Fussball
Eren Derdiyok ist in der Schweizer Nati auf der Suche nach dem Glück

Viele Schweizer Stürmer durchleben im Moment eine schwierige Phase – doch es gibt auch leise Zeichen der Hoffnung - namentlich Eren Derdiyok oder auch Haris Seferovic.

Etienne Wuillemin, Lugano
Drucken
Teilen
Rasante Rodelfahrt: Eren Derdiyok vergnügt sich beim Schweizer Teamevent auf dem Monte Tamaro zusammen mit Xherdan Shaqiri. Nach schwierigen Jahren ist er zurück in der Nationalmannschaft.

Rasante Rodelfahrt: Eren Derdiyok vergnügt sich beim Schweizer Teamevent auf dem Monte Tamaro zusammen mit Xherdan Shaqiri. Nach schwierigen Jahren ist er zurück in der Nationalmannschaft.

KEYSTONE

Der Berner Kultsänger Kuno Lauener (Züri West) denkt dieser Tage wieder einmal besonders melancholisch über den Fussball nach. Sein YB hat schliesslich gerade seit 30 Jahren keinen Meistertitel mehr gewonnen.

Wenn Lauener an einem Konzert seinen Song «Irgendeinisch fingt ds’Glück eim» vorträgt, dann lässt er das Publikum vorher gerne wissen, dass er die Zeilen einem Fussballer widmet. Hakan Yakin kam während seiner Irrfahrten einmal in diesen zweifelhaften Genuss.

In der aktuellen Nationalmannschaft gäbe es einige Kandidaten, denen der Betrachter wünscht, das Glück möge sie bald finden. Gerade im Sturm. Vor dem ersten EM-Testspiel gegen Belgien am Samstag stellt sich die Frage: Wer soll die Schweizer Tore schiessen?

