Die Kappe ist tief ins Gesicht gezogen, der Schal so weit wie möglich nach oben. Viel ist vom Gesicht von Germano Vailati an diesem Mittwochmorgen nicht zu sehen. Genügend aber, um zu sehen, dass er schon glücklicher war.

Der kalte Wind hat mit Sicherheit seinen Anteil an Stimmung und Kleidung. Viel mehr aber dürfte es das Wissen sein, dass er eine seiner raren Möglichkeiten auf Spielpraxis nicht wahrnehmen kann. Denn Vailati, der unbestrittene Cup-Goalie des FC Basel, muss heute zuschauen. Ausgerechnet im Cup-Knaller gegen den FC Zürich, dem allseits in dieser Saison so schmerzlich vermissten Klassiker.

Vacliks Wartezeit

Als der FC Basel zum letzten Mal auf den FC Zürich trifft im Schweizer Cup, ist Vailati ebenfalls zum Zuschauen verdammt. Obwohl er fit ist, erhält Yann Sommer den Vorzug. Zu wichtig ist das Spiel. Es geht um den Cupsieg 2014. Das Double. Heute aber ist die Situation eine andere. Vailati hätte gespielt.

Tomas Vaclik hat vor mehr als 1000 Tagen seinen Vertrag bei Basel unterschrieben.

Tomas Vaclik hat vor mehr als 1000 Tagen seinen Vertrag bei Basel unterschrieben.

Und ist jetzt trotzdem noch weiter vom Posten zwischen den Pfosten entfernt als vor knapp drei Jahren. Er wird auf der Tribüne Platz nehmen müssen und damit erst sein zweites Cupspiel seit eben jenem Final verpassen.

Nicht, weil Cheftrainer Urs Fischer ihm die Aufgabe gegen den FC Zürich nicht zutrauen würde. Sondern weil Vailati zum ungünstigsten Zeitpunkt zuerst verletzt (muskuläre Probleme in der Wade) und dann krank war. Seit Anfang Woche kann er zwar wieder mittrainieren, dennoch kommt das grosse Spiel gegen den FCZ zu früh.

Vailatis Zwangspause bedeutet aber auch, dass es morgen zwischen den Pfosten zu einem Debüt kommen wird. Denn seit Tomas Vaclik vor 1015 Tagen seinen Vertrag beim FC Basel unterschrieben hat, hat der Tscheche noch nie eine Partie im Schweizer Cup absolviert.

Vailati genoss stets den Vorzug, so regelte es Paulo Sousa während seinem Jahr als FCB-Coach, und so regelt es auch Fischer. Die dritte Option, die Fischer hätte, wäre Djordje Nikolic.

Der 19-Jährige kann aber noch keinerlei Einsatzminuten in Ernstkämpfen mit der ersten Mannschaft aufweisen, weshalb der Einsatz Vacliks die logische Konsequenz ist. Auch, weil das Duell gegen den ewigen Konkurrenten aus Zürich zu heiss werden wird für Experimente.

Buas Knie

Das Duell gegen den FCZ hätte auch für einen weiteren Spieler eine Chance werden können, der seit seinem Wechsel im Sommer erst 102 Minuten in der Super League für den FCB hat absolvieren können: Kevin Bua. Aber der Genfer, für den es ein Spiel gegen seinen Ex-Club gewesen wäre, fehlte gestern im Training.

Die bittere Neuigkeit verkündete Fischer dann an der Vorschaupressekonferenz: Bua hat sich am linken Knie verletzt. Wie gravierend seine erneute Blessur ist, ist noch nicht bekannt, dies werden weitere Untersuchungen zeigen. Es ist nach seiner Knie-Operation im Juni 2016 und einem Muskelfaserriss im Herbst die bereits dritte Verletzung in kurzer Zeit.

Delgados Test

Neben den Ausfällen Vailatis und Buas konnte der FCB gestern aber doch auch noch gute Neuigkeiten vermelden: Sowohl Éder Balanta als auch Matías Delgado sind fit. Balanta musste Ende letzte Woche noch separat trainieren, nachdem er sich gegen Lausanne eine Wirbelsäulen-Prellung zugezogen hatte.

Matias Delgado konnte die ganze Woche mittrainieren und kann gegen den FC Zürich spielen.

Matias Delgado konnte die ganze Woche mittrainieren und kann gegen den FC Zürich spielen.

Den Captain schmerzte es am Zeh sowie im Adduktorenbereich. Delgado musste, um sicherzustellen, dass er einsatzbereit ist, am Samstag einen grossen Test absolvieren, bei dem er durchgecheckt wurde.

Oder wie Fischer es sagte. «Er wurde mehr als belastet.» Seit dieser Woche sind Delgado und auch Balanta nun wieder im Rhythmus, absolvierten mehrere Einheiten mit den Teamkollegen und sind dementsprechend bereit, um von Anfang an aufzulaufen.

Wer zum Handkuss kommt im einzige Klassiker der Saison, wurde nicht verraten. Fischer war sich sicher, dass sich jeder Spieler heute aufstellen würde, wenn er könnte. Aber es gibt eben nur Platz für 18 im Kader. Der Rest wird sich die Kappe tief ins Gesicht ziehen, den Schal so weit wie möglich nach oben, und neben Germano Vailati Platz nehmen müssen.