Sport

FCB-Präsident Bernhard Burgener spart beim Fussballclub – und verliert als Unternehmer beim Boxen

Bernhard Burgener, Präsident des FC Basel sitzt auf einem wackligen Stuhl. (Archivbild)

Bernhard Burgener, Präsident des FC Basel sitzt auf einem wackligen Stuhl. (Archivbild)

Die Coronakrise beschert dem FC Basel grosse Einbussen. Die finanziellen Reserven sind angeknabbert. Auch der Präsident des Fussballclubs am Rheinknie kämpft derweil mit Geldsorgen

Die Coronakrise verschafft Aufschub. Der Jahresabschluss des FC Basel darf noch etwas auf sich warten lassen. Doch die durchgesickerten Zahlen lassen ein Loch in zweistelliger Millionenhöhe erwarten. Die Reserven der Ära Heusler von anfänglich rund 60 Millionen Franken sind damit mittlerweile um rund zwei Drittel geschmolzen. Auf einen spendablen Präsidenten können die Fans allerdings nicht hoffen. Denn der Hauptaktionär und Medienunternehmer Bernhard Burgener hat schon ohne Corona mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. Dies zeigt eine Analyse des neu publizierten Geschäftsberichts seiner Holdingfirma Highlight Event and Entertainment AG (HLEE).

Auf den ersten Blick ist Burgener mit seiner komplex organisierten Film-, Sport- und Fussballvermarktungsgruppe auf gutem Weg. Nach einer roten Null im Vorjahr weist der Konzern ein konsolidiertes Ergebnis von 18 Millionen Franken aus. ­Dieses beruht jedoch massgeblich auf einer erfolgswirksamen, aber nicht näher beschriebenen «Übertragung von Nutzungsrechten». Es sei jedoch im ­vergangenen Geschäftsjahr «ein echter Fortschritt» erzielt ­worden, lässt Burgener über ­seinen Sprecher Aloys Hirzel ausrichten. Trotz Abschreiber hält Burgener am Boxen fest

Trotz Abschreiber hält Burgener am Boxen fest

Bis zu dem ebenfalls verkündeten «Turnaround» dürfte der Weg allerdings noch weit sein. Ohne Berücksichtigung der Beteiligungen steckt die HLEE mit 27,5 Millionen Franken tief in den roten Zahlen. Dies vor allem, weil Burgener für 30 Millionen Franken Wertberichtigungen vollziehen und auf Forderungen verzichten musste. Den grössten Abschreiber musste Burgener als Boxpromoter der World Boxing Super Series (WBSS) tätigen.

Diese als Champions League des Boxsportes inszenierte Veranstaltung in drei Gewichtskategorien hat in den ersten zwei Jahren der Betriebsfirma Comosa AG einen Verlust von rund 50 Millionen Franken beschert. Im vergangenen Jahr musste Burgener dann Mitaktionäre ablösen, die den Glauben an einen Erfolg verloren hatten. Dafür tauschte er unter anderem ein eigenes Darlehen über 33 Millionen Franken in Aktien ein, die deutlich weniger Wert hatten.

Um die WBSS in eine dritte Runde schicken zu können, verschaffte Burgener der Comosa durch zwei befreundete Investoren frische Mittel von rund 10 Millionen Franken. Damit diese jedoch dem Geschäft zustimmten, musste Burgener den Wert seiner Beteiligung in seinen Geschäftsbüchern wiederum um 10 Millionen Franken abschreiben.

Am Boxgeschäft will Burgener jedoch festhalten. Die Perspektive sei «viel versprechend», und es habe für die Gruppe strategische Bedeutung. Allerdings wolle man aus den Fehlern lernen. Künftig werde sich die Comosa über die TV-Vermarktung zuerst die Einnahmen sicherstellen, bevor die nächsten grossen Ausgaben ­getätigt werden.

Die Champions League sorgt für das Geld

Die Geldbeschaffung bleibt aber eine von Burgeners wichtigsten Aufgaben als Konzernchef und 22-Prozent-Aktionär der börsennotierten HLEE. Schliesslich lasten 72 Millionen Franken an kurzfristigen Schulden auf dem Unternehmen. Vor allem das zu fünf Prozent verzinste Darlehen über 56 Millionen Franken seines Luzerner Geschäftspartners Alexander Studhalter wird im laufenden Jahr zur Rückzahlung fällig. Studhalter, der Bruder des Präsidenten des FC Luzern, war Burgener finanziell zur Seite gesprungen, als dieser nach einem gewonnenen Machtkampf seinen deutschen Kontrahenten Dieter Hahn auszahlen musste. Studhalter ist mit gut 28 Prozent auch der grösste Einzelaktionär der HLEE. Mit einer Verzinsung von lediglich 2,5 Prozent gibt sich die Schwyzer Unternehmerfamilie Elsener (Victorinox) zufrieden. Aber auch ihren Kredit über 16,5 Millionen Franken hat Burgener dieses Jahr ­abzulösen, sofern er nicht verlängert wird.

Die Schuldenlast ist trotz Burgeners Erfolgsmeldung nicht kleiner geworden. Allerdings hat er neu vor allem aus internen Geldquellen ­geschöpft. Gut 30 Millionen Franken transferierte er von den Tochtergesellschaften zur Mutterfirma. Die grösste Last trägt mit rund 20 Millionen Franken die Highlight Communications AG (HLC). Unter deren Dach laufen die meisten operativen Tätigkeiten, wobei das Filmgeschäft (Constantin Film) den grössten Umsatz macht und schwarze Zahlen schreibt. Weiterhin mit 10 Millionen Franken in den Miesen ist dafür der deutsche TV-Sender Sport 1. Die Ertragsperle mit einem Gewinn von knapp 30 Millionen Franken ist jedoch die Champions-­League-Vermarkterin Team. Von dieser stammen denn auch die Mittel für die HLEE-Holding.

Die Scheinwerfer sind aus bei Fussball und Film

Welchen konkreten Einbruch der Fussball-Lockdown für den Vermarkter der Champions League haben wird, ist unklar. Sprecher Hirzel sagt, dass sich dazu noch keine Aussagen machen liessen.

Dabei wäre das Feld vorbereitet gewesen, auch in den kommenden Jahren den grossen Reibach zu machen. Ab der Saison 2021/2022 vermarktet Burgeners Gesellschaft auch die European Conference League, den dritten Uefa-Klubwettbewerb nach der Champions League und der Europa League. Doch in die Gegenwart ist düster, das Scheinwerferlicht ist nicht nur in den Sportstadien ausgeschaltet.

Auch die Filmproduktionen sind weitgehend eingestellt. Dies führt zu einem Stau, der zahlreiche Aufträge erwarten lässt – allerdings erst nach dem Ende der Coronakrise. Deshalb tritt Burgener kräftig auf die Sparbremse und verzögert Zahlungen, wo sie sich verzögern lassen, wie ein Anwalt erzählt.

Keinen speziellen Spardrang hat die HLEE bei der Honorierung ihres Konzernchefs. Wie im vergangenen Jahr hat sich Burgener als Delegierter des Verwaltungsrates eine Vergütung von 1,651 Millionen Franken ausbezahlt.

Verwandte Themen:

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1