Australian Open
Federer nach dem dramatischen Sieg: «Es ist komisch, gegen Stan gewonnen zu haben»

Roger Federer erreicht am Australian Open mit einem 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3 gegen Landsmann Stan Wawrinka seinen 28. Grand-Slam-Final.

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Die beiden Schweizer beim Handshake: Roger Federer und Stan Wawrinka.

Die beiden Schweizer beim Handshake: Roger Federer und Stan Wawrinka.

EPA

» Hier gibt es den Liveticker zur packenden Partie mit allen wichtigen Ballwechseln zum Nachlesen und -schauen!

Es war keine Tennisgala, welche die beiden Schweizer Stars am Nationalfeiertag «Australia Day» zeigten. Zu Beginn machten beide einen angespannten Eindruck und schienen sich sehr mit der Taktik gegen den so wohlbekannten Gegner und Freund zu beschäftigen.

Federer verschaffte sich als Erster einen temporären Vorteil, konnte beim Stand von 2:1 jedoch drei Breakbälle hintereinander nicht nutzen. Im folgenden Game wehrte er dafür zwei Chancen Wawrinkas ab. Bei 5:6 und 30:30 unterliefen dem Waadtländer dann aber gleich zwei Rückhand-Fehler, die dem Basler den ersten Satz einbrachten.

Im zweiten Durchgang gelang Federer das einzige Break zum 4:2, wieder dank eines untypischen Rückhand-Fehlers der Nummer 4 der Welt. Danach zertrümmerte Wawrinka sein Racket, vor allem aber bewegte er sich nicht mehr gut. Nach dem zweiten Satz liess er sich in der Garderobe pflegen und kehrte danach mit einem Verband unter dem rechten Knie zurück.

Die besten Bilder von der Australian Open 2017:

Rafael Nadal liegt nach fünf Stunden Tennis am Boden. Die Mühe hat sich aber gelohnt. Der Spanier steht im Final.
42 Bilder
Das Final heisst: Roger Federer vs. Rafael Nadal.
Der Bulgare Grigor Dimitrov scheidet aus dem Halbfinal der Australian Open aus.
Ein enttäuschter Stan Wawrinka gratuliert Federer zum Sieg.
Roger Federer gewinnt das Duell gegen Stan Wawrinka und zieht in das Final der Australian Open ein.
Nach Venus Williams qualifiziert sich auch ihre Schwester Serena (im Bild) für das Halbfinal der Australian Open und macht somit das Schwesternduell perfekt.
Rafael Nadal kann es selber noch nicht fassen: Der 30-jähriger Spanier steht im Halbfinal der Australian Open.
Das Tippen mit dem Zeigefinger an die Schläfte ist eine typische Pose Wawrinkas: «Es spielt sich alles im Kopf ab.»
Federer zeigt in der Partie gegen den Deutschen Mischa Zverev Entschlossenheit.
Was sieht er dort? Der 29-jährige Zverev nach der Niederlage gegen Federer.
Einmal rundherum: Federer und sein Schläger.
Nein, es gereicht: Rafael Nadal ist im Viertefinal der Australian Open.
Achtung verdrehter Fuss: Nadals Gegner Gael Monfils ist äusserst beweglich.
Nadal ist zurück: Der verletzungsgeplagte Spanier jubelt, als hätte er das Turnier schon gewonnen.
Auch Federer jubelt ausgelassen nach seinem Sieg über Kei Nishikori.
Nishikori wirft das Handtuch: Der Japaner unterliegt Federer nach fünf Sätzen.
Ein Heiligenschein?
Sie hat die Haare schön: Serena Williams steht im Viertelfinal des Australian Opens.
Andy Murray zeigt die Zähne. Der Brite scheidet gegen den Deutschen Alexander Zverev aus.
Der hohe Materialverschliess von Zverev hat sich gelohnt.
Die Weltranglistenerste Angelique Kerber verliert gegen die Amerikanerin Coco Vandeweghe.
Stan Wawrinka im Match gegen Andreas Seppi.
Tennischläger-Verpackung mit Ansage.
Die Balljungen- und Mädchen trocknen mit vereinten Kräften den Tennisplatz.
Trotz grossem Kampf musste Timea Bacsinszky sich der Australierin Daria Gavrilova mit 6:3, 5:7, 6:4 geschlagen geben.
Milos Raonic während der Partie in der 3. Runde gegen Gilles Simon, die er mit 6:2, 7:6, 3:6, 6:3 gewinnen konnte.
Blick über die Sportanlage bei Sonnenuntergang.
Schattenspiel in Melbourne.
Roger Federer schlägt auf.
Von Federers Verletzung ist nichts mehr zu spüren.
Roger Federer am Return.
Der Maestro spürt den Erwartungsdruck in Melbourne.
Denis Istomins lässt seinen Emotionen freien Lauf nach dem überraschenden Sieg gegen Novak Djokovic.
Auf der anderen Seite des Gefühlsspekrtums: Der gescheiterte Favorit Djokovic.
Hohe Körperspannung: Stan Wawrinka gibt vollen Einsatz.
Wawrinkas Schatten.
«Stan the man» ist hochkonzentriert.
Sogar Ritter gibt es in Melbourne: Zwei Briten unterstützen Andy Murray.
Timea Bacsinszky freut sich über den Punktgewinn.
Belinda Bencic streckt sich, um Serena Williams Schlag zu erwischen.
Stefanie Vögele fixiert den Ball.
Viktorija Golubic schlägt auf.

