French Open
Novak Djokovic dreht gegen Stefanos Tsitsipas einen 0:2-Satzrückstand und gewinnt zum zweiten Mal die French Open

Novak Djokovic besiegt den Griechen Stefanos Tsitsipas (22) in einem 4:11-Stunden-Epos mit 6:7 (6:8), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 und gewinnt zum zweiten Mal die French Open. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Djokovic auch der wichtigste Tennis-Rekord gehört.

Simon Häring
Drucken
Teilen
Novak Djokovic gewinnt zum zweiten Mal nach 2016 die French Open.

Novak Djokovic gewinnt zum zweiten Mal nach 2016 die French Open.

Ian Langsdon / EPA

Wenn es noch die geringsten Zweifel zur Widerstandskraft von Novak Djokovic gegeben haben sollte, so dürften diese endgültig ausgeräumt sein. Der Serbe hat schon Grand-Slam-Finals gewonnen, in denen er Matchbälle abwehrten musste, doch bei den French Open gelingt ihm etwas, das selbst für den besten Tennisspieler der Gegenwart Neuland ist: zum ersten Mal gewinnt Djokovic einen Grand-Slam-Final, in dem er schon 0:2 Sätze hinten gelegen war und wie der sichere Verlierer aussah.

Nach über vier Stunden setzt sich Novak Djokovic mit 6:7 (6:8), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas (22, ATP 5) durch und gewinnt zum zweiten Mal nach 2016 die French Open. Er ist nun neben den beiden Australiern Rod Laver und Roy Emerson erst der dritte Mann, der jedes der vier Grand-Slam-Turniere mindestens zwei Mal gewinnen konnte. Etwas, das er auch seinen Rivalen, Rafael Nadal und Roger Federer voraus hat, die mit je 20 Grand-Slam-Titeln noch knapp vor Djokovic mit 19 liegen.

Stefanos Tsitsipas sieht lange wie der sichere Sieger aus.

Stefanos Tsitsipas sieht lange wie der sichere Sieger aus.

Michel Euler / AP

Zwei Mal 4:11 Stunden im Einsatz

Tsitsipas hat in diesem Jahr mit grossem Abstand die meisten Siege gefeiert, im Frühling gewann er in Monte Carlo auch erstmals ein Masters-Turnier und in Paris stand er nun wenig überraschend als erster Grieche überhaupt im Final eines Grand-Slam-Turniers. Im ersten Satz machte Tsitsipas einen Breakrückstand wett und wehrte im Tiebreak einen Satzball ab. Im zweiten Durchgang gelangen ihm Breaks zum 1:0 und 5:2. Djokovic wirkt angezählt. Erst fünf Mal hatte er einen 0:2-Satzrückstand noch wett gemacht, noch nie gewann er ein Grand-Slam-Turnier, in dem er zwei Mal mit 0:2 Sätzen ins Hintertreffen geraten war.

In der Freitagnacht hatte Djokovic in einem fesselnden Spiel über 4:11 Stunden Sandkönig Rafael Nadal bezwungen, den 13-fachen Sieger der French Open, der seit diesem Jahr mit einer Statue auf der Anlage verewigt ist. Danach sagte Djokovic, seinen grössten Rivalen in Paris auf Sand zu besiegen, entspreche der Besteigung des Mount Everest. Es sei das beste Spiel, das er je in Frankreichs Hauptstadt bestritten habe. «Eines, das ich nie vergessen werde», wie er sagte. Doch es war eben erst der Halbfinal.

Djokovic ist erst der dritte Mann, der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens zwei Mal den Titel gewonnen hat.

Djokovic ist erst der dritte Mann, der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens zwei Mal den Titel gewonnen hat.

Christophe Ena / AP

Erstmals gewinnt der Nadal-Bezwinger die French Open

Novak Djokovic ist neben Robin Söderling 2009 der einzige Spieler, der Nadal in dessen Reich bezwingen konnte. Nach dem Viertelfinal-Erfolg 2015 und dem Halbfinal-Epos in diesem Jahr ist er der einzige, dem dies in Paris zwei Mal gelungen ist. Doch bisher gelang es keinem der Nadal-Bezwinger, in jenem Jahr die Coupe des Mousquetaires in die Höhe zu stemmen: 2009 nutzte Roger Federer die Gunst der Stunde, 2015 war es Stan Wawrinka, der im Final Djokovic keine Chance liess.

Nun schreibt Novak Djokovic die Geschichtsbücher des Tennis einmal mehr neu. Roger Federers bisherige Bestmarke von 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste hat er im Frühling übertroffen. Gewinnt er in vier Wochen zum sechsten Mal in Wimbledon, zieht er mit Rafael Nadal und Roger Federer gleich, die bisher 20. Grand-Slam-Titel gewinnen konnten. Gegen beide hat er eine positive Bilanz: 27:23 gegen Federer, 30:28 gegen Nadal. Novak Djokovic ist der beste Tennis-Spieler der Gegenwart.

Novak Djokovic ist der einzige Spieler, der Sandkönig Rafael Nadal bei den French Open zwei Mal hat bezwingen können.

Novak Djokovic ist der einzige Spieler, der Sandkönig Rafael Nadal bei den French Open zwei Mal hat bezwingen können.

Yoan Valat / EPA

Nicht ausgeschlossen ist, dass Novak Djokovic in diesem Jahr noch etwas gelingt, das es bei den Männern noch gar nie gab: der Triumph bei allen vier Grand-Slam-Turnieren innerhalb eines Jahres – und Einzel-Gold bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der historische Fünfklang, der Golden Slam, ist bisher nur einer Frau gelungen: 1988 der Deutschen Steffi Graf.

Aktuelle Nachrichten