EM-Kolumne
Löw tanzt sich in den Schatten – die Rückkehr von Hummels und Müller schwächt seine Autorität

Warum Jogi Löws Entscheid doch wieder Thomas Müller und Mats Hummels aufzubieten, seine Autorität schwächt.

François Schmid-Bechtel
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Jogi Löw setzt wieder auf Thomas Müller und Mats Hummels.

Jogi Löw setzt wieder auf Thomas Müller und Mats Hummels.

Christian Charisius / dpa

Es war mutig von Jogi Löw, Thomas Müller und Mats Hummels von der Nationalelf auszuschliessen. Es ist aber noch mutiger, diese beiden Spieler wieder in den Kreis aufzunehmen. Denn mit dieser Aktion räumt Löw ein, Hummels und Müller falsch eingeschätzt zu haben. Er glaubte, sie seien nicht mehr gut genug für Deutschland. Aber: Wenn ein Nationaltrainer vor allem etwas können muss, dann ist es die Selektion der Spieler. Nicht umsonst nennt man einen Nationaltrainer auch Selektionär.

Bei ihnen hat sich Löw getäuscht: Mats Hummels (links) und Thomas Müller.

Bei ihnen hat sich Löw getäuscht: Mats Hummels (links) und Thomas Müller.

Federico Gambarini / Pool / EPA

Die Entscheidung, Müller und Hummels wieder mit an Bord zu nehmen, hat Jogi Löws Autorität kaum gestärkt. Aber braucht ein Trainer, der seit 15 Jahren im Amt ist, überhaupt noch Autorität? Wahrscheinlich schon. Aber wie ist es, wenn sich dieser Trainer auf der Zielgeraden befindet, wenn er bösartig formuliert eine lame duck ist? Stimmt: Dann beteuern die Spieler, dem Trainer einen versöhnlichen Abgang zu ermöglichen – wers glaubt. Das lässt uns zum polemischen Schluss kommen: Sollte Deutschland Europameister werden, könnten auch Sie und ich an der Linie gestanden sein.