Rafael Nadal liegt nach fünf Stunden Tennis am Boden. Die Mühe hat sich aber gelohnt. Der Spanier steht im Final.

Keystone

Pause «könnte Wunder bewirken»

Es war dann aber erstaunlicherweise Federer, der den Faden zunächst völlig verlor. «Stan war plötzlich entspannt und hat bei den Returns aggressiver gespielt, während ich schlechter aufgeschlagen habe», sagte Federer. Beim 35-Jährigen passte plötzlich überhaupt nichts mehr zusammen. Vom 1:1 im dritten bis zum 0:1 im vierten verlor er sechs Games in Folge. Zwar holte er dieses Break nochmals auf, doch zum 4:5 gab er seinen Aufschlag ein weiteres Mal ab. Nach knapp zweieinhalb Stunden begann die Partie mit einem fünften Satz praktisch von Neuem.

Diesmal verliess Federer den Platz, um sich vom Physiotherapeuten, der gemäss Federer «magische Hände» habe, an den Adduktoren pflegen zu lassen. Danach schlug er wieder besser – und schneller – auf. Die Entscheidung fiel schliesslich im fünften und sechsten Game des fünften Satzes. Erst vergab Wawrinka eine Breakchance zum 3:2 mit einem weiteren Rückhand-Fehler, anschliessend gab er selber seinen Aufschlag zum 2:4 ab – mit einem Doppelfehler.

Nach 3:04 Stunden liess sich Federer nicht mehr bitten. Mit einem Aufschlagspiel zu null zog er in den Final vom Sonntag ein. Im 22. Duell mit Wawrinka behielt er zum 19. Mal die Oberhand.

Federer hatte Mühe, diesen Sieg direkt nach dem Spiel einzuordnen: «Ich fühle mich komisch, es ist komisch, gegen Stan gewonnen zu haben. Du kannst dich gar nicht richtig freuen am Netz.» Nichtsdestotrotz gab er zu Protokoll, sehr happy zu sein.

Auch happy ist er, dass er vor dem Final zwei Tage Pause hat: «Das könnte Wunder bewirken. So ist es möglich, dass ich topfit in den Final steigen werde». Trotzdem sieht er der Endspielaffiche gespannt entgegen. «Ich werde mich durchkämpfen müssen», meinte Federer, für den es unglaublich sei, dass es möglicherweise zu einem Duell gegen Rafael Nadal kommt.

Rafael Nadal macht in Melbourne ebenfalls einen ganz starken Eindruck.

Rafael Nadal macht in Melbourne ebenfalls einen ganz starken Eindruck.

KEYSTONE/AP/ANDY BROWNBILL

«Ich erinnere mich noch daran, als ich ihn letztes Jahr in seiner Akademie besuchte und wir gegen Junioren spielten und witzelten: ‹Das ist das Einzige, das wir momentan machen können›», sagte Federer. Der Schweizer freut sich schon darauf, das Duell des Mallorquiners gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov, von dem er ebenfalls beeindruckt ist, anschauen zu können. (sda/drd)

Alle Grand-Slam-Begegnungen zwischen Federer und Wawrinka in Bildern:

