Motorsport
Freestyle-Motocrosser Luc Ackermann vor der Night of the Jumps: «Angst darf man nicht haben»

In der St.Jakobshalle findet am Samstag die Night of the Jumps vor Publikum statt. Mit dabei sind unter anderen auch Luc Ackermann und Lucas Huppert.

Interview: Riccardo Ferraro
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Am Samstag zeigt Luc Ackermann seine atemberaubenden Tricks an der Night of the Jumps in Basel.

Am Samstag zeigt Luc Ackermann seine atemberaubenden Tricks an der Night of the Jumps in Basel.

Bild: zVg/Night of the Jumps

Im Freestyle-Motocross ist der Deutsche Luc Ackermann einer der Besten. Der 23-Jährige ist FIM-Welt- und Europameister und gewann an den X-Games schon eine Goldmedaille. Zusätzlich hält der Thüringer neun Weltrekorde. Am Samstag zeigt er an der Night of the Jumps sein Können in Basel.

Was reizt Sie an der Night of the Jumps?

Luc Ackermann: Die Night of the Jumps ist etwas ganz Spezielles für mich. Mit zwölf Jahren habe ich dort als Jüngster einen Motorrad-Backflip vor 12'000 Leuten gesprungen. Ich bin dort FIM-Europameister und FIM-Weltmeister geworden und habe auch meinen ersten Contest Double Backflip gemacht. Es fühlt sich an, als würde ich die Night of the Jumps schon mein ganzes Leben fahren. Hier fahren einige der besten FMX-Sportler der Welt und messen sich im Contest. Das ist genau mein Ding.

Was macht diesen Sport für Sie so einzigartig?

Es ist das Gefühl von Freiheit, die man zwei bis drei Sekunden, vom Absprung bis zur Landung, hat. Das fand ich schon immer faszinierend. Diese Freiheit kombiniert mit den Tricks, bei denen man die Grenzen des Möglichen austestet, ist ein grosser Adrenalinschub. Und zudem liebe ich das Motorradfahren.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, auf das Mountainbike umzusteigen?

Ich fahre viel Fahrrad, um fit zu sein, und habe auch einen Sponsor in diesem Bereich. Das macht auch viel Spass, aber auf dem Motorrad kann ich Tricks machen, die nur wenige auf der Welt können. Ich will den FMX-Sport weiterentwickeln und noch viel gewinnen.

Ist Angst etwas, das in Ihrem Sport eine Rolle spielt?

Angst darf man nicht haben, sonst ist man nicht fokussiert, und es geht schief. Aber man sollte Respekt vor dem Sport haben. Natürlich kann immer etwas passieren, aber das versuchen wir zu minimieren, indem wir einen neuen Trick erst unzählige Male in die Schnitzelgrube springen. Erst wenn er perfekt sitzt, springen wir ihn auf Dirt.

Was sind Ihre Ziele für die kommende Night of the Jumps am Samstag in Basel?

Ich möchte einen guten Run zeigen, einen krassen Stunt im Best Trick springen und mit Team Deutschland hoffentlich den Sieg holen.

Luc Ackermann

Rekorde

2006: Erster Backflip auf dem Minibike

2010: Jüngster Fahrer, der einen Motorrad-Backflip bei der Night of the Jumps in Köln zeigt

2013: Backflip-Guinness-Buch-Weltrekord bei der Nitro-Circus-Filmpremiere in London

2017: Erster Double Backflip

2019: Erster Double Backflip Train

Socials

Instagram, Facebook, Twitter: @LucAckermann98

Youtube: @LucAckermannFMX

Auch mit dabei an der Night of the Jumps sind dieses Jahr Freestyle-Mountainbiker. Einer davon ist der Schweizer Lucas Huppert. Der 21-jährige Zürcher Unterländer steht in der Weltrangliste auf Platz acht. 2018 wurde er als Red Bull Rookie of the Year ausgezeichnet.

Was reizt Sie an der Night of the Jumps?

Lucas Huppert: Die Night of the Jumps ist eine Mega-Show mit allen möglichen Dingen vom Motocross bis zum Bike. Die Schanzen sind nice und gross. Natürlich ist es auch ein absolutes Highlight, wieder in einem vollen Stadion zu fahren. Wir leben ja dafür, die Zuschauer glücklich zu machen, damit sie aus der Halle gehen und denken: Ja, das war ein cooles Ereignis. Das habe ich definitiv vermisst, und nun freue ich mich darauf.

Wie sind Sie zu Ihrem nicht alltäglichen Sport gekommen?

Ich habe mit etwa acht oder neun Jahren in einem klassischen Cross-Country-Bike-Verein begonnen. Da wurde mir schnell langweilig. Ich wollte jumpen und verrücktere Dinge tun. Im Nachbardorf gab es einen Park mit Schanzen. Dort habe ich damit begonnen, zu fahren. Wir bauten immer grössere Schanzen, und so hat sich das in den letzten elf bis zwölf Jahren entwickelt.

Ist Angst etwas, das in Ihrem Sport vorkommt?

Viele denken, dass wir keine Angst haben, aber ich glaube, dass jeder in der Slopestyle-Szene Angst hat vor gewissen Tricks, die er an Wettkämpfen machen muss. Aber du musst halt das gesunde Mass zwischen Angst und Respekt finden. Ich sage aber ehrlich: Ab und zu habe ich schon Angst. Es ist aber alles überlegt. Man sollte nicht denken, dass wir Stars sind, die nur über grosse Schanzen springen. Da steckt mehr dahinter.

Wie war die Pandemiezeit für Sie? Konnten Sie trainieren und Wettbewerbe fahren?

Ganz ehrlich: Ich durfte den ganzen Lockdown nirgends trainieren, auch wenn ich Profisportler bin. Der Radsportverband will unsere Sportart nicht aufnehmen, und darum durfte ich nie trainieren. Deshalb habe ich den ganzen Winter in Spanien und Frankreich verbracht.

Was sind Ihre Ziele für Samstag?

Ich habe keinen spezifischen Trick, den ich unbedingt ausprobieren möchte. Ich möchte einfach meine besten Tricks zeigen, mein gesamtes Potenzial ausschöpfen und eine Show abliefern. Kommt vorbei, ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Kampf der Nationen an der Night of the Jumps

Facts

In der St.Jakobshalle entsteht für Samstagabend der grösste Freestyle-Motocross- und Mountainbike-Parcours der Schweiz. Es werden unter anderem zwei mobile Landerampen mit über vier Metern Höhe, eine Quarterpipe-Rampe und ein Superkicker für den Double Backflip aufgebaut. Da in diesem Jahr auch die Freestyle-Mountainbiker an der Night of the Jumps teilnehmen, wird für sie ein zehn Meter hoher Mountainbike-Tower sowie ein Superkicker aufgebaut.

Modus

Im Freestyle-Nationen-Contest, der zum ersten Mal stattfindet, fliegen die Fahrer aus Deutschland, Frankreich und Spanien um die Wette. In allen drei Teams sind FIM-Weltmeister vertreten. Im Team Deutschland ist dies Luc Ackermann, bei den Franzosen David Rinaldo und Remi Bizouard, und für Spanien fährt Maikel Melero. Zusätzlich zum Nationen-Contest duellieren sich die Fahrer im Best-Whip-Contest, einem Best-Trick-Contest und in einem Synchro-Wettbewerb. Dieses Mal sind zusätzlich auch Mountainbiker dabei und können Punkte für ihre Teams holen. In dieser Kategorie ist mit Lucas Huppert ein Schweizer vertreten. Das Team, welches am Ende der diversen Contests am meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt die Night of the Jumps.

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