Als FCL-Trainer sind Sie zweimal auswärts gegen Zürich und GC angetreten. Wie haben die vier geholten Punkte die Arbeit verändert?

Thomas Häberli: Meine Arbeit ist erleichtert worden. Punkte sind das beste für die Moral und das Vertrauen. Darum ist es schön, dass wir positiv gestartet sind.

Was bedeutet das getankte Selbstvertrauen für den Cup-Viertelfinal gegen YB?

Bei einem Cupspiel ist klar, dass man auf den Platz geht, um zu siegen. Im K.o.-Wettbewerb gibt es kein Unentschieden, sondern einen Sieger. Mit der Einstellung, gewinnen zu wollen, gehen wir in den Match.

Ist der Team-Zusammenhalt in den letzten zwölf Tagen unter Ihnen gestärkt worden?

Ich kann nicht beurteilen, was vor meiner Zeit gewesen ist. Ich kann aber sehen, wie die Mannschaft momentan unterwegs ist, wie die Spieler miteinander umgehen und kommunizieren. Dabei kann ich viel Positives feststellen, die Schwingungen in der Kabine sind gut. Das ist wichtig. Diesen Weg werden wir weitergehen, wir können uns darin noch steigern. Der richtige Umgang und das richtige Handeln in der Mannschaft sind elementar auf und neben dem Platz. Selbstverständlich müssen wird das Zusammenspiel auf dem Spielfeld ebenfalls verbessern.

Auf den langjährigen Verein BSC Young Boys im Cup zu treffen, ist das für Sie etwas Besonderes?

Das ist ein spezielles Cupspiel für mich. Weil ich bei YB noch immer viele Leute kenne, ist es besonders schön, gegen diesen Gegner zu spielen. Ich bin vor zweieinhalb Wochen in Bern auf Besuch gewesen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir uns so schnell wiedersehen.

Trafen Sie beim erwähnten Besuch in Bern auch YB-Trainer Gerardo Seoane?

Wir sahen uns kurz, aber hatten nicht die nötige Zeit, um uns länger auszutauschen.

Was verbindet Sie mit Gerardo Seoane?

Wir kennen uns gut, haben aber nie zusammen Fussball gespielt. Vor ein paar Jahren waren wir sogar einmal zusammen an der Fasnacht. Ich schätze Gerry sehr, mag ihm seinen Erfolg von Herzen gönnen. Diese Erfolge, die er sowohl mit dem FCL wie mit YB erreicht hat, waren wichtig für alle Schweizer Trainer. Er hat einen hervorragenden Weg gemacht. Ich mache jedoch meinen eigenen Weg.

Als Luzerner Trainer werden Sie beim FCL ständig mit dem Vor-Vorgänger Seoane verglichen. Stört Sie das?

Nein, das war klar, wir sind in einem ähnlichen Alter, gehören derselben Generation an. Gerry hatte in seiner Trainerkarriere einen anderen Weg eingeschlagen als ich. Ich konnte nach den Entlassungen von Vladimir Petkovic und von Christian Gross bei YB früh Erfahrungen als Interimstrainer an der Seite von Erminio Piserchia machen, war zudem als Assistenztrainer von Urs Fischer und Raphael Wicky mit Basel in der Champions League dabei. Ich arbeitete in der Vergangenheit nicht fast ausschliesslich im Nachwuchs.

YB ist von der Qualität des Kaders her klar überlegen, das beweisen die 19 Punkte Vorsprung in der Meisterschaft auf das zweitplatzierte Basel. Warum hat der FCL trotzdem eine Chance gegen YB?

Man kann mit einer entsprechenden Leistung jeden Gegner
schlagen – auch YB. Wir müssen 100-prozentig an unsere Siegchance glauben, und zwar bis am Schluss. Wir wissen, dass YB auch in der Nachspielzeit für Tore gut ist. Die Partie könnte ebenso erst in einem Penaltyschiessen entschieden werden. Darum ist es so wichtig, bis zum allerletzten Moment an uns zu glauben.

Warum ist der Cup für Luzern so wichtig?

Im Cup den Pokal in die Höhe zu stemmen, ist bedeutend leichter zu schaffen als in der Liga. Der Weg ist einfacher, darum müssen wir alles dafür tun, um den Halbfinal gegen Thun zu erreichen.

Aus der Profizeit bei YB haben Sie Christian Schneuwly und Christian Schwegler bereits gekannt. Ist es Ihnen leicht gefallen, die beiden jetzt zu trainieren?

Beide sind umgängliche und erfahrene Profis, die wissen, um was es geht. Betonen möchte ich, dass sie die Nominierungen für die Anfangsformation durch ihre Leistungen verdient haben.

Christian Schneuwly war zuvor unter René Weiler in einem Tief.

Ich bin froh, läuft es ihm wieder besser. Christian Schneuwly ist ein wichtiger Spieler, der andere besser machen kann.

In Bern sind Sie eine Kultfigur, ist der Begriff richtig?

Ich weiss es nicht, selber nimmt man das nicht so wahr. Als Spieler macht man seine Sache, zieht sein Ding durch. Schön, wenn die Arbeit gut ankommt.

Wäre Züri-West-Sänger Kuno Lauener böse auf Sie, wenn Luzern YB aus dem Cup wirft?

Ich weiss nicht, wie er reagieren würde. Wir haben kaum Kontakt. Ein Freund gönnt einem Erfolg, egal, ob er Fan des Gegners ist.