Liveblog Bildstrecke EM 2016
81 Bilder
Wir haben unseren Natispielern brisante Fragen gestellt
Taulant Xhaka (links) gegen Granit Xhaka Holt einer der Brüder eine rote Karte? Die Quoten dazu stehen nicht schlecht
Auf diese fünf (unbekannten) Spieler dürfen wir uns freuen.
Yann Sommer wird von deutschen Journalisten belagert
Raymond Domenech im Video gegen häusliche Gewalt
Kräftigungsübungen für Valon Behrami in Montpellier
Die Schweiz beim ersten Training in Montpellier.
Die Natistars werden in Montpellier von den Hotelangestellten herzlich und euphorisch empfangen.
Anknft beim Hotel in Montpellier.
Heimelig: Die Schweiz darf sich unter Topbedingungen auf die EM vorbereiten.
Ein letztes Interview in der Schweiz vor dem Abflug nach Frankreich.
Yann Sommer ist vor dem Abflug ein gefragter Mann.
Ricardo Rodriguez gut gelaunt.
Ein Selfie mit Admir Mehmedi.
Haris Seferovic ist bereit für den Abflug nach Frankreich.
Abschied für einige Wochen: Granit Xhaka sagt am Flughafen Tschüss.
Michael Lang mit seinem Gepäck.
Xherdan Shaqiri und Eren Derdiyok am Zürcher Flughafen.
Stephan Lichtsteiner steigt vor dem Terminal aus.
Nico Elvedi muss vor dem Abflug noch eine KV-Prüfung schreiben.
Mehmedi schiesst den 2:1-Siegtreffer.
Blerim Dzemaili trifft per Kopf zum 1:0.
Von Bergen ersetzt den angeschlagenen Djourou.
Eren Derdiyok muss nach der Pause in der Kabine bleiben.
Shaqiri gratuliert dem Torschützen.
Rodriguez macht auch gegen Moldawien die linke Seite dicht.
Embolos Trikot leidet unter der harten Gangart der Moldawier.
Behrami im Luftkampf.
Augen zu und durch: Fabien Schär
Valon Behrami versucht den Ball zu erobern.
Roman Bürki startet gegen Moldawien im Tor der Schweiz.
Wen würden Sie an Stelle von Petkovic aufstellen?
Valon Behrami stellt sich an der Abschluss-PK vor dem Spiel den Fragen der Journalisten.
Das Abschlusstraining vor dem Testspiel gegen Moldawien (morgen 18:00) läuft. Und wieder sind die Tribünen im Cornaredo voll.
Steven von Bergen präsentiert sich auf der Bootstour gut gelaunt neben Djourou, Zakaria und Moubandje.
Die WM 2014 war für von Bergen nach dem Foul von Olivier Giroud gelaufen.
Bruch im Gesicht: So lautete die Diagnose nach dem Foul des Franzosen Giroud an von Bergen.
Chaos in den Reihen der Schweizer vor dem offiziellen Fototermin.
Hier erschreckt ein Monster Taulant Xhaka im EM-Camp von Albanien. Keine Angst: Der Spassvogel ist Shkelzen Gashi.
Es geht schon wieder zur Sache in Lugano: Die Schweizer Nati im ersten Training der zweiten EM-Vorbereitungswoche
Glück gehabt. Haris Seferovic darf trotz Rot gegen Belgien an der EM spielen
Xherdan Shaqiri stand gegen Belgien wieder auf dem Platz.
Endlich wieder ein Tor: Dzemaili traf zum zwischenzeitlichen 1:0.
Die Schweiz (Behrami, links) kämpfte gegen Belgien beherzt.
Spaziergang als Vorbereitung auf das Spiel gegen Belgien: Die Fussball-Nati in Genf.
Die Schweizer Nationalmannschaft ist unterwegs nach Genf.
Eren Derdyok zusammen mit Xherdan Shaqiri auf der Rodelbahn.
Diesen Tag wird der Junge auf dem Vordersitz wohl nicht so schnell vergessen.
Spass und Teambuilding mit der Schweizer Nati.
Spass und Teambuilding mit der Schweizer Nati.
Spass und Teambuilding mit der Schweizer Nati.
Spass und Teambuilding mit der Schweizer Nati.
Spass und Teambuilding mit der Schweizer Nati.
Johan Djourou
Als Lohn für seine starken Leistungen bei Mainz erhielt er von Petkovic ein Nati-Aufgebot.
Fabian Frei gehört mit dem FSV Mainz zu den positiven Überraschung der vergangenen Bundesliga-Saison.
Granit Xhaka wechselt zu Arsenal
Breel Embolo nach seiner Verleztung: «Ich bin zuversichtlich für die EM»
Verpasst Fabian Schär die EM?
Ein Selfie oder ein Autogramm mit Shaqiri - der grösste Traum für viele Kinder
Haris Seferovic jubelt über seinen Treffer für Eintracht Frankfurt in der Relegation gegen Nürnberg
Last-Minute-Tor an der WM 2014 gegen Ecuador
Kopftor zum 1:0 gegen Nigeria im U17-WM-Final. .
Die Regenwolken verziehen sich langsam: Zeit für das erste Training der Nati.
Basels Renato Steffen muss verletzungsbedingt auf die EM in Frankreich verzichten
Jetzt geht es los: In Lugano findet das Nati-Camp statt. Nati-Trainer Vladimir Petković bei der Ankunft.
Xherdan Shaqiri trifft in Lugano ein.
Auch Fabian Schär ist in Lugano mit von der Partie.
Silvan Widmer gehört auch zur Schweizer Selektion.
Johan Djourou und Gelson Fernandes am ersten Medientermin.

Liveblog Bildstrecke EM 2016

Keystone

Haris Seferovic, Eren Derdiyok und Admir Mehmedi möchten alle ihren Teil zum Schweizer Glück an der Europameisterschaft beitragen. Sie alle eint aber eine komplizierte Vorgeschichte. Sie haben Monate hinter sich, die Zweifel hervorriefen.

Der Mann der wichtigen Tore

Wenn es stimmt, dass der letzte Eindruck zählt, so muss man sich um Seferovic keine Sorgen machen. Unter der Woche schoss er das Tor, das die Eintracht aus Frankfurt in der Relegation vor dem Abstieg aus der Bundesliga rettete. «Wir konnten die Katastrophe gerade noch abwenden», sagt er.

