Eishockey NHL
Endstation Sehnsucht: Die Toronto Maple Leafs sind ausgeschieden, aber ihre Zukunft ist golden

Die Toronto Maple Leafs sind bereits in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden, aber ihre Zukunft ist vielversprechend.

Marcel Kuchta
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Die Toronto Maple Leafs sind ausgeschieden, aber ihre Zukunft ist golden.

Die Toronto Maple Leafs sind ausgeschieden, aber ihre Zukunft ist golden.

Keystone

Wer Fan der Toronto Maple Leafs ist, der hat das Gefühl des Verlierens verinnerlicht. Bis auf ein kurzes Zwischenhoch im Jahr 2013 pflegte die Mannschaft aus einer der Eishockey-verrücktesten Städte der Welt seit geraumer Zeit die Kultur der Niederlage. 1967, im letzten Jahr bevor die NHL expandierte und die Anzahl Mannschaften von sechs auf zwölf erhöhte, feierten die Leafs zuletzt einen Stanley-Cup-Triumph.

50

Jahre ist es her, dass die Toronto Maple Leafs zuletzt den Stanley-Cup gewannen.

Das wurde ihnen seither bei jeder Gelegenheit unter die Nase gerieben. Fans der gegnerischen Teams skandieren dann lustvoll «Sixty-seven!» in Anspielung auf den letzten Titelgewinn der Ahornblätter. 50 Jahre sind inzwischen vergangen, seit der Stanley-Cup zum letzten Mal in Besitz der Leafs war.

Der Matthews-Effekt

In der Nacht auf Montag sind sie erneut aus den Playoffs ausgeschieden. In der ersten Runde scheiterte Toronto knapp am besten Quali-Team, den Washington Capitals. Und doch ist die Stimmung in der kanadischen Wirtschaftsmetropole in Bezug auf seine Lieblings-Sportmannschaft so gut wie schon lange nicht mehr. Mit gutem Grund. Man muss kein Prophet sein, um diesem Team eine goldene Zukunft zu prognostizieren.

Dabei hat sich ein Mann als grosser Hoffnungsträger herauskristallisiert: Auston Matthews. Der 19-jährige Amerikaner, der im vergangenen Sommer von den Leafs an erster Stelle gedraftet wurde, hat alle Erwartungen erfüllt, ja sogar meilenweit übertroffen (40 Tore in der Qualifikation, weitere 4 in sechs Playoff-Spielen).

Respekt für den Verlierer: Washingtons Superstar Alexander Owetschkin (rechts) gratuliert Auston Matthews zu dessen starken Darbietungen.

Respekt für den Verlierer: Washingtons Superstar Alexander Owetschkin (rechts) gratuliert Auston Matthews zu dessen starken Darbietungen.

Keystone

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Wer Hoffnungsträger in einer sportverrückten Stadt wie Toronto ist, der muss Nerven wie Drahtseile haben. Denn genauso, wie sich der gemeine Leafs-Fan in seinem Selbstmitleid zu suhlen vermag, genauso gross und übertrieben können plötzlich die Erwartungen sein.

Doch Auston Matthews, der in der Saison 2015/2016 auch die Schweiz im Dress der ZSC Lions verzaubert hatte, liess sich vom Wirbelsturm, den er in Toronto entfachte, nie aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Er entpuppte sich als genau die Medizin, die diese chronische Verlierertruppe brauchte. Matthews ist der lange gesuchte Erstlinien-Center, um den man eine erfolgreiche Mannschaft aufbauen kann. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er von Trainer Mike Babcock zum Captain ernannt wird. Im Windschatten des Manns aus dem US-Bundesstaat Arizona reiften mit William Nylander und Mitch Marner zwei weitere Teenager zu Leistungsträgern heran.

Kein Wunder, sehen viele Experten die Toronto Maple Leafs an einem ähnlichen Punkt wie die Chicago Blackhawks oder die Pittsburgh Penguins vor zehn Jahren. Die beiden NHL-Franchisen hatten damals ebenfalls lange Durststrecken hinter sich, um dann mit einem Kern von überaus talentierten Spielern durchzustarten. Die Blackhawks um seine Superstars Jonathan Toews und Patrick Kane wurden 2010, 2013 und 2015 Stanley-Cup-Sieger, die Penguins um Sidney Crosby und Jewgeni Malkin 2009 und 2016. Folgen die Maple Leafs demselben Muster, dann wird der erste Titelgewinn nicht allzu lange auf sich warten lassen.

«Wir haben eine verheissungsvolle Zukunft»

Dennoch gibt es bei der Suche von Matthews und Co. nach der Endstation Sehnsucht ein paar Unwägbarkeiten, die es bei aller Euphorie zu beachten gilt. Erstens ist es nicht unüblich, dass junge Spieler gerade in ihrem zweiten NHL-Jahr einen Rückschlag erleiden – den sogenannten «Sophomore Slump» – und somit unter den mit ihrer «Rookie-Saison» geweckten Erwartungen bleiben.

Zweitens kann der grosse Druck, der in Toronto aufgrund der gezeigten Leistungen nun unweigerlich entstehen wird, auch lähmend wirken. In der nun zu Ende gegangenen Saison konnten die Toronto Maple Leafs frisch von der Leber und ohne mentale Belastung auftreten. Diese Leichtigkeit des Seins gehört nun der Vergangenheit an. Dennoch betonte Auston Matthews nach dem Playoff-Out: «Wir haben eine verheissungsvolle Zukunft.»

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