Fussball
«Bundesrat widerspricht sich» – Fussballliga fordert schnellere Öffnungen

Die Swiss Football League will schon ab September keine Einschränkungen mehr bei der Zuschauer-Kapazität.

Raphael Gutzwiller
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Endlich wieder volle Ränge: Das wünschen sich die Fussballfans, wie hier vor der Pandemie im St. Galler Kybunpark.

Endlich wieder volle Ränge: Das wünschen sich die Fussballfans, wie hier vor der Pandemie im St. Galler Kybunpark.

Urs Bucher

Fussballfans müssen weiter auf ihr richtiges Stadionerlebnis warten. Der Bundesrat sieht vor, dass ab Juli 3000, ab September 10'000 Personen in die Stadien dürfen. Der Swiss Football League geht dies jedoch zu wenig schnell. In einem Schreiben an den Bund fordert die Fussballliga, dass es schnellere Öffnungen geben soll.

Die Liga stört sich daran, dass der Entwurf zur Zulassung von Grossveranstaltungen dem 3-Phasen-Modell des Bundes widerspricht. In der 3. Phase dieses Modells, der sogenannten Normalisierungsphase, sind gemäss Ausführungen des Bundesrats starke gesellschaftliche und wirtschaftliche Einschränkungen nicht mehr zu rechtfertigen. Doch auch dann dürfen Stadien nicht voll besetzt werden. «Nach unserem Verständnis sollten die Stadien dann wieder ohne Einschränkungen geöffnet werden können», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. «Es sind keine Ansteckungen bei Besuchern von Fussballspielen im Freien bekannt», sagt Schäfer. Er verweist auch auf durchgehend geöffnete Skigebiete oder die wieder geöffneten Restaurant-Terrassen. Beides sorgte nicht für erhöhte Fallzahlen.

Die Schweiz war zu Beginn die Vorreiterin

Im letzten Herbst war die Situation noch eine ganz andere. Die Schweiz galt für kurze Zeit als Vorreiterin, was Zuschauerkapazitäten in Stadien anging. Im Fussball und im Eishockey war im Oktober eine Auslastung von zwei Dritteln der Sitzplatzkapazität zugelassen. Nach nur einem Heimspiel pro Klub musste der Bund wegen hoher Fallzahlen zurückrudern. Der Respekt vor dem gleichen Szenario ist gross. Dabei ist die Situation nicht vergleichbar, findet Schäfer. «Wir stehen inzwischen an einem völlig anderen Punkt, da wir geimpfte Personen haben.» Einer der Hauptgründe, weshalb die Liga ab August wieder das Stadionerlebnis ohne Einschränkungen möchte – ausser dem Vorweisen eines Attests, das die Besucher als geimpft, genesen oder getestet ausweist, und der Maskenpflicht.

Claudius Schaefer, CEO der Swiss Football League.

Claudius Schaefer, CEO der Swiss Football League.

Anthony Anex / KEYSTONE

Wer den Blick über die Grenzen wagt, bemerkt, dass sich in vielen Ländern Europas einiges getan hat. An der EM werden in allen teilnehmenden Städten Zuschauerkapazitäten von über 20 Prozent garantiert. In München dürfen 14'500 Fans ins Stadion, in Budapest gar 67'000. Auch dürfen in anderen Ligen mehr Fans in die Stadien. So werden zum Beispiel die Stadien in Israel vollständig genutzt, Österreich lässt ab dem 19. Mai wieder 3000 Fans zu. Auch Länder wie Dänemark, Polen, Rumänien oder Russland haben die Stadionpforten wieder geöffnet.

Ein weiterer Kritikpunkt der Liga ist: Statt von der Stadionkapazität geht man von absoluten Zahlen aus. Das heisst: Die 10'000-Grenze gilt in kleineren und grösseren Stadien ähnlich. Die einzige Einschränkung lautet: Der Abstand muss gewährleistet sein.