Interview

Ex-Kunstturner Lucas Fischer: «Ich hatte das Gefühl, ausgeschlossen zu sein»

Lucas Fischer steht nun öfters als Sänger auf der Bühne.

Lucas Fischer steht nun öfters als Sänger auf der Bühne.

Swiss Sports History lanciert eine neue Plattform für die Vernetzung der Schweizer Sportgeschichte. Als Botschafter vermitteln will Lucas Fischer, der ehemalige Kunstturner. Im Interview spricht er über Tipps für Kinder, Exklusion und Homosexualität.

Sie haben an der Medienkonferenz davon gesprochen, dass Sie ein sensibler Mensch sind und dass dies im Sport oft keinen Platz hat. Was werden Sie sportbegeisterten Kindern raten, wenn sie sich nicht wohlfühlen, sensibler sind als die anderen?

Es ist einfacher gesagt, als gemacht, wenn ich sage, ein Kind soll es einfach zulassen. Es ist immer eine Entwicklungsfrage. Man muss sich zuerst selbst kennenlernen, darf sich aber hierbei keine Grenzen setzen. Ich werde den Kindern versuchen aufzuzeigen, dass es nicht falsch ist, wenn sie vielleicht emotionaler sind als die anderen.

Stichwort Exklusion: Hatten Sie während Ihrer aktiven Turnkarriere auch das Gefühl, ausgeschlossen zu sein?

Ja. Ich hatte das Gefühl, ausgeschlossen zu werden, weil ich mich teilweise fremd gefühlt habe. Das hat in mir das Gefühl des Nichtdazugehörens entfacht, dass mich die anderen gar nicht so haben wollten, wie ich bin. Darum habe ich mich angefangen zu verstecken und zu verstellen. Aktiv ausgeschlossen hat mich aber nie jemand.

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Wir haben neue Zeichen gesetzt... Die WM 2019 in @stuttgart2019 ist Geschichte Ich kann fast nicht in Worte fassen, was mir diese Zeit bedeutet hat. Zwei Wochen wieder zurück in meiner alten Welt, wo ich zwanzig Jahre meines Lebens verbracht habe Dort wo ich mein Herz, meine Leidenschaft und meine Liebe reingesteckt habe. Es war eine Emotionale Reise auf eine schöne Weise. Ich bin zurückgekehrt als Mensch, der sich neu entdeckt hat und mit einer anderen genau so grossen Leidenschaft neue Zeichen setzten will. Darum habe ich diesen Song von Herzen gerne mit meinem grandiosen Team geschrieben. Wir sind hier und wir sind jetzt. Veränderung beginnt bei jedem einzelenen selber. Wir setzen neue Zeichen in dem Wir einander helfen, einander unterstützen, miteinander arbeiten und als allererstes jeden so akzeptieren wie er ist und tickt. An dieser WM hat man wieder gesehen wie man mit Freude, Begeisterung, Stärke, Mut Liebe und Teamgeist gemeinsam seine Träume leben und verwirklichen kann. Zusammen sind wir stärker und wir können mehr erreichen und bewegen. Herzliche Gratulation an alle Athletinnen und Athleten. Ihr seid grandios.⭐ Vielen Dank von Herzen an alle Volunteers die einen unglaublichen Job gemacht haben und immer vollgas gegeben haben. Danke von Herzen🙏 Danke an den STB, dass Ihr an mich und mein Team geglaubt habt und diesem Song eine Chance und diese grosse Plattform gegeben habt⭐ Danke von Herzen🙏 Danke an Jens Zimmermann für die grossartige Zusammenarbeit, den Glauben in mich und die Unterstützung in diesem Projekt Ohne dich wäre das ALLES nicht möglich gewesen. Danke von Herzen mein lieber Freund.⭐😘 Und jetzt Danke an mein Team mit denen ich den Song schreiben durfte. Als ich euch meine Vision, meinen Text und meine Gedanken zu dieser WM Hymmne gesendet habe, wart ihr direkt Feuer und Flamme. Und was Ihr schlussendlich daraus gezaubert habt ist einfach unfassbar. Ihr seid grandios und ihr verdient mindestens genau so viel Applaus wie ich in diesen zwei Wochen erhalten habe.👏 Danke ihr Lieben Daniel, Alex und Hannes ♥️⭐ #setnewsigns #lucasfischer #singer #singersongwriter #gymnast #gymnastics #worldchampionships #artisticgymnastics

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Inwiefern kann Sport eine Vorreiterrolle übernehmen, was die Integration betrifft?

Ich glaube, wenn es im Sport normal wird, dass man so sein oder lieben kann, wie man will, dann wird es vielen Leuten Mut machen. Es wird zur Normalität, dass man auch in Kraftsportarten, wo es reihenweise Muskelpakete gibt, sensibel oder homosexuell sein darf. Hier sollte es keine Gesetze geben.

Sie sprechen Ihre Homosexualität an. Mittlerweile sind Sie auch als Sänger unterwegs, haben den offiziellen Song zur Kunstturn-WM geschrieben. Ist es im Entertainment-Bereich einfacher, schwul zu sein?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ja. Es ist einfach normal, dass man das gleiche Geschlecht liebt und sich so gibt, wie man ist. Im Entertainment bist du im Gegensatz zum Sport ganz frei, hast keine Strukturen und Regeln, denen du folgen musst. Das hat auf beide Seiten natürlich Vor- und Nachteile.

Können Sie hier Brücken schlagen?

Ich versuche es. (lacht) Da ich bereits während meiner Turnkarriere mit dem Singen angefangen habe, hoffe ich, dass die beiden Bereiche auch besser mit einander vereinbar sein können.

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