2015 - US Open - Halbfinal - Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1. Erstmals stehen sich Wawrinka und Federer im Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers gegenüber. Federer hatte zuvor zum siebten Mal in Cincinnati gewonnen, im Final Djokovic bezwungen und diesen mit seinem Halbvolley-Return «Sabr», geschlagen kurz hinter der T-Linie, verunsichert. Der fünffache US-Open-Sieger besiegt Wawrinka und zieht erstmals seit sechs Jahren in den Final ein. «Wenn er so spielt, ist er nur schwer zu schlagen», sagt Wawrinka. Trotzdem gewinnt tags darauf Novak Djokovic.
6 Bilder
2015 - French Open - Viertelfinal - Wawrinka s. Federer 6:4, 6:3, 7:6. Im fünften Anlauf gelingt Wawrinka der erste Sieg gegen Federer auf Grand-Slam-Stufe, der dritte insgesamt, der dritte auf Sand. Zwar hatte er einen Monat zuvor in Rom den Schweizer Halbfinal gegen Federer verloren, dort aber zuvor Rafael Nadal ausgeschaltet. In Paris deklassiert er Federer. «Stan war in allen Belangen besser, ich hoffe, er holt jetzt auch den Titel», sagt der Unterlegene. Er behält Recht: Wawrinka bezwingt im Final den favorisierten Novak Djokovic im «Spiel meines Leben».
2014 - Wimbledon - Viertelfinal - Federer s. Wawrinka 3:6, 7:6, 6:4, 6:4. Wawrinka gewinnt im Januar die Australian Open, und er ist in der Weltrangliste als Nummer 3 direkt vor Federer klassiert. Zudem hat er mit dem Final von Monte Carlo das letzte Duell gewonnen. Aber wegen Regens hatte der Romand vor der «Battle of Switzerland», wie britische Medien martialisch titeln, an drei Tagen hintereinander spielen müssen. Nach dominantem Start schwinden die Kräfte. «Er bewegte sich immer langsamer», beobachtet Federer, der im Final gegen Novak Djokovic verliert.
2011- French Open - Achtelfinal - Federer s. Wawrinka 6:3, 6:2, 7:5. Obwohl er die Nummer 14 der Welt war, geht Stan Wawrinka zum achten Mal im neunten Duell als Verlierer vom Platz. «Ich habe ein Problem mit Federer. Wir haben eine sehr starke Beziehung zueinander. Ich weiss nicht, ob man von einer Blockade sprechen kann, aber auf dem Feld kann ich das nicht einfach zur Seite schieben», sagt Wawrinka danach. Federer besiegt im Halbfinal Novak Djokovic, der zuvor 41 Siege in Folge hatte feiern können. Im Final scheitert er zum vierten Mal an Rafael Nadal.
2011 - Australian Open - Viertelfinal - Federer s. Wawrinka 6:1, 6:3, 6:3. Wieder ist Federer Titelverteidiger. Doch Wawrinka steigt mit der Referenz eines Sieges gegen Roddick ins Duell. In seiner Box sitzt mit dem Schweden Peter Lundgren Rogers ehemaliger Trainer, der sagt: «Stan ist jetzt ein Killer. Vorher war er viel zu sanft, zu nett.» Zu sehen ist davon dann aber kaum etwas. Ich wurde von A bis Z dominiert», sagt Wawrinka. Federer lob den Verlierer trotzdem: «Stan hat das Zeug, ein Major-Turnier zu gewinnen.»Federer unterliegt im Halbfinal Novak Djokovic.
2010 - French Open - Achtelfinal - Federer s. Wawrinka 6:3, 7:6, 6:2. Wawrinka gewinnt im April seinen zweiten Titel auf Sand, jener Unterlage, auf der er im Jahr zuvor den damals frisch verheirateten Federer in Monte Carlo bezwungen hatte. Titelverteidiger Federer hatte im Januar in Melbourne triumphiert. Stan Wawrinka, die Nummer 24 der Welt, und 2003 in Paris Junioren-Sieger, zertrümmert nach verlorenem zweitem Satz sein Racket: «Ich war total frustriert, denn ich hatte das Gefühl, dominiert zu haben.» Federer scheitert in den Viertelfinals an Robin Söderling.

2015 - US Open - Halbfinal - Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1. Erstmals stehen sich Wawrinka und Federer im Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers gegenüber. Federer hatte zuvor zum siebten Mal in Cincinnati gewonnen, im Final Djokovic bezwungen und diesen mit seinem Halbvolley-Return «Sabr», geschlagen kurz hinter der T-Linie, verunsichert. Der fünffache US-Open-Sieger besiegt Wawrinka und zieht erstmals seit sechs Jahren in den Final ein. «Wenn er so spielt, ist er nur schwer zu schlagen», sagt Wawrinka. Trotzdem gewinnt tags darauf Novak Djokovic.

Keystone