20-Millionen-Verlust

FCB-Fans fordern den Rücktritt, Präsident Bernhard Burgener will vorerst bleiben

FCB-Präsident Bernhard Burgener ist das Gesicht der Finanz- und Kommunikationskrise beim FC Basel. Den Hut will er erst nehmen, wenn er an der GV abgewählt werden sollte.

FCB-Präsident Bernhard Burgener ist das Gesicht der Finanz- und Kommunikationskrise beim FC Basel. Den Hut will er erst nehmen, wenn er an der GV abgewählt werden sollte.

Der FC Basel bestätigt, dass er im Jahr 2019 knapp 20 Millionen Verlust gemacht hat. Zahlreiche Fans fordern daraufhin den Rücktritt der Bosse, doch die wollen auch diese Horrorbotschaft lieber ausschweigen, als Transparenz zu leben und einen Plan aus der Krise vorzustellen. Zehn Fragen und Antworten zum neuerlichen Tiefpunkt von Rotblau.

Warum hat der FCB die Zahlen am Dienstagabend veröffentlicht?

Aufgrund der Lizenzbestimmungen der Swiss Football League und der Uefa für die Spielzeit 2020/21 war der FCB schon drei Monate vor der GV gezwungen, die Zahlen offenzulegen. Warum er es ohne offizielle Mitteilung an einem Dienstagabend tat, bleibt das Geheimnis des Clubs und ist ein weiteres Beispiel für die desaströse Kommunikationspolitik des Vereins in den letzten Jahren. Zum wiederholten Mal verpassten Präsident Bernhard Burgener und CEO Roland Heri die gute Gelegenheit, der Anhängerschaft Erklärungen zu liefern. Das schürt das Misstrauen.

Wie kam es zu dem exorbitant hohen Verlust von 20 Millionen Franken?

Der FC Basel ist wegen seiner hohen Fixkosten auf Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb und aus Spielerverkäufen angewiesen. Bleiben diese aus, resultiert ein Defizit. Das beträgt in diesem Jahr 19,6 Millionen Franken. Um den Verlust zu kompensieren hat der FCB 18,7 Millionen Franken an Reserven aus der Holding in die AG überführt. Der Verein begründet den Verlust damit, dass man bewusst lukrative Spieler-Angebote abgelehnt hat, um europäisch erfolgreich zu sein und den Marktwert der eigenen Spieler zu steigern. Das gelang durch gute Auftritte in der Europa League auch, doch die finanziellen Einbussen durch die Coronakrise machten dem FCB einen dicken Strich durch die Rechnung.

Gibt es in den letzten Jahren auch positive Entwicklungen?

Durch die Teilnahme an der Europa League stiegen die Matcheinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Millionen Franken an, obwohl die Jahreskarten und Zuschauerzahlen im selben Zeitraum weiter zurückgingen. Auch, dass der FCB mehr Geld in den eigenen Nachwuchs investiert, darf als positive Entwicklung gewertet werden. Denn von den eigenen Junioren wird der klamme Verein in Zukunft deutlich stärker abhängig sein als bisher.

Warum gab der FCB knapp fünf Millionen für Spielervermittler aus?

Das ist schwer zu beantworten. Spannend ist vor allem, dass YB im Jahr 2019 nur 0,8 Millionen an Spielervermittler überwiesen hat. Auch hier hat der FCB akutes Sparpotenzial.

Wusste der FCB schon vor dem Bundesentscheid, dass er im Herbst 2020 Kredite benötigt?

Gut möglich, denn er sass zusammen mit dem FCZ am Verhandlungstisch, als Liga und Bund über eine Lösung berieten. CEO Roland Heri betont, dass der FCB die Lohnkosten in den kommenden Jahren sowieso um 20 Prozent senken will. Die Auflagen für die bereitgestellten Bundeskredite kommen dem Club also entgegen. So verwundert es nicht, dass Heri die Entscheidung des Bundes als «äusserst zielführend und weitsichtig» bezeichnet.

Welche Schuld trägt Ex-Präsident Bernhard Heusler?

