EM-Qualifikation
«Ich glaube nicht, dass wir ein mentales Problem haben»: Warum die Zeit der Enttäuschungen für die Frauen-Nati vorbei ist

Die Schweizer Fussballerinnen treffen in der EM-Barrage auf Tschechien. Vor dem Hinspiel am Freitag erklären Trainer Nils Nielsen und Stürmerin Ana Maria Crnogorcevic, wieso sie diesmal in einem wichtigen Spiel nicht versagen.

Etienne Wuillemin
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«Noch nie in meiner Amtszeit waren so viele Spielerinnen so gut in ihren Vereinen.» Sagt Nationaltrainer Nils Nielsen.

«Noch nie in meiner Amtszeit waren so viele Spielerinnen so gut in ihren Vereinen.» Sagt Nationaltrainer Nils Nielsen.

Keystone

Die Zeit der Entscheidung naht. Die Schweizer Fussballerinnen kämpfen gegen Tschechien in der Barrage um die Qualifikation für die EM 2022. Am ­Freitag um 16 Uhr steigt in ­Chomutow das Hinspiel. Am Dienstag um 20 Uhr in Thun das Rückspiel (beide live auf SRF2).

Gestern Mittwoch ist die Schweizer Delegation nach Tschechien geflogen. Mit an Board: Viel gute Laune. «In meiner Zeit als Schweizer Nationaltrainer gab es noch nie eine ­Periode, wo so viele Spielerinnen in ihren Vereinen so gute Leistungen gezeigt haben», sagt Nils Nielsen. Seine Zuversicht, die Barrage zu überstehen ist darum gross. Nielsen:

«Wir sind Favorit, das können und wollen wir nicht verneinen. Trotzdem: Wer denkt, die Tschechinnen können nicht Fussball spielen, macht einen grossen Fehler. Sie haben in den letzten vier Jahren riesige Fortschritte gemacht.»

Dieses Denken bestätigt auch der Blick auf die Weltrangliste. Allzu gross ist der Unterschied nicht (Rang 19 und Rang 27). Entgegenkommen dürfte den Schweizerinnen aber, dass ihre Gegnerinnen das Glück nicht ausschliesslich in der Defensive suchen, sondern durchaus versuchen werden, mitzuspielen.

Stürmerin Ana Maria Crnogorcevic: «Das ist unerklärlich»

Zuversichtlich, dass die Enttäuschungen verarbeitet sind: Ana Maria Crnogorcevic.

Zuversichtlich, dass die Enttäuschungen verarbeitet sind: Ana Maria Crnogorcevic.

Keystone

Ganz ungetrübt sind diese Tage aber doch nicht. Mit Viola Calligaris und Géraldine Reuteler fallen gleich zwei Teamstützen mit Kreuzbandrissen aus. Und auch Rahel Kiwic muss nur wenige Wochen nach ihrem Comeback erneut pausieren.

Die grosse Frage lautet: Ist die Schweiz diesmal dem Druck in einem Entscheidungsspiel gewachsen? Mit dem Ziel kurz vor Augen gab es jüngst mehrere grosse Enttäuschungen. 2018 wurde die sicher geglaubte WM-Qualifikation noch verspielt. Ein Sieg gegen Polen hätte gereicht, stattdessen gab es ein 0:0 – in der Barrage war das favorisierte Holland zu stark.

Im Dezember 2020 folgte die nächste grosse Enttäuschung, die 0:4-Klatsche in Belgien. Ein Punkt hätte gereicht für die direkte EM-Qualifikation. Die Ernüchterung nach dem Belgien-Spiel war gross. «Mittlerweile hat sich der Ärger ein bisschen gelegt – aber es ist lange gegangen», sagt Ana Maria Crnogorcevic. Die Leistung von damals? «Absolut unerklärlich. Es darf nicht sein, dass wir auseinanderfallen, nur weil eine wichtige Spielerin plötzlich fehlt.»

Schmerzhafter Zusammenprall: Lia Wälti musste sich in Belgien auswechseln lassen.

Schmerzhafter Zusammenprall: Lia Wälti musste sich in Belgien auswechseln lassen.

Keystone

Kapitänin Lia Wälti musste sich nach einem Zusammenprall mit einer leichten Hirnerschütterung auswechseln lassen. ­Danach wirkte die Schweiz komplett verloren. Das Fazit von Crnogorcevic:

«Dieser Abend hat uns aufgezeigt, dass uns schon noch einiges fehlt. Wir brauchen mehr Leadership, die Jungen müssen in ihre neuen Rollen reinwachsen. Da bleibt für uns als Team noch einiges zu tun.»

Die Ausgangslage in der Barrage ist ähnlich wie gegen Polen 2018. Die Qualifikation für das grosse Turnier, diesmal die EM 2022, ist Pflicht. Alles andere wäre eine grosse Enttäuschung. Crnogorcevic sagt: «Ich glaube nicht, dass wir ein mentales Problem haben. Das Team hat sich in den letzten zwei Jahren stark verändert. Ich bin überzeugt, dass wir die Hürde Tschechien meistern.» Klar ist: Noch einmal eine Leistung wie in Belgien darf es nicht geben. Sonst folgt die nächste grosse Ernüchterung.