplatzierten avancieren würde.

Nielsen: «Ein guter Test für die Defensive»

Bleibt positiv: Nationaltrainer Nils Nielsen.

Bleibt positiv: Nationaltrainer Nils Nielsen.

Bild: Ennio Leanza/Keystone (Kloten, 17. Februar 2021)

Gegen die schon qualifizierten Französinnen müssen ohne Wälti andere in die Bresche springen. Nationaltrainer Nils Nielsen sagt: «Wir haben nicht viele Leaderinnen im Team. In diesen Partien müssen nun andere Spielerinnen Verantwortung übernehmen.» Der Nationaltrainer gibt zu, dass er sich gefragt habe, ob die Spiele überhaupt Sinn machten. Doch er sagt: «Es ist ein guter Test für unsere Defensive.»

Vorbei, bevor es begonnen hat

Für Wälti ist schon vor dem ersten Spiel der Nati-Zusammenzug wieder vorbei. Fünf Tage Training standen in Zürich auf dem Programm. Für die England-Spielerinnen, die sich in ihrer Bubble befinden müssen, geht es zurück auf die Insel. Ein Besuch bei der Familie liegt nicht drin. Wälti, die selten ein Blatt vor den Mund nimmt, räumt ein, dass es mit der Motivation derzeit so eine Sache sei: «Mir fehlt der Ausgleich neben dem Fussball.»

Die Stimmung bleibt positiv: Ramona Bachmann lacht.

Die Stimmung bleibt positiv: Ramona Bachmann lacht.

Bild: Ennio Leanza/Keystone (Kloten, 17. Februar 2021)

Doch fussballerisch will sie nicht klagen. Die Trainingswoche in der Schweiz habe etwas gebracht. «Es ist keine optimale Situation. Aber wir haben gute Erkenntnisse im taktischen Bereich erhalten, mit dem Fokus auf die Defensivarbeit und das Aufbauspiel», sagt Wälti. Dass sie und die anderen England-Söldnerinnen fehlen, sieht sie auch als Chance für die Teamkolleginnen: «Das kann dazu führen, dass andere Spielerinnen die Lücken nutzen können. Sie können nun eher Verantwortung übernehmen, als wenn wir mit dabei wären.»

Auch Nils Nielsen bleibt positiv: «Was ist, wenn wir in den Playoffs auch auf die Spielerinnen aus England verzichten müssen? Niemand weiss, wie es dann aussieht. Darum müssen wir flexibel sein und die Herausforderung annehmen.»