Kritiker sagen, keine ganz unerhebliche. Heusler machte wären seiner Ära zwar einen super Job, doch er liess den Personal-Apparat auch immer weiter anwachsen. Auch wenn er seinem Nachfolger Bernhard Burgener 60 Millionen an Reserven aus den guten Jahren mit auf den Weg gab, hat die neue Führung auch drei Jahre nach Heuslers Abschied noch keinen Weg gefunden, die hohen Fixkosten signifikant zu senken. Das wiederum ist nicht Heuslers schuld. 

Welche Konsequenzen hat das für die 1. Mannschaft?

Sportchef Ruedi Zbinden sagt zwar: «Wir werden keine Spieler verschenken.» Doch der FCB wird in diesem Jahr mehr den je auf Spielerverkäufe angewiesen sein. Die auslaufenden Verträge von Trainer Marcel Koller, Ricky van Wolfswinkel, Zdravko Kuzmanovic und auch die der Leihspieler dürften kaum verlängert werden. Die fixe Übernahme eines Arthur Cabral macht nur dann Sinn, wenn der FCB ihn direkt teurer weiterverkaufen kann. Sportlich wird die Qualität leiden. Titel werden in Zukunft immer schwieriger zu gewinnen sein. Doch das ist auch die Chance für Nachwuchsspieler, sich in die 1. Mannschaft zu spielen.

Wirft Präsident Bernhard Burgener freiwillig hin?

Nein. Burgener sagte selber: «Ich bin nicht der Captain, der in der grössten Not das Schiff verlässt. Wenn man verkaufen will, wäre das heute der dümmste Moment.» Trotzdem hält er Augen und Ohren für allfällige Investoren offen. Die Mehrheit müsse aber in Basler Händen bleiben. «Wenn es Hart auf Hart kommt, müssen wir das anschauen. Aber ich werde keine Mehrheit abgeben», sagt Burgener. Sollte er jedoch an der GV als Vereinspräsident abgewählt werden, könnte er sich freiwillig auch aus der AG zurückziehen. Burgener betont gerne, dass er den Verein nur mit der Rückendeckung der Mitglieder führen will. Der Anteil der Ja-Stimmen nahm in den letzten drei Jahren jeweils ab. 2019 lag er nur noch bei 65 Prozent. Die GV im kommenden Oktober wird Klarheit geben, ob Burgener die aktuelle Krise als Präsident überlebt oder ob er von den Mitgliedern die Quittung erhält und abgewählt wird.

Was sagen die Fans?

Die Sorge über ihren Herzensverein entlädt sich in diesen Tagen in den sozialen Medien und bei Stammtischgesprächen. Viele Fans geben der aktuellen Führung die Schuld am Untergang. «Sorry, aber dieses Gesäusel von diesem CEO geht mir so was auf den Kecks. Der soll zusammen mit Burgener, Odermatt und anderen Verwaltungsräten endlich den Hut nehmen», schreibt ein User stellvertretend für viele unter das Erklärvideo von Roland Heri auf der FCB-Facebookseite. Neben Rücktrittsforderungen wünschen sich die Fans vor allem auch, dass ihnen die Bosse transparent aufzeigen, wie sie gedenken, den FCB aus dieser misslichen Lage zu befreien. Die rotblaue Anhängerschaft ist sich durchaus bewusst, dass sich Burgener und Co einer Mammutaufgabe angenommen haben. Doch aufgrund der ewigen Heimlichtuerei und der schlechten Kommunikation, nehmen die kritischen Stimmen zu, die behaupten, dass Burgener und Heri gar keinen Plan hätten.

Wie schafft es der FCB wieder in die richtige Bahn?

Entweder tritt Bernhard Burgener zurück und gibt den Verein in Hände, die besser mit einem Fussballclub umgehen können. Oder es muss seitens der Clubführung ein radikales Umdenken stattfinden. Burgener und Heri sollten Probleme ehrlich ansprechen und ihren Rettungsplan offenlegen. Nur so kann das Vertrauen der Basis wieder hergestellt werden. Dazu braucht der FCB auch dringend sportlichen Erfolg, um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

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