Es war Seferovics erstes Tor in diesem Jahr. Und vor allem: Ein weiteres sehr wichtiges Tor. Nach jenem Treffer, der der Schweizer U17 den Weltmeistertitel brachte. Und nach jenem Tor, das der Schweiz an der WM in Brasilien in der 93. Minute den Sieg über Ecuador bescherte. «Ich habe keine Ahnung, warum ich der Mann für wichtige Tore bin», sagt Seferovic gestern, kurz nachdem er zum Schweizer Camp gestossen ist. Die Frage ist, ob dieses eine Tor reicht, um die schwierige Saison zu vergessen. Es wäre zumindest erstaunlich.

Wenn Admir Mehmedi über die vergangene Spielzeit spricht, so ist ihm schnell einmal eines wichtig: «Es war nicht alles schlecht. Der Wechsel zu Leverkusen hat sich gelohnt. Wir spielen nicht irgendwo im Mittelfeld oder im Abstiegskampf, meine Konkurrenz ist gross.» Der letzte Eindruck sagt: Seit Mitte März hat Mehmedi nur noch etwas mehr als 100 Spielminuten absolviert. Er entgegnet: «Über die Saison gesehen, kam ich auf über 40 Einsätze. Und habe dabei 15 Skorerpunkte erzielt. Ich konnte mich präsentieren.»

Mehmedi war es, der die WM 2014 für die Schweiz so richtig lanciert hat, mit seinem Ausgleichstor direkt nach der Einwechslung zur Pause gegen Ecuador.» Damals begann er die WM als Joker. Er musste sich aufdrängen, kam aber dank
einigen Bundesligatoren in der Rückrunde mit Freiburg aus einer Position der Stärke. Und spielte dann eine überragende WM. Nun, zwei Jahre später, ist die Ausgangslage umgekehrt. Eigentlich wäre er am linken Flügel vorgesehen. Aber setzt Petkovic wirklich auf ihn, nachdem die Leistungen und Einsatzminuten zuletzt immer bescheidener wurden? Mehmedi sagt: «Zum Glück bin nicht ich Nationaltrainer!»

Aus dem Nichts auferstanden

Das Lachen ist immer noch das gleiche wie vor Jahren. Der Kopf ist kahlgeschoren geblieben. Und den Worten von Eren Derdiyok ist immer noch eine tiefe Dankbarkeit zu entnehmen, bei diesem Schweizer Team dabei zu sein.

Vor knapp vier Jahren war vieles anders. Derdiyok, damals 23 Jahre alt, galt als Nachfolger der zurückgetretenen Alex Frei und Marco Streller. «Ich habe mir diese Position verdient», sagte er selbstbewusst.

Genau vier Spiele lang genoss er das Vertrauen von Trainer Ottmar Hitzfeld. Dann (beim WM-Qualifikationsspiel in Zypern) musste er weichen für den damaligen Serie-B-Stürmer Seferovic. Der Abstieg von Derdiyok ging rasend schnell. Auch im Klub wurde der sowohl bei Leverkusen als auch in Hoffenheim als Hoffnungsträger angesehene Derdiyok nicht glücklich.

Doch es kam noch schlimmer. Als sich Derdiyok zu einem Neuanfang bei Kasimpasa in der Türkei entschied, riss er sich das Kreuzband. Fast ein Jahr fiel er aus. Aber er nutzte die Zeit auch, um sich zu hintersinnen. «Wenn es nicht läuft, muss man Sachen ändern.» Im April vor einem Jahr gibt er sein Comeback. Seither führt der Weg kontinuierlich nach oben. Jetzt sagt er in Lugano: «Ich bin stärker zurückgekommen.» Und trotzdem sieht er sich, 27 Jahre alt mittlerweile, nicht als Stammspieler.

Vielleicht ist das keine schlechte Voraussetzung, dass aus dem Rätsel, das er zuweilen im Nati-Dress war, plötzlich wieder ein Stürmer wird, der in Frankreich sein Glück findet.